OMV hat die folgenden Konzepte eingeführt, um die wesentlichen Auswirkungen und Risiken im Zusammenhang mit E2 Umweltverschmutzung (einschließlich Prozesssicherheit) zu steuern.
Code of Conduct
Unsere gesellschaftliche Akzeptanz („License to Operate“) beruht auf unserer Einhaltung der Vorschriften zum Umweltschutz. Dies ist für Regierungsbehörden, Aktionär:innen und andere Interessenträger:innen wie die Öffentlichkeit, lokale Gemeinschaften in der Nähe unserer Anlagen sowie Umwelt-NGOs und -NPOs von entscheidender Bedeutung. Unsere öffentlichen Commitments zum Schutz der Umwelt sind im Code of Conduct von OMV festgeschrieben. In Bezug auf den Code of Conduct werden, sofern nicht anders angegeben, die wichtigsten Inhalte des Konzepts mit Relevanz für E2 Umweltverschmutzung und das unternehmensspezifische Unterthema Prozesssicherheit, der Überwachungsprozess, der Anwendungsbereich des Konzepts, die Einbeziehung der obersten Führungsebene, die Bezugnahme auf Standards Dritter (sofern zutreffend), die Interessen der wichtigsten Interessenträger:innen bei der Festlegung des Konzepts (sofern zutreffend) und die Art und Weise, wie das Konzept potenziell betroffenen Interessenträger:innen zugänglich gemacht wird, im Abschnitt ESRS 2 Übergeordnete Konzepte behandelt. Darüber hinaus verpflichten wir uns in unserem Code of Conduct, Gefahrstoffe im Rahmen eines vertretbaren Aufwands durch weniger gefährliche Alternativen zu ersetzen. Zur Unterstützung dessen sind Prozesse so zu gestalten, zu modifizieren und durchzuführen, dass die Herstellung sowie Verwendung von Gefahrstoffen auf ein Mindestmaß reduziert wird. Ebenso gilt es, gefährliche Nebenprodukte und Abfälle zu reduzieren bzw. deren Mengen und Konzentrationen bei der Handhabung und Lagerung zu verringern.
HSSE-Direktive
In Bezug auf die HSSE-Direktive werden, sofern nicht anders angegeben, die wichtigsten Inhalte des Konzepts mit Relevanz für E2 Umweltverschmutzung und das unternehmensspezifische Unterthema Prozesssicherheit, der Überwachungsprozess, der Anwendungsbereich des Konzepts, die Einbeziehung der obersten Führungsebene, die Bezugnahme auf Standards Dritter (sofern zutreffend), die Interessen der wichtigsten Interessenträger:innen bei der Festlegung des Konzepts (sofern zutreffend) und die Art und Weise, wie das Konzept potenziell betroffenen Interessenträger:innen zugänglich gemacht wird, im Abschnitt ESRS 2 Übergeordnete Konzepte behandelt.
HSSE-Risikomanagementstandard
Der HSSE-Risikomanagementstandard des OMV Konzerns legt einen Rahmen für die Ermittlung, Bewertung, Kontrolle, Dokumentation und Kommunikation von Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltrisiken mit besonderem Schwerpunkt auf Prozesssicherheit fest. Seine allgemeinen Ziele sind der Schutz der Menschen, der Umwelt und der Vermögenswerte des Unternehmens bei gleichzeitiger Förderung der Geschäftsintegrität und nachhaltiger Betriebsabläufe. Der Standard befasst sich direkt mit den wesentlichen negativen Auswirkungen durch Boden-, Luft- und Wasserverschmutzung aufgrund von Vorkommnissen und Prozesssicherheitsvorfällen sowie dem daraus resultierenden wesentlichen finanziellen Risiko durch kostspielige Abhilfemaßnahmen und Reputationsschäden. Zur Erreichung der darin festgeschriebenen Ziele umfasst der Standard ein Verfahren zur laufenden Überwachung und Überprüfung anhand von Risikoregistern, Audits und der Einbeziehung der Interessenträger:innen. Die Wirksamkeit unserer HSSE-Konzepte wird von den zuständigen Funktionen durch Audits, HSSE-Bewertungen, Standortbegehungen sowie die jährliche Überprüfung des Fortschritts anhand definierter Zielvorgaben überwacht. Der Anwendungsbereich des Konzepts erstreckt sich auf OMV, Borealis und OMV Petrom sowie deren jeweilige Tochtergesellschaften und gilt für alle Arbeitnehmer:innen. Zu den betroffenen Interessenträger:innen gehören interne Teams, Vertragsunternehmen und gegebenenfalls externe Parteien. In geringem Umfang gibt es auch Ausnahmeregelungen. So gelten zum Beispiel bei Borealis separate Richtlinien für unternehmensspezifische betriebliche Vorfälle. Mitglieder des Vorstands tragen die oberste Verantwortung für die Genehmigung und Umsetzung dieses Standards. Das Konzept steht im Einklang mit Standards Dritter wie ISO 31000 und IEC. Die Interessen der Interessenträger:innen werden durch strukturierte Kommunikation, Konsultation und Beteiligung an Risikomanagementprozessen berücksichtigt. Das Konzept wird allen relevanten Interessenträger:innen über interne Plattformen zugänglich gemacht, und Aktualisierungen des Konzepts werden allen Arbeitskräften von OMV monatlich mitgeteilt.
Standard für unternehmensweites Risikomanagement
In Bezug auf den Standard für unternehmensweites Risikomanagement (Enterprise-Wide Risk Management; EWRM) werden, sofern nicht anders angegeben, die wichtigsten Inhalte des Konzepts mit Relevanz für E2 Umweltverschmutzung, der Überwachungsprozess, der Anwendungsbereich des Konzepts, die Einbeziehung der obersten Führungsebene, die Bezugnahme auf Standards Dritter (sofern zutreffend), die Interessen der wichtigsten Interessenträger:innen bei der Festlegung des Konzepts (sofern zutreffend) und die Art und Weise, wie das Konzept potenziell betroffenen Interessenträger:innen zugänglich gemacht wird, im Abschnitt ESRS 2 Übergeordnete Konzepte behandelt.
