Spezifische Konzepte und Verpflichtungen im Zusammenhang mit unserem Lieferantenmanagement

Code of Conduct

[MDR-P-65a–65f] In Bezug auf den Code of Conduct werden, sofern nicht anders angegeben, die wichtigsten Inhalte des Konzepts mit Relevanz für Management der Beziehungen zu Lieferant:innen einschließlich Zahlungspraktiken, der Überwachungsprozess, der Anwendungsbereich des Konzepts, die Einbeziehung der obersten Führungsebene, die Bezugnahme auf Standards Dritter (sofern zutreffend), die Interessen der wichtigsten Interessenträger:innen bei der Festlegung des Konzepts (sofern zutreffend) und die Art und Weise, wie das Konzept potenziell betroffenen Interessenträger:innen zugänglich gemacht wird, im Abschnitt ESRS 2 Übergeordnete Konzepte behandelt.

Konzernweite Beschaffungsrichtlinie und Purchase-to-Pay-Standard

[MDR-P-65a] Die konzernweite Beschaffungsrichtlinie von OMV beschreibt den gesamten Prozess der Lieferantenbindung und des Lieferantenmanagements, einschließlich der Einbindung von Menschenrechtsaspekten in die Präqualifikation von Lieferant:innen sowie in Audits und Meetings. Durch die darin festgelegten Regelungen befasst sich diese Richtlinie sowohl mit den potenziellen positiven Auswirkungen unserer aktiven Zusammenarbeit mit Lieferant:innen und Geschäftspartner:innen als auch mit den potenziellen negativen Auswirkungen einer finanziellen Anfälligkeit unserer Geschäftspartner:innen durch deren erhebliche Abhängigkeit von OMV als Haupteinnahmequelle. Der Purchase-to-Pay-Standard definiert die Mindestanforderungen für den konzernweiten Purchase-to-Pay-Prozess, der alle bestehenden Regelungen innerhalb des Prozessumfangs umfasst. Dieser Standard betrifft Aktivitäten wie die Bestellung und den Einkauf von Waren und Dienstleistungen bei externen Lieferant:innen (ausgenommen Intercompany-Einkäufe) sowie deren Empfang, Abrechnung und Bezahlung. Im Zusammenspiel mit der konzernweiten Beschaffungsrichtlinie legt der Purchase-to-Pay-Standard die Verfahren und Zahlungsbedingungen fest, die den zeitlichen Rahmen für die Begleichung der Rechnungen unserer Lieferant:innen und Auftragnehmer:innen vorgeben, um unsere potenziellen negativen Auswirkungen auf unsere Geschäftspartner:innen aufgrund von Zahlungsverzug zu mindern. Die Einkaufseinheiten „Governance & Analytics“ und „Strategy & Digitalization“ führen halbjährliche Kontrollen und Fortschrittsüberprüfungen anhand der Zielvorgaben durch, um die Wirksamkeit der Umsetzung der konzernweiten Beschaffungsrichtlinie zu überwachen.

[MDR-P-65b] Sowohl die konzernweite Beschaffungsrichtlinie als auch der Purchase-to-Pay-Standard gelten für OMV (OMV Aktiengesellschaft und alle ihre voll konsolidierten Tochtergesellschaften), einschließlich BorealisAusgenommen mtm plastics GmbH, mtm compact GmbH, Ecoplast Kunststoffrecycling GmbH, DYM Solution Co Ltd., Integra Plastics AD, Renasci Oostende Recycling N.V., Rialti S.p.A. und OMV Petrom und deren Tochtergesellschaften. Die in dieser Richtlinie festgelegten Grundsätze und Mindeststandards gelten für alle Beschaffungsaktivitäten bei OMV, die vom OMV Konzerneinkauf verwaltet werden, während einige Waren und Dienstleistungen (wie zum Beispiel erneuerbare Kraftstoffe und Rohstoffe oder Handelsaktivitäten) von anderen Abteilungen eingekauft werden. [MDR-P-65c] Die konzernweite Beschaffungsrichtlinie und der Purchase-to-Pay-Standard von OMV werden vom Vorstand unterzeichnet und genehmigt. Die oberste Verantwortung für die konzernweite Beschaffungsrichtlinie liegt beim:bei der Chief Procurement Officer. Für den Purchase-to-Pay-Standard ist hingegen der:die Chief Information Officer zuständig, der:die direkt an den:die CFO berichtet. [MDR-P-65e] Die konzernweite Beschaffungsrichtlinie und der Purchase-to-Pay-Standard wurden in umfassender Abstimmung mit internen Interessenträger:innen, einschließlich Kreditoren- und Unternehmensvertreter:innen, entwickelt. Sie basieren zudem auf Informationen, die im Zuge unserer Zusammenarbeit mit den externen Partnern CDP und EcoVadis eingeholt wurden. [MDR-P-65f] Die Bestimmungen stehen allen OMV Arbeitnehmer:innen über die Regulations Alignment Platform im OMV Intranet zur Verfügung. Relevante Aspekte für Lieferant:innen werden in vertragliche Vereinbarungen aufgenommen.

