E1-1 Übergangsplan für den Klimaschutz

[E1-1 AR 1] [E1-1.14] [E1-1.16] OMV bekennt sich in vollem Umfang zu den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens. Die Bekämpfung des Klimawandels ist daher ein zentraler Bestandteil unserer Konzernstrategie. Wir wollen uns zu einem integrierten Unternehmen für nachhaltige Energie, Kraftstoffe und Chemikalien entwickeln und bis 2050 das Netto-Null-Ziel erreichen.Das „Netto-Null bis 2050“-Ziel bezieht sich auf die Treibhausgas-(THG-)Emissionen aus unserer Geschäftstätigkeit (Scope 1 und 2) und unserem Produktportfolio sowie andere Scope‑3-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette. Unsere zwischenzeitlichen THG-Ziele bis 2030 und 2040 umfassen Scope 1 und 2 sowie die folgenden Scope‑3-Kategorien: Kategorie 11: „Verwendung verkaufter Produkte“ für die Energieversorgung, Kategorie 1: „Erworbene Waren und Dienstleistungen“ (Einsatzstoffe) aus dem Geschäftsbereich Chemicals von OMV und Kategorie 12: „Behandlung von Produkten am Ende der Lebensdauer“ für nicht energetische Zwecke. Dieses Commitment bezieht sich nicht nur auf die Emissionen aus unserer eigenen Geschäftstätigkeit (Scope 1 und 2), sondern auch auf unser Produktportfolio und andere Emissionen entlang der Wertschöpfungskette (Scope 3). OMV setzt sich für den Klimaschutz ein und will die Energiewende fördern bzw. vorantreiben.

[E1-1.16h] [E1-4.34] [E1-4 AR 31] Zur Unterstützung des Ziels von OMV, bis 2050 ein Unternehmen mit Netto-Null-Emissionen zu werden, hat OMV einen Übergangsplan entwickelt. Dieser Plan ist fester Bestandteil der OMV Strategie 2030 und wird durch konkrete kurz-, mittel- und langfristige Ziele ergänzt. Die Ziele von OMV werden sowohl auf absoluter Ebene als auch auf Ebene der Emissionsintensität festgelegt – mit dem Endziel, bis 2050 in Scope 1, 2 und 3 Netto-Null-THG-Emissionen zu erreichen. Für Scope 1 und 2 strebt OMV eine absolute Reduktion um 30% bis 2030 und um 60% bis 2040 an. Für die definierten Kategorien in Scope 3 zielt OMV auf eine absolute Reduktion um 20% bis 2030 und um 50% bis 2040 ab. Diese absoluten Reduktionen der THG-Emissionen und die Steigerung des Verkaufs CO2-freier Energie sind der Schlüssel, um die CO2-Intensität unserer Energieversorgung zu reduzieren. Angestrebt wird ein Rückgang um 10% bis 2030 sowie um 25% bis 2040. Diese ZieleDas Intensitätsziel wurde 2025 korrigiert. wurden 2021 festgelegt und sind für 2030 an das nachhaltige Entwicklungsszenario (Sustainable Development Scenario; SDS) der Internationalen Energieagentur (IEA) angelehnt. Unser Ziel, bereits bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen, ist jedoch weitaus ehrgeiziger als der Emissionsminderungspfad des nachhaltigen Entwicklungsszenarios. Als Basis für diese Ziele dient das Jahr 2019 als letztes volles Jahr vor der Covid-19-Pandemie, in dem der Großteil der Anlagen von OMV das gesamte Jahr über in Betrieb war. Mehr zu unseren Klimazielen finden Sie im Abschnitt E1-4 Ziele im Zusammenhang mit dem Klimaschutz und der Anpassung an den Klimawandel.

[E1-1.16i] Die Klimaziele, an denen sich der Übergangsplan von OMV orientiert, wurden von Vorstand und Aufsichtsrat genehmigt. Strategische Maßnahmen zur Umsetzung des Übergangsplans von OMV und zur Erreichung unserer Klimaziele werden vom OMV Vorstand im Zuge der Mittelfristplanung des Unternehmens und der Investitionsgenehmigungsprozesse genehmigt. Die Erreichung der Ziele ist auch ein wichtiges Element der Vergütung des Vorstands; Einzelheiten finden Sie im Abschnitt GOV-3 Einbeziehung der nachhaltigkeitsbezogenen Leistung in Anreizsysteme. Die Reduktion der CO2-Emissionen wird vom OMV Aufsichtsrat überwacht, unterstützt durch den Nachhaltigkeits- und Transformationsausschuss (NTA); Einzelheiten zur Überwachung und Verantwortung in Sachen Nachhaltigkeitsaspekte finden Sie im Abschnitt GOV-1 Die Rolle der Verwaltungs-, Leitungs- und Aufsichtsorgane. Eine der Aufgaben des NTA ist dabei die Prüfung und Bewertung der Fortschritte, die OMV bei der Erreichung seiner Ziele in den Bereichen Klimawandel und Energiewende macht. Der NTA und der Aufsichtsrat prüfen und genehmigen gemeinsam jedes Jahr die Nachhaltigkeitserklärung des OMV Konzerns, die auch den Übergangsplan umfasst.