Umweltmanagementstandard
In Bezug auf den Umweltmanagementstandard (UMS) werden, sofern nicht anders angegeben, die wichtigsten Inhalte des Konzepts mit Relevanz für E2 Umweltverschmutzung, der Überwachungsprozess, der Anwendungsbereich des Konzepts, die Einbeziehung der obersten Führungsebene, die Bezugnahme auf Standards Dritter (sofern zutreffend), die Interessen der wichtigsten Interessenträger:innen bei der Festlegung des Konzepts (sofern zutreffend) und die Art und Weise, wie das Konzept potenziell betroffenen Interessenträger:innen zugänglich gemacht wird, im Abschnitt ESRS 2 Übergeordnete Konzepte behandelt. Im Rahmen des UMS von OMV wurden Prozesse und Mechanismen definiert, um potenzielle negative Auswirkungen und Risiken zu verhindern, abzumildern und zu beheben. Im Umweltmanagementstandard werden insbesondere die folgenden Verfahren zum Umgang mit der Umweltverschmutzung beschrieben:
Risikomanagement
OMV hat sich verpflichtet, die Umweltaspekte sowie die damit verbundenen Auswirkungen, Risiken und Chancen im Zusammenhang mit unserer gesamten Geschäftstätigkeit proaktiv zu ermitteln, zu analysieren und zu bewerten. Die Bewertung von Umweltaspekten sowie damit verbundenen Auswirkungen und Risiken unter normalen und abnormalen Bedingungen sowie bei Unfällen erfolgt gemäß den im HSSE-Risikomanagementstandard genannten Ansätzen und Prozessen und ist vollständig auf die in ISO 14001 beschriebene Umweltrisikobewertungsmethodik abgestimmt. Je nach Risikograd werden entsprechende Maßnahmen ergriffen. Dieser Ansatz spiegelt unser Engagement für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt sowie kontinuierliche Verbesserungen wider.
Überwachung
Luft- und Wasseremissionen werden systematisch überwacht oder abgeschätzt und unter Kontrolle gehalten. Geeignete Überwachungssysteme oder Schätzmodelle sind dafür vorhanden. Wir überwachen in allen unseren Raffinerien die Emissionen von Schadstoffen wie Schwefeloxiden (SOx), Stickoxiden (NOx), Kohlenmonoxid (CO), Feinstaub/Staub und flüchtigen organischen Verbindungen ohne Methan (Non-Methane Volatile Organic Compounds; NMVOCs), wie von der europäischen und nationalen Gesetzgebung und den jeweiligen Anlagengenehmigungen gefordert. Wird festgestellt, dass die Emissionen die national vorgeschriebenen und/oder in einer Genehmigung festgelegten Grenzwerte überschreiten, werden entsprechende Maßnahmen eingeleitet und zusätzliche Überwachungsstationen installiert. OMV verfügt über ein Well-Integrity-Managementsystem (WIMS) für alle von OMV betriebenen aktiven Öl- und Gassonden. Das WIMS ermöglicht einen einheitlichen und strukturierten Ansatz zur Beschreibung, Dokumentation und Berichterstattung der Sondenintegrität während der gesamten Produktionsphase. Somit stellt das WIMS sicher, dass wir unsere Sonden sicher betreiben – sowohl für die Menschen als auch für die Umwelt.
Prävention und Aufbereitung
OMV setzt schon seit langem Technologien zur Emissionsminderung ein, wie beispielsweise End-of-Pipe-Abgasreinigungstechnologien oder Schwimmdachtanks. In den letzten Jahren haben wir uns darauf konzentriert, diese Technologien zu modernisieren, um sicherzustellen, dass sie weiterhin wirksam sind und Emissionen verringern. So wurde zum Beispiel in der Raffinerie Schwechat eine Rauchgasentschwefelungsanlage installiert. Mit der Einführung des Programms „SNOx Refurbishment of Wet Gas Sulfuric Acid“ (WSA), bei dem eine von OMV patentierte Lösung (zweilagige PFA-Folienstruktur mit Monitoringsystem) zum Einsatz kommt, konnten sowohl die Zuverlässigkeit als auch die Verfügbarkeit des Rauchgasreinigungssystems gesteigert werden. Die Rauchgasreinigungsanlage in der Raffinerie Schwechat dient neben der Beseitigung von Staub der Entstickung und Entschwefelung der Rauchgase aus den beiden Kraftwerken, bevor diese über den Schornstein abgegeben werden. Dadurch lassen sich 95% des Staubs abscheiden, mehr als 96% des Schwefels zurückgewinnen und über 90% der NOx-Emissionen verhindern. Werden Leckagen erkannt, werden diese entweder sofort oder innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens gemäß den Instandhaltungsverfahren des Standorts behoben. Diese Verfahren basieren auf den Ergebnissen der Risikobewertung und anderen Faktoren, wie zum Beispiel der Durchführbarkeit von Reparaturen im laufenden Betrieb. Um unsere Reaktionsfähigkeit bei Ölaustritten zu verbessern und deren Umweltauswirkungen zu reduzieren, führen wir periodisch Notfallübungen durch, die auf Umweltverschmutzungsszenarien basieren. In unseren Raffinerien Petrobrazi, Schwechat und Burghausen wurden Programme zur Leckagesuche und -reparatur (Leak Detection And Repair; LDAR) eingeführt. An diesen Programmen wirken sowohl externe Geschäftspartner:innen als auch eigene Arbeitskräfte mit, die die Anlagen laufend auf Leckagen überprüfen. Identifizierte Leckagen werden so schnell wie möglich repariert, und die durchgeführten Reparaturen werden durch das Überwachungspersonal eingehend auf ihre Wirksamkeit überprüft.