[G1-2.14] [G1-6.31] Zur Standardisierung der Zahlungsbedingungen für unsere Lieferant:innen und Auftragnehmer:innen, einschließlich der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), sind in unserer konzernweiten Beschaffungsrichtlinie und im Purchase-to-Pay-Standard Standardzahlungsfristen von 60 Tagen festgelegt. Wir überwachen kontinuierlich, dass die Zahlungsbedingungen mit den vertraglichen Vereinbarungen, die mit unseren Lieferant:innen getroffen wurden, übereinstimmen. Zu diesem Zweck schlägt das SAP-System einen Tag vor Ablauf der Zahlungsfrist alle fälligen Rechnungen zur Zahlung vor, die dann automatisch am nächsten Tag bezahlt werden, ohne dass ein manueller Eingriff erforderlich ist. Wenn Rechnungen zur Zahlung gesperrt werden (z. B. aus steuerlichen Gründen), werden die Gründe analysiert und Abhilfemaßnahmen eingeleitet.

Die konzernweite Beschaffungsrichtlinie beschreibt spezifische Prozesse im Zusammenhang mit der Lieferantenbindung und dem Lieferantenmanagement. Diese umfassen:

Management der Beziehungen zu Lieferant:innen

[G1-2.15a] Das OMV Rahmenwerk für das Management der Beziehungen zu Lieferant:innen konzentriert sich darauf, strategische Beziehungen zu unseren Lieferant:innen und Auftragnehmer:innen zu schaffen. Außerdem berücksichtigt dieses Rahmenwerk das Thema Nachhaltigkeit in der Lieferantensegmentierung, bei der Lieferantenleistung, bei Lieferantenmeetings und in Bezug auf Innovation bei Lieferant:innen. Um OMV bei seiner Transformation zu einem führenden Unternehmen im Bereich innovativer nachhaltiger Kraftstoffe, Chemikalien und Materialien sowie Kreislaufwirtschaft zu unterstützen, ist es unabdingbar, die Lieferant:innen zu Innovationen zu ermutigen. Dies trägt dazu bei, ihr Potenzial freizusetzen, und die innovativen Lösungen, die sie entwickeln, bieten eine gute Möglichkeit zur Intensivierung und Konsolidierung der Partnerschaften. Darüber hinaus kann eine aktive und faire Einbeziehung der Lieferant:innen in Nachhaltigkeitsaspekte positive Veränderungen in der Lieferkette bewirken. Gleichzeitig werden die potenziellen negativen Auswirkungen der finanziellen Anfälligkeit von Lieferant:innen aufgrund von Zahlungsverzug durch OMV gemindert.

Präqualifikation

[G1-2.15b] Die Präqualifikation von Lieferant:innen ist Teil der vorvertraglichen Tätigkeiten, bei denen OMV Informationen von potenziellen Lieferant:innen einholt, um die Einhaltung unserer Anforderungen in Bezug auf Gesundheit, Sicherheit und Umwelt (Health, Safety, Security, and Environment; HSSE) und Nachhaltigkeit zu bewerten. Ziel des Präqualifikationsprozesses ist es, potenzielle Lieferant:innen zu prüfen, bevor wir sie an Bord holen. So können wir sicherstellen, dass nur jene Lieferant:innen für eine zukünftige Zusammenarbeit infrage kommen, die unsere HSSE- und Nachhaltigkeitsstandards erfüllen. Die Präqualifikation basiert auf einer standardisierten Liste von Elementen und Zielen in Übereinstimmung mit dem HSSE-Managementsystem von OMV (z. B. HSSE-Richtlinie; ISO 9001, 14001, 45001) und unserem Nachhaltigkeits-Framework (z. B. Nachhaltigkeitsrichtlinie, Menschenrechts-Grundsatzerklärung und Beschwerdemechanismen).