Dekarbonisierungshebel

[E1-1 AR 1] [E1-1.16b] [E1-4.34f] [E1-4 AR 30a] Um diese Ziele zu erreichen, hat sich OMV verpflichtet, sein Geschäftsmodell anzupassen und Maßnahmen zum Klimaschutz in den verschiedensten Bereichen zu ergreifen, die entsprechend den unten beschriebenen Dekarbonisierungshebeln eingeteilt wurden. Diese Hebel fassen die Investitionen zusammen, die als Teil der Mittelfristplanung im Hinblick auf die Implementierung der OMV Strategie 2030 (siehe Abschnitt Lagebericht: Strategie) und das Erreichen der Klimaziele von OMV festgelegt wurden (Einzelheiten siehe Abschnitt E1-3 Maßnahmen und Mittel im Zusammenhang mit den Klimakonzepten). [E1-4.34f AR 30c] Der mittelfristige Planungsprozess von OMV und die daraus abgeleiteten Dekarbonisierungshebel basieren auf der Szenarioanalyse von OMV; Einzelheiten finden Sie im Abschnitt ESRS 2 SBM-3 Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen und ihr Zusammenspiel mit Strategie und Geschäftsmodell sowie in Anhangangabe 3 – Auswirkungen des Klimawandels und der Energiewende.

Dekarbonisierungshebel

Dekarbonisierungshebel

 

Geschätzter Beitrag zu den absoluten THG-Emissions­reduktionszielen 2019–20301

 

 

Scope 1 & 2

Scope 3

Verbesserung der Betriebseffizienz

Dieser Dekarbonisierungshebel umfasst Initiativen zur Optimierung und Dekarbonisierung unserer betrieblichen Prozesse, zur Steigerung der Energieeffizienz, zur Elektrifizierung von Betriebsprozessen, zur Installation von Photovoltaikanlagen für die eigene Stromversorgung, zur Reduzierung des Abfackelns und Ablassens von Erdölbegleitgas sowie zur Verringerung der Methanemissionen durch Leckerkennung und Verbesserungen der Anlagenintegrität.

62%

 

Erhöhung der Einkäufe erneuerbarer Energie

Für den Betrieb seiner eigenen Anlagen setzt OMV zunehmend auf erneuerbare Energien. Eine Möglichkeit, dies zu tun, ist der Zukauf von erneuerbarer Energie, wodurch unsere Scope-2-Emissionen reduziert werden.

7%

 

Anpassungen bei der Petrochemie- und Kraftstoffproduktion

Ein wachsender Anteil an nachhaltigen (erneuerbaren und recycelten) Einsatzstoffen für die Produktion von Kraftstoffen und Chemikalien an unseren integrierten Standorten Schwechat und Burghausen unterstützt die Dekarbonisierungsstrategie von OMV.

 

47%

Steigerung der Verkäufe CO2-freier Produkte

Wir verringern aktiv die CO2-Intensität unserer Energieversorgung durch die Aufnahme erneuerbarer Produkte in unser Vertriebsportfolio, indem wir nachhaltige und biobasierte Kraftstoffe, den Umsatz mit grünem Erdgas, Ladekapazitäten für Elektrofahrzeuge und Photovoltaik­kapazitäten sowie den Bereich Geothermie stark ausbauen.

Keine absoluten THG-Auswirkungen, aber Beitrag zur Reduktion der CO2-Intensität der Energieversorgung

Portfolio-Änderungen

Die Umsetzung weiterer strategischer Portfolio-Änderungen durch Akquisitionen und Investitionen, die Stilllegung und Veräußerung von Anlagen sowie die Optimierung unseres Öl- und Gasportfolios mit Schwerpunkt auf Erdgas als Brückenenergieträger der Energiewende wird uns dabei helfen, Emissionen zu reduzieren und unsere Klimaziele zu erreichen.

31%

53%

CCS/CCU

Die Investition in Kapazitäten zur Abscheidung und Speicherung von CO2 (Carbon Capture and Storage; CCS) als Minderungsmaßnahme wird unsere Bemühungen zur Erreichung der Klimaziele unterstützen.