Audits
Bei OMV sind interne und externe Audits eine wichtige Anforderung unseres Umweltmanagementsystems (UMS), das auf ISO 14001 basiert. Interne UMS-Audits werden mindestens einmal jährlich durchgeführt, um die Einhaltung der Vorschriften zu überprüfen, die Leistung zu bewerten und Verbesserungsmöglichkeiten zu ermitteln. Diese Audits können sich auf das gesamte Umweltmanagementsystem erstrecken oder auf ein bestimmtes Umweltthema konzentrieren. Darüber hinaus werden Standorte, die nicht nach ISO 14001 zertifiziert sind, alle drei Jahre einem vollständigen Audit durch eine:n externe:n Sachverständige:n oder den:die OMV Corporate Advisor unterzogen. Für zertifizierte Standorte erfüllt das Audit nach ISO 14001 diese Anforderung. Diese Audits sind für die Aufrechterhaltung hoher Umweltstandards und die kontinuierliche Verbesserung aller OMV Standorte im Hinblick auf den betrieblichen Umweltschutz von wesentlicher Bedeutung.
Bereitschafts- und Reaktionsplanung bei Freisetzungen gefährlicher Stoffe
Ölaustritte sind in unserer Branche ein kritisches Umweltthema. Das Management von Ölaustritten umfasst sowohl die Vermeidung betriebsbedingter Austritte sowie solcher, die durch Sabotage oder Naturereignisse verursacht werden, als auch die sachgerechte Handhabung und Sanierung von Austritten nach einem Vorfall. Unser zentrales Anliegen ist es dabei, Ölaustritte von vornherein zu verhindern. Sollte es dennoch zu Freisetzungen in Böden oder Gewässer kommen, bietet der Anhang „Bereitschafts- und Reaktionsplanung bei Freisetzungen gefährlicher Stoffe“ (Spills Preparedness and Response Planning) zu unserem Umweltmanagementstandard klare Leitlinien für die Handhabung und Beseitigung, um die Auswirkungen des Vorfalls so gering wie möglich zu halten. Der Umweltmanagementstandard und seine Anhänge gelten für alle Standorte von OMV weltweit, die Borealis GmbH und die OMV Petrom S.A. Der Überwachungsprozess der Wirksamkeit unserer HSSE-Konzepte wird von den jeweiligen Funktionen durch Audits, HSSE-Bewertungen, Standortbegehungen und die Verfolgung des Fortschritts anhand von Zielvorgaben überwacht.
Die Zielgruppe umfasst alle Arbeitnehmer:innen und externen Expert:innen, die mit der fachlichen Beratung von Unternehmen von OMV befasst sind, sowie alle Arbeitnehmer:innen von Vertragsunternehmen. Unsere Aktivitäten zum Management von Freisetzungen gefährlicher Stoffe wirken sich auf mehrere Interessengruppen aus. Regierungsbehörden sind aufgrund potenzieller Verstöße gegen Umweltvorschriften betroffen, während Arbeitnehmer:innen und Auftragnehmer:innen durch potenzielle negative Folgen für die Gesundheit und Sicherheit aufgrund von Unfällen und Schäden an Umwelt und Gesellschaft gefährdet sind. NGOs/NPOs befassen sich mit potenziellen Schäden für die Umwelt und die Gesellschaft. Die Gesellschaft wiederum kann unter Umweltschäden leiden, und Aktionär:innen müssen eventuell mit direkten finanziellen Verlusten aufgrund der Kosten für Sanierungsmaßnahmen und Reputationsschäden rechnen. Nachdem OMV gerade dabei ist, sich zu diversifizieren, sind Ölaustritte nicht mehr die einzigen relevanten Freisetzungen gefährlicher Stoffe. Für unsere Tochtergesellschaft Borealis sind auch Kunststoffpelletfreisetzungen ein zentrales Thema. Sofern nicht anders angegeben, werden die Einbeziehung der obersten Führungsebene, die Bezugnahme auf Standards Dritter (sofern zutreffend), die Interessen der wichtigsten Interessenträger:innen bei der Festlegung des Konzepts (sofern zutreffend) und die Art und Weise, wie das Konzept potenziell betroffenen Interessenträger:innen zugänglich gemacht wird, im Abschnitt ESRS 2 Übergeordnete Konzepte behandelt. Um potenzielle negative Auswirkungen und Risiken im Zusammenhang mit der Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung zu verhindern, abzumildern und zu beheben, wurden konkrete Prozesse und Mechanismen definiert. Diese umfassen:
Notfall- und Katastrophenpläne
Wir reagieren auf Schadstofffreisetzungen gemäß einem Plan, der geeignete Ressourcen (verantwortliche Personen und Interventionsmaterialien) und die erforderliche Expertise festlegt. Dieser Plan unterstützt das Personal vor Ort beim Umgang mit Freisetzungen, indem er die Zuständigkeiten für die notwendigen Maßnahmen zum Stoppen und Eindämmen der Freisetzungen und zur Minderung der Auswirkungen klar definiert. Dazu zählen Techniken, die eine Ausbreitung über den unmittelbaren Standort hinaus verhindern, sowie das Entfernen des freigesetzten Stoffs und des kontaminierten Materials. In den lokalen Plänen sind klare Kommunikations- und Koordinationsprotokolle festgelegt, insbesondere für den Fall, dass nationale oder internationale Ressourcen erforderlich sind. Wir führen regelmäßig Übungen und Schulungen zur Bekämpfung von Schadstofffreisetzungen durch.