Lieferantenauswahl

[G1-2.15b] Im Anschluss an die Präqualifikation wählt der Einkauf gemeinsam mit Unternehmensvertreter:innen im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens die geeignetsten Lieferant:innen auf der Grundlage eines vordefinierten Katalogs wirtschaftlicher und technischer Kriterien aus. Um Beschaffungsverfahren verstärkt auf Nachhaltigkeit auszurichten, werden soziale und Umweltkriterien bei der wirtschaftlichen Bewertung mit einbezogen. Zur Unterstützung der allgemeinen Nachhaltigkeitsziele 2030 des OMV Konzerns und der Ambition der Abteilung Sustainable Procurement, der Nachhaltigkeit bei der Beschaffung einen „Wert“ zu geben, nahm die Einkaufsabteilung zwei Kriterien zur Beurteilung der Nachhaltigkeitsleistung der Bieter:innen in deren wirtschaftliche Bewertung auf: das EcoVadis-Rating und die Beantwortung unseres Fragebogens zum Klimawandel.

Im Jahr 2025 lud OMV mehr als 1.000 Lieferant:innen ein, einen vereinfachten Fragebogen zum Klimawandel auszufüllen, der intern in Anlehnung an die Struktur des CDP-Fragebogens entwickelt wurde. Zusätzlich zur Berichterstattung über ihre Emissionen fragten wir die Lieferant:innen, ob sie CO2-Reduktionsziele festgelegt haben, und luden sie ein, uns Initiativen oder Projekte zur Verringerung des CO2-Ausstoßes vorzustellen, an denen sie uns gerne beteiligen würden. Die Auswahl der Lieferant:innen erfolgte nach Einkaufsvolumen, um durch Einbindung unserer größten Geschäftspartner:innen die Auswirkungen zu maximieren. Darüber hinaus vermittelten wir unseren Lieferant:innen in persönlichen Treffen und Webinaren ein besseres Verständnis der Anforderungen des Fragebogens zum Klimawandel und erläuterten ihnen, warum diese Informationen für OMV wichtig sind.

Risikobewertungen

[G1-2.15a] Die Kenntnis des Risikos von Lieferant:innen ist ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung, ob und wie wir mit ihnen Geschäfte machen. Das vom OMV Einkauf in unserem internen IT-System erstellte Risikoprofil für Tier-1-Lieferant:innen soll die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette stärken und helfen, die Anforderungen der Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (Corporate Sustainability Reporting Directive; CSRD) sowie der Richtlinie über die Sorgfaltspflichten von Unternehmen im Hinblick auf Nachhaltigkeit (Corporate Sustainability Due Diligence Directive; CSDDD) zu erfüllen. Die darin definierten Hauptrisikobereiche sind Nachhaltigkeit, Einkauf und HSSE. Zusätzlich hat OMV einen Screening-Prozess eingeführt, der sicherstellt, dass Vertragspartner:innen, gegen die von der EU oder internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen Sanktionen verhängt wurden, nicht als Einkaufspartner:innen akzeptiert werden.

Audits

[G1-2.15a] OMV führt zwei Arten von Audits seiner Lieferant:innen und Auftragnehmer:innen durch: „Together for Sustainability“-(TfS-)Audits vor Ort, die sich auf die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens konzentrieren, und Audits, die von einem externen Prüfungsunternehmen vorgenommen werden. Die Audits werden im Rahmen des Präqualifikationsprozesses und/oder während des Vertragsabschlusses durchgeführt. Das Ziel der Audits ist, die Performance unserer Lieferant:innen zu messen und Maßnahmen zu definieren, die es ihnen ermöglichen, ihre Performance zu optimieren und die Anforderungen von OMV zu erfüllen. Bei externen Audits achten wir besonders auf die finanzielle Stabilität unserer Lieferant:innen, ihre Strategie und Organisation, die Lieferkette, die Nachhaltigkeit (z. B. soziale und ökologische Aspekte) und ihre Cybersicherheitsleistung. Jedes mit einem Warnhinweis versehene Auditergebnis wird vom Einkaufsteam in Zusammenarbeit mit Vertreter:innen des Business und anderen relevanten Funktionen (z. B. HSSE, Rechtsabteilung, Interne Revision und Compliance) weiterverfolgt und analysiert. Die Lieferant:innen werden über das Ergebnis des Audits informiert und aufgefordert, einen Korrekturplan mit konkreten Maßnahmen und einen Zeitplan für deren Umsetzung vorzulegen. Im Jahr 2025 hatten 16 Audits (2024: 13) konkrete Maßnahmen zur Folge.

CO2-Transparenz in der Lieferkette

[G1-2.15a] Unser Ziel ist es, den CO2-Gehalt der von uns eingekauften Waren und Dienstleistungen fortlaufend zu überwachen und zu verringern. Nur gemeinsam mit unseren Lieferant:innen können wir Initiativen zur CO2-Reduktion entwickeln, um die CO2-Emissionen in der Lieferkette kontinuierlich zu senken und unsere Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen zu erfüllen. Zentrales Instrument zur Sicherstellung von Transparenz in Bezug auf CO2-Ausstoß in der Lieferkette ist unser Fragebogen zum Klimawandel, der eng verknüpft ist mit unserem Ziel Einbindung der Lieferant:innen und Bewertung ihrer CO2-Bilanz.

