Bericht des Aufsichtsrats

Sehr geehrte Aktionär:innen,

ich freue mich als Aufsichtsratsvorsitzender, Ihnen an dieser Stelle über Vorstands- und Aufsichtsratsthemen berichten zu dürfen.

Im Jahr 2025 erzielte OMV trotz eines herausfordernden Marktumfelds erneut ein solides Ergebnis und stellte damit die Stärke und Robustheit des integrierten Geschäftsmodells unter Beweis. Diese Qualitäten zeigten sich auch darin, dass bei der Umsetzung unserer Strategie 2030 und im damit verbundenen Transformationsprozess wichtige Meilensteine erreicht wurden. Ein Beispiel sind die beträchtlichen Fortschritte bei der Gründung von Borouge Group International, durch die wir gemeinsam mit ADNOC einen weltweit führenden Polyolefin-Champion etablieren wollen. Ein weiterer Meilenstein ist das Gasentwicklungsprojekt Neptun Deep von OMV Petrom im Schwarzen Meer, mit dem wir einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit der Energieversorgung in Europa leisten möchten. Darüber hinaus haben wir innovative, nachhaltige Initiativen wie die 140-MW-Elektrolyseanlage in Bruck an der Leitha auf den Weg gebracht. Ich gratuliere dem Management und den Mitarbeiter:innen herzlich zu diesen Erfolgen, an denen sie einen großen Anteil haben.

Lassen Sie uns einen Blick auf die Performance der Geschäftsbereiche werfen. Wie bereits in vergangenen Jahren, hat sich der hohe Grad an Diversifizierung auch 2025 bewährt. Während insbesondere die niedrigeren Ölpreise zu einem rückläufigen Ergebnis des Geschäftsbereichs Energy führten, verbesserte sich der Bereich Fuels stark – hauptsächlich aufgrund des günstigeren Marktumfelds und des verbesserten Beitrags von ADNOC Refining und ADNOC Global Trading. Der Beitrag von Chemicals stieg vor allem infolge der Umgliederung von Borealis und verbesserter Olefin-Referenzmargen. An diesem aus Konzernsicht starken Ergebnis und der ausgesprochen guten finanziellen Situation wollen wir unsere Aktionär:innen entsprechend teilhaben lassen. Basierend auf unserer Dividendenpolitik und dem Ergebnis schlagen der Vorstand und in der Folge auch der Aufsichtsrat neben der progressiven regulären Dividende zum vierten Mal in Folge die Ausschüttung einer zusätzlichen variablen Dividende vor. Für Sie, sehr geehrte Aktionär:innen, bedeutet dies, dass wir der Hauptversammlung die Ausschüttung einer Dividende von insgesamt EUR 4,40 je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 vorschlagen werden.

Als Aufsichtsrat inkludieren unsere wichtigsten Prioritäten die Strategie, Vorstandsangelegenheiten, Governance-Themen sowie die Genehmigung von größeren Investitionsprojekten. Nachfolgend möchte ich Sie über die Arbeit des Aufsichtsrats im Jahr 2025 informieren.

Zusammensetzung von Vorstand und Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat begann das Jahr 2025 mit mehreren Entscheidungen in Vorstandsangelegenheiten. Im Jänner beschloss der Aufsichtsrat, das Mandat und den Vertrag von Berislav Gaso, Executive Vice President (EVP) Energy, um zwei Jahre zu verlängern. Damit bleibt Berislav Gaso, der diese Position seit 2023 innehat, nun bis Ende Februar 2028 im Amt. Ebenfalls im Jänner einigten sich Daniela Vlad, EVP Chemicals, und der Aufsichtsrat einvernehmlich auf eine vorzeitige Beendigung ihres Mandats per Ende Februar 2025. Mit 1. März 2025 hat Martijn Arjen van Koten zusätzlich zu seiner Funktion als EVP Fuels die Funktion des EVP für den Bereich Chemicals interimistisch übernommen. Mitte 2025 beschloss der Aufsichtsrat, das Mandat von Martijn van Koten um weitere fünf Jahre, bis zum 30. Juni 2031, zu verlängern. Im Mai 2025 gab der Vorstandsvorsitzende und Generaldirektor Alfred Stern bekannt, dass er für eine Verlängerung seines noch bis Ende August 2026 laufenden Mandats nicht zur Verfügung steht. Daraufhin leitete der Aufsichtsrat die Suche nach einem:einer neuen CEO ein. Der Auswahlprozess wird durch eine externe Personalberatung unterstützt.