Reinigung und Sanierung
Alle Ölaustritte, ob an Land oder im Wasser, werden sofort nach ihrem Auftreten in Übereinstimmung mit unserem Umweltmanagementstandard, Anhang „Spills Preparedness and Response Planning“, bewertet und beseitigt. In besonders scherwiegenden Fällen fordern wir für das Abdichten und Eindämmen, die Oberflächenreinigung und das Notfallmanagement die Unterstützung Dritter an. Leckagen werden entweder sofort oder innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens gemäß den Instandhaltungsverfahren des Standorts repariert. Diese Verfahren basieren auf den Ergebnissen der Risikobewertung und anderen Faktoren, wie zum Beispiel der Durchführbarkeit von Reparaturen im laufenden Betrieb. Unser Ansatz für Abhilfemaßnahmen steht im Einklang mit den einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen, die die Reinigung, Wiederherstellung, Sanierung und/oder den Ersatz beschädigter Umweltrezeptoren umfassen. Mit Abhilfemaßnahmen stellen wir sicher, dass die betroffenen Areale wieder für die vorgesehene Nutzung geeignet sind. Zu diesen Maßnahmen zählen die Beseitigung freigesetzter Stoffe (z. B. durch Erdaushub und anschließende Verfüllung mit sauberer Erde) sowie die natürliche Erholung – immer auf Grundlage der jeweiligen Entscheidung der Umweltbehörden. In unserem Jahresabschluss werden Rückstellungen für Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit Schadstofffreisetzungen gebildet; sie decken Reinigungs- und Sanierungskosten ab.
Prozesssicherheitsmanagementstandard
Der Prozesssicherheitsmanagementstandard von OMV dient als Rahmen und Referenz für die Umsetzung und Aufrechterhaltung der umgesetzten Richtlinien für die Prozesssicherheit. Er legt die Mindestanforderungen fest und bietet Leitlinien zur Integration der Prozesssicherheit in das Management von Gesundheit, Sicherheit und Umwelt. Der Prozesssicherheitsmanagementstandard befasst sich direkt mit den negativen wesentlichen Auswirkungen im Zusammenhang mit der Boden-, Luft- und Wasserverschmutzung aufgrund von Vorkommnissen und Prozesssicherheitsvorfällen. Dabei geht es insbesondere um die Minimierung der Gefahren in Verbindung mit dem Umgang mit Gefahrstoffen bei Tätigkeiten in den Bereichen Öl, Gas, Energie und Chemie. Ziel ist es, Zwischenfälle zu verhindern, durch die Personen, die Umwelt, Vermögenswerte und die Reputation von OMV Schaden erleiden könnten. Der Rahmen umfasst eine proaktive Risikoerkennung und ‑steuerung durch die Analyse und Evaluierung von Gefahren, um Risiken innerhalb akzeptabler Grenzen zu halten. Zudem fördert er durch das Engagement der Führungskräfte, die Einbindung der Arbeitnehmer:innen und kontinuierliches Lernen eine starke Sicherheitskultur. Mit der Integration des Prozesssicherheitsmanagementstandards in das HSSE-Managementsystem stellt OMV die Einhaltung der rechtlichen und branchenspezifischen Standards sicher. Im Hinblick auf den Umgang mit Vorfällen bietet der Rahmen klare Leitlinien zur Minderung der Auswirkungen sowie zu Notfallmaßnahmen. Die Wirksamkeit unserer HSSE-Konzepte wird von den jeweiligen Funktionen durch Audits, HSSE-Bewertungen, Standortbegehungen und die Verfolgung des Fortschritts anhand von Zielvorgaben überwacht. Der Prozesssicherheitsmanagementstandard und die zusätzlichen relevanten Standards zur Prozesssicherheit gelten für OMV weltweit. Im Hinblick auf die Einhaltung lokaler Rechtsvorschriften gelangen zusätzlich eigene Bestimmungen zur Anwendung. Dies betrifft OMV und alle Tochtergesellschaften sowie Borealis und OMV Petrom mit ihren jeweiligen Tochtergesellschaften. In geringem Umfang gibt es auch Ausnahmeregelungen. So gelten zum Beispiel bei Borealis separate Richtlinien für unternehmensspezifische betriebliche Vorfälle.
Alle Konzepte zur Steuerung des Prozesssicherheitsmanagements (der Prozesssicherheitsmanagementstandard und die zusätzlichen relevanten Standards) bei OMV werden vom Vorstand genehmigt. Die Verantwortung für die Umsetzung dieser Konzepte liegt bei den jeweiligen Geschäftsbereichen bzw. den jeweils zuständigen Mitgliedern des Vorstands. Die Konzernfunktionen sind dafür verantwortlich, die Umsetzung zu unterstützen und bis zu einem gewissen Grad deren Steuerung und Kontrolle zu beaufsichtigen. Der Prozesssicherheitsmanagementstandard von OMV orientiert sich an international anerkannten Best-Practice-Anforderungen und -Standards, die von bedeutenden Verbänden und Organisationen der Ölindustrie wie API, IOGP, Ipieca, Concawe und ISO entwickelt wurden. An der Entwicklung des Prozesssicherheitsmanagementstandards waren Fachexpert:innen und relevante Abteilungen entweder direkt beteiligt oder wurden im Rahmen eines internen Konsultationsprozesses um Feedback zum ersten Entwurf gebeten. Die Unternehmensrichtlinien mit HSSE-Bezug stehen allen OMV Arbeitnehmer:innen über die Regulations Alignment Platform im OMV Intranet zur Verfügung. Der Überwachungsprozess wird im Abschnitt ESRS 2 Übergeordnete Konzepte beschrieben.