Beitrag nach 2030

1

Da Borealis voraussichtlich 2026 im Rahmen der Gründung von Borouge Group International (BGI) entkonsolidiert wird, wird die daraus resultierende Neuberechnung des Basisjahrs 2019 in diesen Schätzungen berücksichtigt.

Dekarbonisierungsmaßnahmen zur Erreichung der OMV Klimaziele 2030 mit dem Ziel, bis 2050 ein Unternehmen mit Netto-Null-Emissionen zu werden

Absolute Netto-THG-Emissionen, Scope 1 und 2

[Mio t CO2e]

Absolute Netto-THG-Emissionen nach Scope 1 und 2 [Mio t CO2e] (Grafik)

Absolute Netto-THG-Emissionen, Scope 3

[Mio t CO2e]

Absolute Netto-THG-Emissionen nach Scope 3 [Mio t CO2e] (Grafik)

Beitrag der Maßnahmen zum absoluten THG-Emissionsreduktionsziel für 2030

Beiträge der Maßnahmen zur Verringerung der THG-Emissionen nach Scope 1, 2 und 3 von 2019 bis 2030 (Grafik)

CO2-Intensität der Energieversorgung, Scope 1, 2 und 3

[g CO2e/MJ]

CO2-Intensität der Energieversorgung, Scope 1, 2 und 3 [g CO2e/MJ] (Grafik)

Beiträge der Maßnahmen zum CO2-Intensitätsreduktionsziel für 2030

Beiträge der Maßnahmen zur Verringerung der Emissionen zu g CO2e/MJ von 2019 bis 2030 (Grafik)

CAPEX in 2025 zur Erreichung der Klimaziele1

CAPEX in 2025 zur Erreichung der Klimaziele (Kreisdiagramm)
1 Zusätzlich tragen Investitionen von EUR 0,1 Mrd in chemisches und mechanisches Recycling zur Einsparung von Treibhausgasemissionen bei, jedoch außerhalb der für OMV zielrelevanten Emissionskategorien.

Investitionen zur Unterstützung des Übergangsplans

[E1-1.16c] Zur Unterstützung der OMV Strategie 2030 plant das Unternehmen für den Zeitraum 2026 bis 2030 organische Investitionen von durchschnittlich rund EUR 2,8 Mrd pro Jahr. Davon sind 30% für nachhaltige Projekte bestimmt. Gemäß dem Nachhaltigkeits-Framework von OMV umfasst dies Projekte, die entweder taxonomiekonform sind oder zur Erreichung der THG-Ziele von OMV beitragen, darunter geothermische Projekte, erneuerbare Elektrizität, mechanisches und chemisches Recycling sowie Biokraftstoffe. Etwa 25% der CAPEX für nachhaltige Projekte werden auf das OMV Segment Energy entfallen und 75% auf die Segmente Chemicals und Fuels. Weitere Einzelheiten finden Sie im Abschnitt E1-3 Maßnahmen und Mittel im Zusammenhang mit den Klimakonzepten.

[E1-1.16e] Durchschnittlich werden 76% der Investitionen in nachhaltige Projekte im mittelfristigen Planungszeitraum von 2026 bis 2028 voraussichtlich der EU-Taxonomie entsprechen. Der CAPEX-Plan von OMV für den weiteren Ausbau der taxonomiekonformen Tätigkeiten basiert auf dem jüngsten, vom Aufsichtsrat genehmigten Geschäftsplan. Er ist Gegenstand von Überprüfungen und möglichen Änderungen. Er berücksichtigt keine taxonomiefähigen Tätigkeiten, die seit 2022 nicht als taxonomiekonform geltend gemacht wurden, aber in Zukunft taxonomiekonform sein könnten, wie beispielsweise Tätigkeiten im Bereich der Geothermie. [E1-1 AR 4] OMV hat im Jahr 2025 einen insgesamt taxonomiekonformen CAPEX-Anteil am gesamten CAPEX von 18,4% und wird diesen voraussichtlich in der Mittelfristplanung von 2026 bis 2028 auf 19% erhöhen. Weitere Einzelheiten finden Sie im Abschnitt Taxonomiefähige und taxonomiekonforme CAPEX. [E1-1.16f, 16g] [E1-1 AR 5] OMV ist von den Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten ausgenommen. Signifikante CAPEX in Wirtschaftstätigkeiten in den Bereichen Öl und Gas beliefen sich in 2025 auf EUR 2 Mrd.