Bei den Kapitalvertreter:innen im Aufsichtsrat gab es im Jahr 2025 eine Veränderung: Auf der Hauptversammlung im Mai wurde Hans Joachim Müller in den Aufsichtsrat gewählt. Er übernahm den Sitz, der frei geworden war, nachdem Stefan Doboczky im Juni 2024 sein Aufsichtsratsmandat niedergelegt hatte, da es mit seinem Wechsel zu Borealis als CEO der Borealis GmbH nicht vereinbar war. Seitens der Belegschaftsvertreter:innen gab es 2025 keine Änderung bei den Entsendungen in den Aufsichtsrat.

2025 war ein wirtschaftlich herausforderndes Jahr, in dem sich der Aufsichtsrat auf seine leitende Kontrollfunktion im Transformationsprozess von OMV und die Zusammensetzung des Vorstands konzentriert hat.

Lutz FeldmannVorsitzender des Aufsichtsrats
Lutz Feldmann, Vorsitzender des Aufsichtsrats (Foto)

Tätigkeit des Aufsichtsrats

Der Aufsichtsrat nahm im Berichtsjahr 2025 die ihm nach Gesetz, Satzung und Geschäftsordnung obliegenden Aufgaben mit großer Sorgfalt wahr. Er überwachte die Geschäftsführung des Vorstands und beriet diesen in Entscheidungsfindungsprozessen auf Basis detaillierter mündlicher und schriftlicher Berichte sowie konstruktiver Diskussionen zwischen Aufsichtsrat und Vorstand. Im Jahr 2025 fanden fünf reguläre und drei außerordentliche Sitzungen des Aufsichtsrats sowie 30 Sitzungen der Ausschüsse statt. Ein umfassender Bericht des Vorstands zur Geschäftsentwicklung sowie zu aktuellen Themen war, ebenso wie Berichte aus den Ausschüssen, fixer Bestandteil jeder regulären Aufsichtsratssitzung.

Das Feedback von Investor:innen spielt für die Arbeit des Aufsichtsrats eine bedeutende Rolle. Wie bereits seit einigen Jahren Usus, wurde der Austausch zwischen Investor:innen und Aufsichtsrat auch im Februar und März 2025 durch eine Governance Roadshow intensiviert. Bei zahlreichen virtuellen Meetings sowie Präsenzmeetings in Wien konnte ich Investor:innen sowie Stimmrechtsberater:innen Rede und Antwort zu Governance-Themen stehen. Das erhaltene Feedback hat uns in unserer Transformationsstrategie bestärkt und bot wertvolle Impulse für unsere Aufsichtsratsarbeit, etwa in Vergütungsfragen.

2025 fanden auch wieder maßgeschneiderte Schulungen für den Aufsichtsrat statt, wobei ein besonderer Fokus auf künstlicher Intelligenz und einem interaktiven Workshop zu Compliance-Themen lag. Im März 2025 besuchten die Mitglieder des Aufsichtsrats den Bohrplatz des Geothermie-Vorzeigeprojekts „deeep“ in der Wiener Seestadt und informierten sich über den Fortschritt, das Potenzial und die Herausforderungen bei diesem nachhaltigen Energieprojekt.

Die jährliche Selbstevaluierung des Aufsichtsrats wurde, unterstützt durch Fragebögen, von einem externen Beratungsunternehmen durchgeführt. Neben den Ergebnissen für den Aufsichtsrat selbst gab es auch spezifische Erhebungen zur Zusammensetzung und Performance der Ausschüsse. Die Ergebnisse der Selbstevaluierung werden stets sowohl auf Ebene des Aufsichtsrats als auch in den Ausschusssitzungen präsentiert und besprochen. Dies dient als Entscheidungsgrundlage dafür, welche Themen und Tätigkeiten 2026 schwerpunktmäßig behandelt werden sollen, beispielsweise im Rahmen von Deep Dives oder Schulungen.

Tätigkeit der Ausschüsse des Aufsichtsrats

Im Jahr 2025 wurden vom Aufsichtsrat einige wesentliche Personalentscheidungen getroffen. Der Präsidial- und Nominierungsausschuss befasste sich daher insbesondere mit der Vorbereitung der Entscheidungen über drei Vorstandsmandate und die Nachfolge des Generaldirektors.