Zur Minderung der negativen Auswirkungen ungeplanter Freisetzungen aufgrund von Prozesssicherheitsereignissen, die zu Sachschäden und Umweltverschmutzung in der Nähe unserer Standorte führen können, folgt OMV dem Prozesssicherheitsmanagementstandard. Dieser Standard bietet umfassende Leitlinien und Verfahren zur Verhinderung und zum Management von Prozesssicherheitsereignissen und Freisetzungen. Er stellt Kontrollen sicher, um die Wahrscheinlichkeit und die Auswirkungen solcher Vorfälle zu minimieren, und trägt so zum Schutz von Umwelt und Eigentum in der Umgebung unserer Standorte bei. Im Rahmen des Prozesssicherheitsmanagementstandards von OMV wurden Prozesse und Mechanismen definiert, um tatsächliche negative Auswirkungen zu verhindern, abzumildern und zu beheben. Diese umfassen:
Risikomanagement
Gefahren für die Prozesssicherheit werden durch eine Vielzahl von Risikobeurteilungen systematisch bewertet, wie etwa PAAG/HAZOP-Studien, quantitative Risikoanalysen (Quantitative Risk Assessments; QRAs) und Risikobewertungen gemäß der Seveso-Richtlinie, der wichtigsten EU-Verordnung zur Beherrschung der Gefahren schwerer Unfälle mit gefährlichen Stoffen an Land. Empfehlungen aus Prozesssicherheitsanalysen (Process Hazard Analyses; PHAs), Audits, Überprüfungen und Untersuchungen von Vorfällen, die sich mit Risiken der Prozesssicherheit befassen, werden zentral erfasst und im integrierten Risikoregister von OMV systematisch priorisiert. Die Empfehlungen werden an die Mittelfristplanung gekoppelt, damit für die Umsetzung der Empfehlungen auch Mittel zur Verfügung stehen. Vor der Inbetriebnahme einer neuen Anlage, nach größeren Änderungen oder nach einer Generalüberholung führen wir eine unabhängige Sicherheitsüberprüfung durch, um die Sicherheit der Anlage in der Inbetriebnahmephase und im laufenden Betrieb zu gewährleisten. Im Jahr 2025 wurde zur Identifizierung und Steuerung der Risiken in jedem operativen Produktionsbereich ein Register mit Maßnahmen zur Risikominderung in die Praxis umgesetzt und mit Daten – auch von Borealis Standorten – befüllt, wobei die Maßnahmen durch diverse Prozesssicherheitsanalysen (PHAs), Bewertungen und Sicherheitsüberprüfungen ermittelt wurden. So entstand ein konsolidierter Überblick, der uns bei der Priorisierung und Weiterentwicklung von Plänen zur Risikominderung unterstützt. Außerdem wurde bei OMV ein Softwaretool zur Auswertung der Ergebnisse von Prozesssicherheitsanalysen sowie zur Nachverfolgung von daraus resultierenden Empfehlungen und Arbeitsabläufen weiterentwickelt.
Notfallmanagementpläne
Prozesssicherheitsereignisse können mitunter auch unsere Anrainergemeinden betreffen. Aus diesem Grund verfügen wir über Notfallmanagementpläne, die mit den umliegenden Gemeinden abgestimmt sind. Diese Notfallmanagementpläne sehen verschiedene Stufen vor, für die Aufgaben und Zuständigkeiten, Struktur und Kommunikation sowie Schnittstellen zu Notfall- und Störfallmanagementteams festgelegt sind. Um eine koordinierte Durchführung von Notfallmaßnahmen sicherzustellen, umfassen unsere Notfallpläne spezifische Notfallprozeduren sowie Alarmierungs- und Benachrichtigungsvorschriften.
Inspektion und Wartung
Umfassende Inspektions- und Wartungsprogramme werden von speziellen Abteilungen für Inspektion, Wartung und Anlagenintegrität durchgeführt. Diese nehmen regelmäßige Inspektionen von Anlagen und Maschinen, Rohrleitungen, Tanks usw. vor und kümmern sich um die Prüfung von Sicherheitsausrüstungen sowie die Instandhaltung und Revision von Anlagen.
Untersuchungen und Audits
Regelmäßige Audits, Überprüfungen und Aktualisierungen unserer Sicherheitssysteme und -verfahren sind in den Richtlinien vorgeschrieben. Das Engagement von OMV zur Verbesserung unserer Sicherheitsprotokolle gewährleistet nicht nur ein sicheres Arbeitsumfeld, sondern verhindert auch Schäden an unseren Anlagen und mindert negative Auswirkungen auf unser Personal, lokale Gemeinschaften und die Umwelt. Sämtliche Vorfälle werden in angemessener Weise zeitgerecht identifiziert und gemeldet. Arbeitsbezogene Vorfälle mit potenziellen Folgen für Menschen, die Umwelt, Vermögenswerte oder unsere Reputation werden entsprechend untersucht, um unmittelbare, tiefer liegende und systemische Ursachen zu ermitteln, aus denen Erkenntnisse gezogen werden können, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern. Tier‑1- und Tier‑2-Prozesssicherheitsereignisse werden regelmäßig erfasst, nachverfolgt und untersucht, um einen konsistenten Überblick über die Prozesssicherheitsleistung von OMV zu erhalten. Zusätzlich überwachen wir Tier‑3-Prozesssicherheitsereignisse, um eine bessere Bewertung der kritischen Barrieren auf Anlagenebene zu ermöglichen. Die Überwachung von Prozesssicherheitsereignissen sowie die Berichterstattung über diese vermitteln uns einen Überblick über die Herausforderungen für die Sicherheitssysteme, sodass wir Schwachstellen innerhalb der Barrieren auf Anlagenebene identifizieren und korrigieren können.