Fortschritte bei der Umsetzung des Übergangsplans

[E1-1.16j] OMV arbeitet aktiv an der Umsetzung seines Übergangsplans und erzielt entsprechende Fortschritte; Einzelheiten finden Sie im Abschnitt Fortschritte bei konkreten wichtigsten Maßnahmen. OMV hat auch seine Energie- und Betriebseffizienz verbessert und damit zu einer Reduktion der absoluten Scope-1- und Scope-2-Emissionen um 26% im Vergleich zu 2019 beigetragen. Die Scope-3-Emissionen haben sich im Vergleich zu 2019 um 19% verringert, da die Verkäufe fossiler Brennstoffe zurückgingen. Um diese Fortschritte zu erreichen, investierte OMV im Jahr 2025 EUR 0,5 Mrd. [E1-1.16c] Im Jahr 2025 wurden 16,6% (2024: 22,4%) der Gesamt-CAPEX von OMV als taxonomiefähig (nicht taxonomiekonform) und 18,4% (2024: 18,7%) als taxonomiekonform eingestuft.

Übereinstimmung mit 1,5°C

[E1-1.16a, 16h] Bei der Bewertung der Übereinstimmung der Klimaziele von OMV mit einer 1,5-Grad-Welt wurden mehrere Szenarien und Ansätze untersucht, da keine Leitlinien für ein integriertes Energie-, Kraftstoff- und Chemieunternehmen verfügbar sind. Einer der wichtigsten Ausgangspunkte für die Bewertung von OMV waren die vom Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change; IPCC) entwickelten Szenarien zur Unterstützung des Sechsten Sachstandsberichts, insbesondere die C1-Szenarien, bei welchen die globale Erwärmung auf 1,5°C ohne oder mit begrenzter Überschreitung beschränkt ist (>50% Wahrscheinlichkeit). Eine Untersuchung der weltweiten energiebezogenen THG-Emissionen (CO2, CH4 und N2O) – zur besseren Darstellung der Geschäftstätigkeit von OMV unter Ausschluss der Emissionen aus Kohle – ergibt ein breites Spektrum von rund 70 Szenarien bis 2030 und darüber hinaus. Deren Emissionen wurden für 2019, das Basisjahr für die Klimaziele von OMV, auf 100% normalisiert. Dann wurden jeweils 5% der extremen Ausreißer nach unten und oben herausgenommen, um das Spektrum der Szenarien zu verdichten. Alle Ziele von OMV liegen innerhalb des definierten Wertebereichs, was auf eine Übereinstimmung mit einer 1,5-Grad-Welt hinweist (siehe Abbildung unten). Im Vergleich zu den Scope‑3-Zielen von OMV für 2030 bzw. 2040 sind etwa 40% bzw. über 20% der analysierten IPCC-Szenarien durch weniger ehrgeizige CO2-Emissionsreduktionen gekennzeichnet.

Übereinstimmung der Ziele zur Verringerung der Treibhausgase

Übereinstimmung der Ziele zur Verringerung der Treibhausgase (Liniendiagramm)

Die zweite wichtige Quelle, auf die sich OMV zur Bewertung seiner Klimaziele stützt, ist der World Energy Outlook (WEO 2025) der IEA. Dabei ziehen wir insbesondere drei IEA-Szenarien heran: das „Netto-Null-Emissionen bis 2050“-Szenario (Net Zero Emissions by 2050; NZE), das einem Temperaturanstieg von 1,5°C entspricht (50% Wahrscheinlichkeit), das Announced-Pledges-Szenario (APS)Basierend auf dem WEO 2024, da dieses Szenario nicht im WEO 2025 inkludiert wurde., das von einem Anstieg um 1,7°C ausgeht, und das Stated-Policies-Szenario (STEPS) mit einem Temperaturanstieg von 2,5°C. Das Scope‑3-Ziel von OMV bis 2030 entspricht dabei annähernd dem Emissionspfad für den Öl- und Gassektor im NZE-Szenario, während die Ziele bis 2040 zwischen dem NZE- und dem APS-Szenario liegen.