Der Vergütungsausschuss befasste sich unter anderem mit der Zielerreichung der abgelaufenen Incentive-Pläne sowie der Zielsetzung der neuen Pläne. Darüber hinaus arbeitete der Ausschuss an der Vergütungsrichtlinie für den Vorstand, deren überarbeitete Fassung der Hauptversammlung im Mai 2026 zur Genehmigung vorgelegt wird.

Neben seinen gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben behandelte der Prüfungsausschuss im Jahr 2025 wesentliche Themen des Rechnungslegungsprozesses, der internen Revision, des Risikomanagements sowie des internen Kontroll- und Steuerungssystems des Konzerns. Vertreter:innen der Abschlussprüferin – der KPMG Austria GmbH Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft, Wien – nahmen an jeder Sitzung des Prüfungsausschusses teil.

In den Sitzungen des Portfolio- und Projektausschusses, die regelmäßig im Vorfeld der Aufsichtsratssitzungen stattfinden, wurden im Jahr 2025 die Entscheidungen zu den wichtigsten Investitions- und M&A-Projekten durch umfangreiche Informationen und intensive Diskussionen vorbereitet. Erwähnenswert ist hier etwa das Projekt UpHy Large, Österreichs größte Anlage für grünen Wasserstoff.

Der Nachhaltigkeits- und Transformationsausschuss tagte 2025 viermal. Zu seinen Aufgaben zählen das Überwachen der Strategie betreffend Nachhaltigkeit, ESG-Standards, Performance und Prozesse, insbesondere HSSE und Klimaschutz. Im Jahr 2025 standen Themen wie kultureller Wandel, die Nachhaltigkeit und Umweltperformance des Projekts Neptun Deep sowie vertiefende Diskussionen zu Aspekten der Transformation zur Kreislaufwirtschaft auf der Tagesordnung.

Weitere und detaillierte Ausführungen zur Tätigkeit des Aufsichtsrats und seiner Ausschüsse, wie etwa zu Ausschussmitgliedern, Anzahl der Sitzungen und Anwesenheiten je Gremium, finden Sie im (konsolidierten) Corporate-Governance-Bericht.

Jahresabschluss und Dividende

Nach umfassender Prüfung und Erörterung mit der Abschlussprüferin im Prüfungsausschuss und im Aufsichtsrat erklärte sich der Aufsichtsrat mit dem gemäß § 96 Abs. 1 Aktiengesetz vorgelegten Jahresabschluss samt Lagebericht und Konzernabschluss samt Konzernlagebericht (einschließlich der konsolidierten nichtfinanziellen Erklärung) einverstanden. Mit dieser Billigung durch den Aufsichtsrat wurde der Jahresabschluss 2025 gemäß § 96 Abs. 4 Aktiengesetz festgestellt. Sowohl der Jahresabschluss als auch der Konzernabschluss 2025 erhielten von der Abschlussprüferin, KPMG Austria GmbH Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft, Wien, einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk. Ebenso billigte der Aufsichtsrat den vom Prüfungsausschuss und von ihm selbst geprüften (konsolidierten) Corporate-Governance-Bericht und den (konsolidierten) Bericht über Zahlungen an staatliche Stellen. Der Aufsichtsrat hat bei keiner dieser Prüfungen Anlass für Beanstandungen festgestellt.

Nach Prüfung befand der Aufsichtsrat den Vorschlag des Vorstands an die Hauptversammlung, (i) eine reguläre Dividende von EUR 3,15 je Aktie (was einer Steigerung von EUR 0,10 gegenüber dem Vorjahr entspricht) und (ii) eine zusätzliche Dividende von EUR 1,25 je Aktie auszuschütten, für angemessen und schloss sich diesem Beschlussvorschlag an. Der nach der Ausschüttung verbleibende Restbetrag des Bilanzgewinns soll auf neue Rechnung vorgetragen werden.

Im Namen des gesamten Aufsichtsrats möchte ich den Mitgliedern des Vorstands sowie allen Mitarbeiter:innen für ihr Engagement und ihre erfolgreiche Arbeit im Geschäftsjahr 2025 meine Anerkennung aussprechen. Mein besonderer Dank gilt den Aktionär:innen sowie allen Kund:innen und Partner:innen von OMV für ihr fortwährendes Vertrauen.

Wien, am 19. März 2026

Für den Aufsichtsrat

Lutz Feldmann e.h.

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