Zusätzliche relevante Standards
Weitere Konzernrichtlinien zur Prozesssicherheit bei OMV decken das Kontraktoren-HSSE-Management, das Management von Gefahrstoffen und die Meldung, Untersuchung und Klassifizierung von Vorfällen ab. Zusammen bilden sie den Rahmen für das Sicherheitsmanagement. Sie schreiben regelmäßige Überprüfungen und Aktualisierungen der Risikoregister und Aktionspläne vor, um die Einhaltung der Maßnahmen und eine kontinuierliche Verbesserung unserer Sicherheitskultur zu gewährleisten. Diese Standards befassen sich mit unseren tatsächlichen und potenziellen negativen wesentlichen Auswirkungen im Zusammenhang mit der Boden-, Luft- und Wasserverschmutzung aufgrund von Vorkommnissen und Prozesssicherheitsvorfällen. Unsere Richtlinie zur Vermeidung schwerer Unfälle (Major Accident Prevention Policy) definiert die generellen Ziele und Leitlinien zur Verhinderung und Kontrolle schwerer Unfälle im Rahmen der Tätigkeit von OMV. OMV ist sich dessen bewusst, dass die Gefahr schwerer Unfälle bei Onshore- und Offshore-Arbeiten im Zusammenhang mit der Gewinnung, dem Transport, der Aufbereitung und der Verteilung von Öl und Gas signifikant ist und dass derartige Unfälle erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt und betroffene Menschen haben können. Deshalb ist OMV überzeugt, dass ein tief verwurzeltes Bewusstsein für HSSE in der Unternehmenskultur das Fundament all seiner Geschäftstätigkeiten und Beziehungen mit Vertragsunternehmen ist.
Unser Konzernstandard für das Kontraktoren-HSSE-Management definiert die Mindestanforderungen für die Integration von HSSE-Themen in alle Phasen des Vertragslebenszyklus und in das Kontraktorenmanagement. Er legt einen strukturierten Prozess für das Kontraktoren-HSSE-Management – von der Auswahl bis zum Vertragsabschluss – fest. Zusammen bieten diese Konzepte umfassende Leitlinien und Maßnahmen zur Minderung der negativen Auswirkungen ungeplanter Freisetzungen aufgrund von Prozesssicherheitsereignissen, die zu Sachschäden und Umweltverschmutzung in der Nähe unserer Standorte führen können. Die Wirksamkeit unserer HSSE-Konzepte wird von den jeweiligen Funktionen durch Audits, HSSE-Bewertungen, Standortbegehungen und die Verfolgung des Fortschritts anhand von Zielvorgaben überwacht. Den Anwendungsbereich des Kontraktoren-HSSE-Managementstandards sowie weitere Informationen finden Sie im Abschnitt S2 Kontraktoren-HSSE-Managementstandard. Der OMV Vorstand trägt die oberste Verantwortung für die Umsetzung dieser zusätzlichen relevanten Standards. Der Standard für die Meldung, Untersuchung und Klassifizierung von Zwischenfällen nimmt Bezug auf den Standard API 754.
In Bezug auf das Management von Gefahrstoffen und den Standard für die Meldung, Untersuchung und Klassifizierung von Zwischenfällen sind, sofern nicht anders angegeben, der Anwendungsbereich des Konzepts und die Beschreibung der Interessen der wichtigsten Interessenträger:innen bei der Festlegung des Konzepts (sofern zutreffend) dieselben wie für den Prozesssicherheitsmanagementstandard.
Das HSSE-Management von OMV steht in engem Austausch mit den Arbeitnehmer:innen und ihren Vertreter:innen, darunter Betriebsräte und Gewerkschaften, um kritische Themen anzusprechen und Bereiche mit Verbesserungsbedarf aufzuzeigen. So gibt es zum Beispiel bei Borealis an jedem Standort ein HSE-Forum, das dazu dient, Arbeitnehmervertreter:innen anzuhören und über das HSE-Managementsystem zu informieren. Die HSSE-Abteilung organisiert HSSE-Tage für verschiedene OMV Bereiche, um die Arbeitnehmer:innen über HSSE-Themen einschließlich Prozesssicherheit aufzuklären. Darüber hinaus stellt OMV durch die Zusammenarbeit mit lokalen Stellen und Regulierungsbehörden sicher, dass die Richtlinien des Unternehmens den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Außerdem bieten die an den Standorten eingerichteten Sicherheitsschulungszentren eine Plattform für Interaktion und Austausch.
Corrosion Management Framework
Ergänzend zum Umweltmanagementstandard hat der Geschäftsbereich Energy von OMV ein Rahmenwerk für das Korrosionsmanagement (Corrosion Management Framework; CMF) entwickelt, das einen proaktiven und konsistenten Ansatz für die Überwachung und das Management von Korrosion bei allen Tätigkeiten festlegt. Das CMF bietet eindeutige Leitlinien für die Aufrechterhaltung der Integrität unserer Anlagen und Einrichtungen, um die wesentlichen negativen Auswirkungen im Zusammenhang mit der Boden-, Luft- und Wasserverschmutzung aufgrund von Vorkommnissen (z. B. durch das Versagen der Anlagenintegrität bei unseren Onshore- und Offshore-Aktivitäten) sowie die potenziell negative Auswirkung speziell in Bezug auf die Wasserverschmutzung zu verhindern. Dieses Rahmenwerk unterstützt unser Engagement für den Umweltschutz und den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Das CMF gilt für den Geschäftsbereich Energy von OMV und deckt den vollen Lebenszyklus der Anlagenteile ab, die sowohl in Öl- als auch Gaseinrichtungen vom Bohrloch bis zum Vertriebspunkt einem Korrosionsrisiko ausgesetzt sind. Dieser vom:von der Head of Development von OMV genehmigte Standard gilt für die gesamte Belegschaft von OMV sowie für alle Partnerunternehmen, die weltweit mit dem Korrosionsmanagement während der Planungs-, Bau- und Betriebsphase von Öl- und Gasfeldern von OMV Energy und OMV Petrom Exploration & Production (einschließlich ihrer Tochtergesellschaften) befasst sind. Der Vorstand, und da insbesondere das für den Geschäftsbereich Energy verantwortliche Mitglied, trägt die oberste Verantwortung für die Umsetzung. Das CMF schreibt vor, dass alle Schutzbeschichtungen und Ummantelungen internationalen Normen wie ISO 14879, ISO 16961 und/oder ISO 12944 entsprechen müssen. Darüber hinaus müssen laut CMF verschiedene Industrienormen eingehalten werden, darunter ISO 15156, NACE SP0499, NACE SP0407, NACE SP0169, NACE TM0497 sowie API TR17 TR6.