Eine weitere wichtige Referenz für sektorspezifische Dekarbonisierungspfade ist der 2023 veröffentlichte Sonderbericht der IEA mit dem Titel „The Oil and Gas Industry in Net Zero Transitions“. Für ein Unternehmen wie OMV, das weiterhin im Öl- und Gasgeschäft tätig sein wird, schlägt die IEA vor, dass bis 2030 ein Kapitalbudgetanteil von mehr als 50% auf saubere Energietechnologien entfallen sollte. Dies wird als Schlüsselkriterium für einen angemessenen Beitrag zur Erreichung von Netto-Null-Emissionen bis 2050 erachtet. Wie die IEA anmerkt, wäre dieser Kapitaleinsatz für Unternehmen der Öl- und Gasindustrie nur machbar, wenn Regierungen ihre Steuereinnahmen erheblich reduzieren würden und Aktionär:innen bereit wären, niedrigere Dividenden zu akzeptieren. Zum Vergleich: OMV ist bestrebt, im Zeitraum bis 2030 durchschnittlich 30% der organischen InvestitionenPotenzielle zusätzliche anorganische Investitionen für Fusionen und Übernahmen werden strategisch im Einklang mit der OMV Strategie 2030 und seinem Netto-Null-Ziel bis 2050 entschieden. für nachhaltige Projekte aufzuwenden. Der IEA-Bericht erläutert zudem Scope‑1- und Scope‑2-Emissionspfade für den Öl- und Gassektor. Diese wurden mit den im World Energy Outlook prognostizierten Emissionen des Chemiesektors kombiniert, wobei eine Gewichtung auf Grundlage der Scope‑1- bis Scope‑3-Emissionen von OMV in den jeweiligen Geschäftsbereichen im Jahr 2019 durchgeführt wurde. Der Vergleich mit den Zielen von OMV für 2030 bzw. 2040 deutet darauf hin, dass diese dem resultierenden APS-Pfad entsprechen, nicht aber dem NZE-Szenario. Dem NZE-Szenario zufolge sollen allein die Scope‑1- und Scope‑2-Emissionen der Öl- und Gasindustrie bis 2030 um mehr als 60% sinken. Die IEA räumt allerdings ein, dass dies für Unternehmen, die bereits in der Vergangenheit umfangreiche Maßnahmen zur Emissionsreduktion gesetzt haben, eine Herausforderung darstellen könnte, und schlägt daher für die vorgelagerte Öl- und Erdgasförderung und die Ölveredelung alternative Emissionsintensitätsziele für 2030 vor. Nach diesen Intensitätszielen stimmen die Scope‑1- und Scope‑2-Ziele von OMV zu ungefähr 70% mit den Ergebnissen des NZE-Szenarios überein.

Der Vergleich mit den Intensitätszielen deckt jedoch nur etwa ein Drittel der aktuellen zielrelevanten Scope‑1- und Scope‑2-Emissionen von OMV ab und lässt folglich einen wesentlichen Teil der Geschäftstätigkeit von OMV unberücksichtigt. Weiters treffen die Leitlinien der IEA für die Übereinstimmung der Öl- und Gasindustrie mit dem NZE-Szenario für OMV nicht vollständig zu, da sie das Chemiegeschäft von OMV ausschließen. Diese Einschränkung gilt insbesondere für das Emissionsintensitätsziel der IEA, das auf konventionelle Erdölraffinerien ausgelegt ist. Für einen aussagekräftigen Vergleich mit den Zielen der IEA ist es notwendig, den Geschäftsbereich Chemicals und die damit verbundenen Emissionen der integrierten OMV Petrochemiestandorte Schwechat und Burghausen herauszurechnen. Daraus ergibt sich ein etwas beschränkterer Umfang des verbleibenden Ölraffineriegeschäfts, und durch die damit verbundenen geringeren Emissionen fällt das Ergebnis insgesamt positiver aus.

Für ein vollständigeres Bild mit einem Szenario für Chemicals wird das „One Earth Climate Model“ (OECM) als Referenz herangezogen. Das OECM wurde von der von den Vereinten Nationen gegründeten Net-Zero Asset Owner Alliance und der European Climate Foundation in Auftrag gegeben, um konkrete Dekarbonisierungsfahrpläne für Aktivitäten des Öl-, Gas- und Chemiesektors zu erstellen. Im Vergleich zum NZE-Szenario der IEA hat das OECM-Szenario einige restriktivere Annahmen: Es geht von einem niedrigeren CO2-Budget, dem Ausstieg aus fossilen Brennstoffen für die energetische Nutzung bis 2050 und dem Verzicht auf Technologien zur CO2-Abscheidung wie CCS aus. Folglich spielen Öl und Gas, insbesondere mit Blick auf 2040, im OECM eine deutlich geringere Rolle als im NZE-Szenario der IEA. Der im OECM vorgesehene Verzicht auf CCS entspricht jedoch nicht der Strategie von OMV, da CCS für das Unternehmen zur Erreichung des Netto-Null-Ziels bis 2050 ein wichtiges Element ist. Eine erfolgreiche weltweite Einführung von Technologien zur CO2-Abscheidung könnte jedoch das verfügbare CO2-Budget erhöhen und damit den sektorspezifischen Dekarbonisierungspfaden auf Basis des OECM mehr Spielraum verschaffen.