Aufbau von Lieferantenkapazitäten

[G1-2.15] OMV arbeitet mit seinen Lieferant:innen zusammen, um die Nachhaltigkeitsleistung insgesamt zu verbessern. Die Lieferant:innen werden zu persönlichen Treffen oder Webinaren eingeladen, um ihnen zu vermitteln, warum die Teilnahme an TfS-Bewertungen oder die Beantwortung unseres Fragebogens zum Klimawandel wichtig sind. Themen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und CO2-armer Beschaffung besprechen wir auch bei unseren jährlichen strategischen Lieferantenmeetings, und wir laden wichtige Lieferant:innen zu vertiefenden Workshops zum Thema Innovation ein. Im Jahr 2025 fanden 17 Meetings mit unseren strategischen Lieferant:innen statt, bei denen wirtschaftliche und technische Themen ebenso diskutiert wurden wie HSSE- und Nachhaltigkeitsbelange. Mit wichtigen Lieferant:innen wurden zusätzlich insgesamt 6 vertiefende Workshops zum Thema Innovation abgehalten.

Regionale Wertschöpfung

[G1-2.15a] Wir wollen die Gemeinden an den Standorten, an denen wir tätig sind, durch Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung unterstützen. Regionaler Einkauf stärkt die lokale Wirtschaft und erfüllt die Erwartungen der Nachbargemeinden in Bezug auf den regionalen Einkauf. Der verstärkte regionale Einkauf hatte in den letzten Jahren den zusätzlichen Vorteil, dass Unterbrechungen des Geschäftsbetriebs reduziert wurden. Außerdem hat er das Potenzial für eine bessere CO2-Bilanz aufgrund der kürzeren Transportwege der eingekauften Waren. Im Jahr 2025 entfielen 70,9% der konzernweiten Ausgaben auf lokale Lieferant:innen (2024: 71,1%).

ESG-Initiativen im Lieferantenmanagement

[Freiwillig] ESG-Mindeststandards, wie zum Beispiel der Nachweis einer CSR-Richtlinie/Menschenrechts-Grundsatzerklärung oder die Befolgung unseres Code of Conduct, sind Teil unserer Präqualifikationsanforderungen. Darüber hinaus werden in der wirtschaftlichen Bewertung diejenigen Unternehmen höher bewertet, die das EcoVadis-Rating abgeschlossen und unseren Klimawandel-Fragebogen beantwortet haben bzw. zusagen, dies zu tun. So sichern wir die effektive Umsetzung der ESG-Initiativen in unserem Lieferantenmanagement. Lieferant:innen mit einem EcoVadis-Score unter 45 Punkten werden aufgefordert, ihre Leistung zu verbessern und im darauffolgenden Jahr die Bewertung zu wiederholen.Ein solches Rating führt nicht zum Ausschluss aus dem Vergabeverfahren. Durch solche ESG-Initiativen im Lieferantenmanagement wollen wir unsere potenziellen positiven Auswirkungen auf die Unternehmenskultur unserer Lieferant:innen verstärken, was wiederum zu verbesserten Arbeitsbedingungen und höherer Lebensqualität für die Beschäftigten in der Lieferkette führen könnte. Wir tauschen uns nicht nur mit unseren Lieferant:innen, sondern auch mit Einkäufer:innen aktiv über nachhaltige Beschaffungspraktiken und Innovationen bei den Lieferant:innen aus. Unsere Einkäufer:innen werden außerdem regelmäßig darin geschult, wie sie die Einkaufsabteilung bei der Erreichung unserer Ziele für eine nachhaltige Beschaffung unterstützen können. Zu dem Zweck arbeiten sie mit den Lieferant:innen zusammen und regen diese zur Teilnahme an ESG-Bewertungen an, wie beispielsweise dem EcoVadis-Rating oder unserem Fragebogen zum Klimawandel. Im Jahr 2025 konzentrierten sich die Schulungen unserer Einkäufer:innen zum Thema nachhaltige Beschaffung auf die Anwendung des neuen Code of Conduct von OMV bei der Lieferantenauswahl und Auftragsvergabe. Es wurden zwei Schulungen mit 190 Einkäufer:innen von OMV, OMV Petrom und Borealis abgehalten (verglichen mit 155 Schulungsteilnehmer:innen 2024).

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