In Bezug auf das Corrosion Management Framework sind, sofern nicht anders angegeben, die Interessen der wichtigsten Interessenträger:innen bei der Festlegung des Konzepts (sofern zutreffend) und die Art und Weise, wie das Konzept potenziell betroffenen Interessenträger:innen zugänglich gemacht wird, dieselben wie für die HSSE-Direktive. Der Umweltmanagementstandard, der den Anhang „Spills Preparedness and Response Planning“ (Bereitschafts- und Reaktionsplanung bei Freisetzungen gefährlicher Stoffe) umfasst, und das Corrosion Management Framework sind essenzielle Instrumente, die Leitlinien zur Minderung der negativen Auswirkungen im Zusammenhang mit Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung bieten. Diese Konzepte decken die mit unserer Wesentlichkeitsanalyse ermittelten Präventions- und Kontrollmaßnahmen ab und sind in der IRO-Tabelle im Abschnitt SBM-3 Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen und ihr Zusammenspiel mit Strategie und Geschäftsmodell aufgeführt. Sie gelten derzeit ausschließlich für die Tätigkeiten von OMV. Darüber hinaus unterstreicht unser Code of Conduct als übergeordnetes Konzept unser Commitment zur Umsetzung von Präventions- und Kontrollmaßnahmen zum Schutz von Gewässern und Böden. Wir sind bestrebt, bei unseren Aktivitäten anerkannte branchenübliche bewährte Verfahren zu befolgen, die oft über gesetzliche Vorgaben und maßgebliche Standards hinausgehen. Jegliche Freisetzung gefährlicher Stoffe ist unverzüglich zu bewerten und zu beseitigen, um die Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesellschaft zu minimieren.
Um Vorfälle und Notfallsituationen zu vermeiden beziehungsweise, falls sie dennoch eintreten, ihre Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu kontrollieren und zu begrenzen, hält sich OMV an seinen Umweltmanagementstandard. Dieser schreibt vor, dass die Pläne zur Vermeidung und Kontrolle von Freisetzungen gefährlicher Stoffe auf die spezifischen Merkmale jedes Unternehmens angepasst werden müssen. Bei allen Onshore- und Offshore-Aktivitäten müssen Tätigkeiten, bei denen das Risiko einer Freisetzung flüssiger Substanzen mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt besteht, ermittelt und analysiert werden. Werden derartige Risiken festgestellt, müssen Verfahren zur Verhinderung, Kontrolle und Bekämpfung von Freisetzungen für alle gefährlichen Stoffe am Standort, insbesondere für Öl und Kohlenwasserstoffe, ausgearbeitet und schriftlich festgehalten werden. Je nach den gesetzlichen Bestimmungen, der Komplexität der betreffenden Anlage und den jeweiligen Erfordernissen kann dieses Dokument der übergeordneten Verfahrensanweisung als Anhang beigefügt oder als eigenständiger Plan erstellt werden. Jedes Reaktionssystem muss folgende Elemente beinhalten: Gefahrenerkennung, Risikobewertung, Präventions-, Kontroll- und Reaktionspläne, Führungs- und Kontrollregelungen sowie Schulungen und Tests. Eine vorausschauende Planung ist für die Beherrschung von Freisetzungen gefährlicher Stoffe von zentraler Bedeutung und umfasst das Einholen von Informationen, die Durchführung von Risikobewertungen, die Identifizierung gefährdeter ökologischer und sozioökonomischer Rezeptoren sowie die Entwicklung von Reaktionsstrategien. Darüber hinaus werden Verfahren etabliert, um sicherzustellen, dass für die identifizierten Risiken angemessene Reaktionskapazitäten auch im Hinblick auf die verantwortungsvolle Entsorgung zurückgewonnener freigesetzter Substanzen mobilisiert werden. Mit der Befolgung dieser Leitlinien verpflichtet sich OMV, Vorfälle zu verhindern beziehungsweise, wenn sie dennoch eintreten, ihre Auswirkungen wirksam zu kontrollieren und zu mindern.
„Responsible Care“-Richtlinie
Bei Borealis wurden Verschmutzungen durch Mikroplastik infolge unbeabsichtigter Freisetzung von Kunststoffgranulat in seinen Betrieben als wesentliche Auswirkung identifiziert, der mittels der „Responsible Care“-Richtlinie begegnet wird. Die Auswirkungen unbeabsichtigter Freisetzungen in den Betrieben unserer Tochtergesellschaft Borealis werden insbesondere dadurch gezielt gesteuert, dass für die Polyolefin-(PO‑)Produktionsstätten der „Operation Clean Sweep“-(OCS-)Standard zur Anwendung gelangt. OCS ist eine freiwillige Brancheninitiative, die speziell darauf abzielt, Freisetzungen von Kunststoffen in Form von Pellets, Flakes oder Pulver über die gesamte Kunststofflieferkette, von der Produktion über die Handhabung bis zum Transport, zu verringern bzw. zu verhindern. Die an der Initiative teilnehmenden Unternehmen verpflichten sich, bewährte Verfahren im Umgang mit Kunststoffpellets umzusetzen. Außerdem wird von ihnen eine externe Zertifizierung zur Einhaltung des Standards verlangt.