Wie bei den IEA-Szenarien wurden auch die OECM-Pfade für den Öl-, Gas- und Chemiesektor gewichtet und kombiniert, um die Geschäftsstruktur von OMV widerzuspiegeln. Daraus ergibt sich für die Emissionsziele in den Scopes 1 und 2 eine klare Übereinstimmung mit einem 1,5-Grad-Pfad bis 2030. Den kombinierten Pfad auf Basis des OECM würde OMV bis 2040 verfehlen. Die Gewichtung muss jedoch nach dem für das Jahr 2026 geplanten Abschluss der Gründung von Borouge Group International (BGI) durch den Zusammenschluss von Borouge und Borealis sowie die Übernahme von NOVA Chemicals neu bewertet werden. Da Borealis im Rahmen dieses Geschäfts entkonsolidiert würde, müsste die Emissionsbasis für 2019 neu berechnet werden. Dies würde die Gewichtung des OECM-Chemiepfads deutlich verringern. Da dieser Pfad im Vergleich zu den Bereichen Öl und Gas die ehrgeizigsten Scope‑1- und Scope‑2-Emissionsreduktionen aufweist, würde dies die Übereinstimmung von OMV mit dem kombinierten 1,5-Grad-Pfad verbessern. Die Scope‑3-Ziele von OMV stimmen indes eindeutig nicht mit dem kombinierten OECM-Pfad überein. Nach Abschluss der BGI-Transaktion würden sie der Erreichung dieses Ziels im Jahr 2030 jedoch näherkommen.

Temperaturausrichtung der OMV-Ziele für 2030

Scope 1 & 2
Übereinstimmungskriterium

 

Temperaturanstieg

Übereinstimmung

Pariser Abkommen

 

deutlich unter 2°C

Ja

IEA

APS-Szenario

1,7°C

Ja

NZE-CAPEX

1,5°C

60% von Zielwert

NZE-Intensitäten1

~70% Übereinstimmung

NZE-Szenario

Nein

OECM-Szenario

 

1,5°C

Ja

1

Einschränkungen hinsichtlich der Anwendbarkeit auf OMV wie im Text beschrieben

Temperaturausrichtung der OMV-Ziele für 2030 – Scope 3

Scope 3
Übereinstimmungskriterium

 

Temperaturanstieg

Übereinstimmung

Pariser Abkommen

 

deutlich unter 2°C

Ja

IPCC-Szenarien

 

1,5°C

Innerhalb des Bereichs

IEA

APS-Szenario

1,7°C

Ja

NZE-Szenario

1,5°C

Beinahe

OECM-Szenario

 

1,5°C

Nein

Während die Klimaziele von OMV eindeutig mit dem Ziel des Pariser Abkommens übereinstimmen, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C zu begrenzen, ergibt die Bewertung der Vereinbarkeit mit einer 1,5-Grad-Welt ein differenzierteres Bild, da es derzeit noch an verbindlichen Leitlinien für die Öl-, Gas- und Chemieindustrie und glaubwürdigen sektorspezifischen Emissionsreduktionspfaden mangelt. Gegenwärtig ist OMV zuversichtlich, dass seine Emissionsreduktionsziele in Scope 3 bis 2030 mit der Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5°C vereinbar sind, während die Ziele in den Scopes 1 und 2 mit einem Temperaturanstieg von 1,7°C kompatibel sind. Sobald neue Szenarien und Leitlinien verfügbar sind, wird OMV seine Bewertung der Übereinstimmung mit dem 1,5-Grad-Ziel überprüfen und die Schlussfolgerungen entsprechend anpassen.

Gebundene Emissionen

Wichtigste Vermögenswerte, damit verbundene Emissionsquellen und Reduktionsmaßnahmen

[E1-1.16d] Gebundene („locked-in“) Emissionen sind zu erwartende künftige Treibhausgasemissionen, die durch die wichtigsten aktiven und fest vorhergesehenen Vermögenswerte von OMV oder verkaufte Produkte über ihre gesamte Lebensdauer hinweg erzeugt werden. Die wichtigsten Vermögenswerte von OMV in Bezug auf gebundene Emissionen sindIm kombinierten OMV Geschäftsbericht 2024 wurden auch die Chemiegeschäfte in Kallo, Stenungsund und Porvoo als wichtigste Vermögenswerte aufgeführt. Im Rahmen der Gründung von Borouge Group International (BGI) wird Borealis – zu dessen Geschäftsbereich diese Vermögenswerte gehören – voraussichtlich im Jahr 2026 entkonsolidiert. Dementsprechend fallen die gebundenen Emissionen dieser Vermögenswerte dann in den Verantwortungsbereich von BGI.: die Raffinerien in Schwechat, Burghausen und Petrobrazi, das Kraftwerk Brazi und die Explorations- und Produktionsgeschäfte (E&P) in Rumänien und Österreich. Rund 60% der gebundenen Emissionen bis 2030 entfallen auf die Raffinerien, während das Kraftwerk Brazi etwa ein Fünftel zum Gesamtwert und E&P Rumänien und Österreich den Rest beitragen. Diese wichtigsten Vermögenswerte werden zusammen über 90% der gesamten Scope‑1- und Scope‑2-Treibhausgasemissionen von OMV im Zeitraum 2025 bis 2030 ausmachen. Um diese Emissionen zu reduzieren, optimiert OMV fortlaufend seinen Betrieb und seine Anlagen, insbesondere im Hinblick auf deren Energieeffizienz. Die für alle wichtigsten Vermögenswerte ermittelten Maßnahmen werden dazu beitragen, die Scope‑1- und Scope‑2-Ziele von OMV bis 2030 zu erfüllen. Rund drei Viertel der Reduktionen der gebundenen Emissionen bis 2030 werden dabei auf die Raffinerie Schwechat und das Kraftwerk Brazi entfallen.

Gebundene Scope-1- und Scope-2-Emissionen der wichtigsten Vermögenswerte von 2025 bis 2030 nach Umsetzung von Maßnahmen zur Emissionsverringerung

Scope-1- und Scope-2-Emissionen wichtiger Anlagen von 2025 bis 2030 (Grafik)

Die wichtigsten Emissionsquellen dieser drei Arten von Vermögenswerten sowie potenzielle Maßnahmen zur Emissionsreduktion werden nachfolgend beschrieben.

Raffinerien

[E1-1.16d] Die Raffinerien von OMV, insbesondere jene in Österreich (Schwechat) und Deutschland (Burghausen), sind petrochemisch integrierte Standorte. Neben dem traditionellen Geschäft, das Kraftstoffe für den Straßen- und Luftverkehr umfasst, beliefern sie Borealis und andere Kund:innen mit petrochemischen Monomeren. Zu den Treibhausgasemissionen der Raffinerien gehören Emissionen der Prozessanlagen, zum Beispiel für die Herstellung von Kraftstoffen und anderen Produkten (wie Hydrotreating-Anlagen, Rohöldestillationsanlagen oder die Bitumenverarbeitung usw.), die zum Teil auch für vorgelagerte petrochemische Prozesse benötigt werden. Hinzu kommen Emissionen der Steamcracker bei der Herstellung petrochemischer Produkte sowie Emissionen der für die Strom- und Dampferzeugung benötigten Anlagen. Bis 2030 umzusetzende Maßnahmen zur Reduktion der Emissionen werden derzeit geprüft. Darunter fallen beispielsweise die Nutzung von grünem Wasserstoff sowie Maßnahmen zur Energieeffizienz. Über das Jahr 2030 hinaus wird OMV die CO2-Emissionen weiter reduzieren, etwa durch die fortlaufende Umstellung des künftigen Produktportfolios auf nachhaltige (erneuerbare und recycelte) Produkte und die Dekarbonisierung der restlichen Prozessanlagen mittels Elektrifizierung oder nachhaltigerer Prozessbrennstoffe.

Kraftwerk Brazi

[E1-1.16d] Das Kraftwerk Brazi von OMV Petrom ist ein Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerk mit einer Gesamtkapazität von 860 MW, das etwa 10% der rumänischen Stromerzeugung bereitstellt. Emissionsreduktionen könnten über verschiedene technische Wege erreicht werden, wie zum Beispiel den Betrieb mit einem niedrigeren Kapazitätsfaktor oder die Einbindung sauberer Brennstoffquellen, die Erdgas ergänzen (wie Biomethan oder Wasserstoff). Allerdings müssen die Machbarkeit und Reife dieser technischen Wege sowie die Marktentwicklung (einschließlich Nachfrage, Preisgestaltung und regulatorischem Umfeld) berücksichtigt werden.

Exploration & Production

[E1-1.16d] Der Geschäftsbereich E&P von OMV Petrom in Rumänien betreibt rund 150 kommerzielle Öl- und Gasfelder mit ungefähr 6.000 Förderbohrungen, 9.000 km Pipelines und rund 900 Verarbeitungsanlagen. Insgesamt produzieren diese Einrichtungen derzeit rund 110 kboe/d. Ab dem Jahr 2027 soll das Projekt Neptun Deep auf seinem Produktionsplateau zusätzlich bis zu 70 kboe/d zur Erdgasproduktion von OMV Petrom beitragen. In Österreich fördern rund 1.000 Bohrungen über 15 kboe/d. Der größte Anteil der Scope‑1-Emissionen des Geschäftsbereichs E&P in Rumänien (ca. 70%) und Österreich (ca. 60%) entsteht durch den Verbrauch von Brenngas für die Förderung und Verarbeitung von Öl und Gas, beispielsweise beim Betrieb von Kompressoren und bei der Dampferzeugung. Die Scope‑2-Emissionen stehen im Zusammenhang mit dem Erwerb und Verbrauch von Strom und Dampf.