Zu den zentralen Inhalten und Zielen der Richtlinie zählen die Einführung des OCS‑Standards an allen PO‑Standorten von Borealis sowie die externe OCS‑Zertifizierung sämtlicher europäischen PO‑Standorte. Recyclinganlagen sind derzeit vom Zertifizierungsprozess ausgenommen. Darüber hinaus legt die Richtlinie eine Maßnahmenhierarchie als Leitprinzip fest, die auf der Verhinderung von Freisetzungen von Kunststoffgranulat aus vorgesehenen Behältern in die Umwelt, der Minderung möglicher Auswirkungen im Falle von Freisetzungen und der umgehenden Beseitigung ausgetretenen Materials basiert, um irreversible Pelletfreisetzungen in die Umwelt zu vermeiden. Darüber hinaus umfasst die Richtlinie die Umsetzung der folgenden sechs OCS-Hauptanforderungen an jedem PO-Standort: Verbesserung der technischen Ausstattung der Betriebsstätten, um Freisetzungen zu verhindern und zu beseitigen; Erstellung und Veröffentlichung interner Verfahren zur Erreichung des Ziels „Zero Pellet Loss“; Mitarbeiterschulungen sowie die Bereitschaft, Verantwortung für die Vermeidung und Eindämmung von Pelletfreisetzungen sowie für entsprechende Reinigungs-, Aufräum- und Entsorgungsmaßnahmen zu übernehmen; regelmäßige Leistungsprüfung; Einhaltung aller einschlägigen geltenden staatlichen und örtlichen Vorschriften; Aufforderung der Geschäftspartner:innen, die gleichen Ziele zu verfolgen.
Die „Responsible Care“-Richtlinie gilt für alle Borealis Gesellschaften und Tochterunternehmen, die mit der Verarbeitung, der Handhabung oder dem Management von Polyolefinen befasst sind (PO-Standorte). Neu erworbene Unternehmen befolgen einen Integrationsplan, der die „Responsible Care“-Richtlinie sowie die Umsetzung des OCS-Standards umfasst. Die „Responsible Care“-Richtlinie fällt in den Zuständigkeitsbereich des:der CEO von Borealis, der:die auch für ihre Umsetzung und die Einhaltung des OCS-Standards an allen PO-Standorten verantwortlich ist. Das integrierte Managementsystem (Integrated Management System; IMS) von Borealis entspricht den Anforderungen des OCS-Standards und der Norm ISO 14001. Bei der Einführung der „Responsible Care“-Richtlinie berücksichtigte Borealis die Interessen wichtiger Interessenträger:innen, d. h. seiner Eigentümer:innen in Absprache mit dem Aufsichtsrat sowie seiner Arbeitnehmer:innen in Absprache mit dem Betriebsrat. Der OCS-Standard wird von einem Lenkungsausschuss verwaltet, dem Vertreter:innen der Europäischen Kommission, der EU-Mitgliedstaaten und von NGOs angehören, wodurch deren jeweilige Interessen und Perspektiven Berücksichtigung finden. Bei Borealis ist der OCS-Standard in das konzernweite Managementsystem integriert. Zudem wurde er kontextbezogen in die Sprachen der Standortländer übersetzt, um sicherzustellen, dass er für alle Arbeitnehmer:innen von Borealis zugänglich und verständlich ist. Alle relevanten Arbeitnehmer:innen von Borealis absolvieren Schulungen zur Einhaltung des OCS-Standards. Diese Richtlinie steht externen Interessenträger:innen nicht zur Verfügung. Mehr dazu finden Sie im Borealis Geschäftsbericht 2025 – Konzernlagebericht – Nachhaltigkeitserklärung.
Wasser- und Bodenverschmutzung durch unbeabsichtigte Freisetzungen von Kunststoffen wird bei Borealis durch die „Responsible Care“-Richtlinie und den OCS-Standard geregelt. Darüber hinaus werden alle Umweltthemen, die die Standorte von Borealis betreffen, über deren Umweltmanagementsystem gesteuert, dessen Grundlage die „Responsible Care“-Richtlinie darstellt. Das Borealis Managementsystem gliedert sich in fünf Ebenen. Die erste Ebene („Policy“) legt den Rahmen für Bereiche wie Umwelt, Gesundheit und Sicherheit und Produktverantwortung fest, wie in der „Responsible Care“-Richtlinie dargelegt. Die zweite Ebene umfasst Managementhandbücher, die dritte beschreibt Prozesse, die vierte stellt detaillierte Anweisungen bereit und die fünfte Ebene deckt Meeting-Chartas ab. Zur Vermeidung von Vorfällen und Notfallsituationen im Zusammenhang mit unbeabsichtigten Freisetzungen von Kunststoffpellets setzt jeder PO-Standort die sechs OCS-Hauptanforderungen um, wie in der Betriebsanweisung von Borealis zur Umsetzung des OCS beschrieben. Jeder Borealis Standort muss außerdem einen Risikomanagementplan erstellen und jährlich überprüfen. Dieser Plan umfasst Protokolle und Verfahren zur Verhinderung und Bekämpfung von Freisetzungen, einschließlich Präventivmaßnahmen wie die vorbeugende Wartung und doppelte Abdichtungen, Maßnahmen zum Rückhalt, wie Auffangwannen und Einhausungen, sowie Reinigungs- bzw. Reaktionsmaßnahmen, einschließlich des Einsatzes von Staubsaugern und Straßenkehrmaschinen. Der Plan beschreibt Zuständigkeiten, Maßnahmen, Zeitrahmen und Dokumentationsverfahren für den Fall, dass Pellets außerhalb der vorgesehenen Behälter gefunden werden.