Es ist davon auszugehen, dass sich die Emissionen über die Lebensdauer der Öl- und Gasfelder im Zuge des natürlichen Förderrückgangs reduzieren werden. Bei E&P Rumänien sind Energieeffizienzsteigerungen, Prozessoptimierungen, Feldmodernisierungen und Integritätsverbesserungen die wichtigsten Maßnahmen, die zur Reduktion der Scope‑1-Emissionen bis 2030 in Betracht gezogen werden. Bei E&P Österreich ist der Austausch von gasbetriebenen durch elektrische Kompressoren – zusätzlich zum Förderrückgang – die wichtigste Maßnahme zur Reduktion der Scope‑1-Emissionen bis 2030 und darüber hinaus. Bis 2040 sollen die mit den laufenden Aktivitäten verbundenen Emissionen voraussichtlich auf weniger als die Hälfte des derzeitigen Niveaus sinken. Dies ist hauptsächlich auf den Produktionsrückgang, aber auch auf die Umstellung auf erneuerbare Energien zurückzuführen.

Emissionen durch verkaufte Produkte

[E1-1.16d] Die gebundenen Emissionen aus den von OMV im Berichtsjahr verkauften Produkten (Scope 3, Kategorie 11) gemäß ESRS-Definition machten im Jahr 2025 über 49% der gesamten Scope‑3-Emissionen von OMV aus (76,0 von 154,3 Mio t CO2e). Diese Emissionen stehen in direktem Zusammenhang mit der Verbrennung der für die Energienutzung verkauften Öl- und Gasprodukte. Das heißt, sie fallen größtenteils im Berichtsjahr an und sind nicht für viele Jahre gebunden. Vielmehr gehen sie im Einklang mit der OMV Strategie 2030 und unseren oben genannten Klimazielen und Dekarbonisierungshebeln Jahr für Jahr zurück.

Auswirkungen von gebundenen Emissionen auf THG-Reduktionsziele

[E1-1.16d] Die Emissionsziele von OMV decken 100% der Scope-1- und Scope-2-Treibhausgase der oben genannten wichtigsten Vermögenswerte und 97% der durch verkaufte Produkte bedingten Emissionen ab (da der Bereich Chemicals nicht inkludiert ist). Die Klimaziele von OMV für 2030 sind zentraler Bestandteil der Strategie 2030 und der damit verbundenen Geschäftsziele, und ihre Erreichung ist ein wesentliches Element der Vorstandsvergütung. Um sowohl die Geschäfts- als auch die Klimaziele zu erreichen, nutzt OMV einen einheitlichen Planungsprozess. Die gebundenen Emissionen der wichtigsten Vermögenswerte von OMV und aus verkauften Produkten werden daher in die Strategie und deren Umsetzung einbezogen, um sicherzustellen, dass sie das Erreichen der OMV Emissionsziele für 2030 gemäß den aktuellen Erwartungen nicht gefährden. Mit Blick auf 2040 und 2050 ergeben sich weitere Optionen zur Reduktion der Emissionen im Einklang mit den Klimazielen von OMV: Neben der Umstellung auf nachhaltigere Kraftstoffe und Einsatzstoffe gehören dazu auch Dekarbonisierungsmaßnahmen, wie etwa verstärkte Elektrifizierung, Technologien zur CO2-Abscheidung und andere neu entstehende Lösungen. Die endgültige Auswahl der umzusetzenden Maßnahmen wird davon abhängen, wie sich die rechtlichen Rahmenbedingungen entwickeln, inwieweit geeignete Technologien und die entsprechende Infrastruktur verfügbar sein werden (z. B. Pipelines für Wasserstoff oder CCS) und wie sich die Nachfrage nach und das Angebot an nachhaltigeren Produkten gestalten werden. OMV geht davon aus, dass bis 2050 alle verbleibenden gebundenen Emissionen kompensiert werden, um das Ziel von Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Mit der Umsetzung komplexer Dekarbonisierungsprojekte gehen Herausforderungen in Bezug auf Finanzierung, Zeitplanung und Dauer einher. Damit die Erreichung der Emissionsreduktionsziele von OMV nicht gefährdet wird, werden die entsprechenden Projektrisiken in das Risikomanagement von OMV einbezogen. Mehr dazu finden Sie im Abschnitt Managementbericht: Risikomanagement.

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