Digitalisierung

Für die digitale Transformation von OMV war 2025 ein entscheidendes Jahr. Künstliche Intelligenz (KI) ist mittlerweile ein fester Bestandteil unserer Digitalisierungsstrategie. Damit untermauern wir unsere Bestrebung, nachhaltiges Wachstum zu erzielen und die betrieblichen Abläufe weiter zu optimieren (Operational Excellence). Aufbauend auf dem soliden Fundament, das in den vergangenen Jahren geschaffen wurde, hat OMV seine KI-Kapazitäten rasch skaliert – von geschäftsspezifischen Anwendungsfällen für maschinelles Lernen über erste Pilotprojekte mit generativer KI (GenAI) bis hin zum unternehmensweiten Einsatz. Im Jahr 2025 erweiterten wir nicht nur den Umfang der KI‑Anwendungen, sondern konnten KI auch tiefer in unserer Kultur, unseren Plattformen und im Tagesgeschäft verankern und damit einen echten Mehrwert für den gesamten Konzern schaffen.

Empowerment für alle Mitarbeiter:innen: der AI Hub

Ein wichtiger Faktor für unsere Transformation ist der OMV AI Hub, der 2025 als Knotenpunkt für GenAI-Chatbots, ‑Assistenten und ‑Agenten eingerichtet wurde. Der AI Hub bietet einen sicheren, zentralisierten Zugriff auf eine wachsende Suite von intelligenten Tools und Lernressourcen, die alle auf Microsoft Azure basieren und vollständig in die digitale Umgebung von OMV eingebunden sind. Dies gewährleistet Datenschutz und Compliance auf Unternehmensniveau, und die KI ist für alle Mitarbeiter:innen gleichermaßen zugänglich.

Der positive Effekt macht sich bereits bemerkbar: Unser eigener GPT-Assistent wird nunmehr jeden Monat von mehr als 2.500 Mitarbeiter:innen für schnelle Analysen von Dokumenten und das Abrufen von Informationen aktiv genutzt. Ein weiteres Tool zur Vereinfachung der täglichen Arbeit ist unser Regulations Assistant, der die Kolleg:innen durch mehr als 1.500 interne Vorschriften und Verfahren führt. Mit einer wachsenden Bibliothek von KI-Anwendungen, kuratierten Prompts und kontinuierlichen Weiterbildungsmöglichkeiten beschleunigt der AI Hub unsere digitale Transformation und etabliert eine „KI zuerst“-Denkweise im gesamten OMV Konzern.

Aufbau einer KI-versierten Belegschaft

Unser Engagement für die Weiterbildung im digitalen Bereich zeigt sich an den Zahlen: mehr als 10.000 Kolleg:innen – doppelt so viele wie im Vorjahr – haben an GenAI-Workshops und -Schulungen teilgenommen. Die Frage „Kann künstliche Intelligenz mir dabei helfen?“ ist bei OMV mittlerweile eine Selbstverständlichkeit: KI unterstützt heute Innovation und Effizienz auf allen Ebenen. Begleitet wird dieser kulturelle Wandel durch einen ganzheitlichen, wirkungsorientierten Ansatz zur Nutzung von KI. Bei OMV laufen derzeit mehr als 50 KI-Projekte (gegenüber 25 im Jahr 2024). Mehr als 40 weitere Projekte befinden sich in Entwicklung, und mehr als 210 neue Ideen warten bereits in der Pipeline. Unsere „Buy before Build“-Philosophie und die strategischen Partnerschaften mit Microsoft, SAP, Salesforce und SLB (ehemals Schlumberger) versetzen uns in die Lage, KI-Lösungen in allen Geschäftsbereichen zügig zu skalieren und individuell anzupassen.

Geschäftlicher Nutzen durch KI in der Wertschöpfungskette

OMV priorisiert Anwendungsfälle für künstliche Intelligenz, die den größtmöglichen strategischen und finanziellen Nutzen bringen, die Energiewende unterstützen und unsere Operational Excellence stärken. Die folgenden Beispiele veranschaulichen, wie KI in der gesamten OMV Wertschöpfungskette eingesetzt wird.

KI in Energy: mehr Effizienz, mehr Nachhaltigkeit

Im Geschäftsbereich Energy machen wir uns das Potenzial von KI zunutze. Ein Beispiel dafür ist der Norwegian AI Companion (NAIC), der schnelle und schlüssige Antworten auf komplexe geologische, geowissenschaftliche und erdöltechnische Fragestellungen im Zusammenhang mit dem norwegischen Festlandsockel liefert. Für die Bereitstellung prägnanter, praxistauglicher Informationen greift der NAIC auf mehr als 2,5 Mio öffentlich zugängliche und OMV interne Seiten aus den Bereichen Geologie und Geophysik sowie auf entsprechende Berichte zu. Dadurch können sich die Engineering-Teams auf ihre eigentlichen technischen Aufgaben konzentrieren. Diese spezielle KI-Lösung stärkt die Fähigkeit von OMV, in einer der komplexesten geologischen Umgebungen der Welt effizient und sicher zu agieren.

In Zusammenarbeit mit der Stanford University und TerraAI testen wir außerdem eine auf KI-Agenten basierende Technologie zur Optimierung der Feldentwicklung bei Low-Carbon-Projekten. Diese Technologie unterstützt die Entscheidungsprozesse und die Sicherheit bei Low-Carbon-Initiativen in Norwegen. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass dies den jeweiligen Projektwert steigern und untertägige Risiken reduzieren kann. Somit lassen sich CO2‑arme Lösungen effizienter und sicherer gestalten.

Im Bereich Well Engineering haben wir mit iDEA ein wissensbasiertes System eingeführt, das Bohrtechniker:innen bei der Erstellung optimierter Bohrprogramme unterstützt. iDEA analysiert weltweite Analogien und gewonnene Erkenntnisse und trägt so dazu bei, wiederholt auftretende Herausforderungen und damit verbundene Kosten zu vermeiden. Dieses Echtzeit-Tool verknüpft die aktive Bohrlochplanung mit der internationalen Erfahrung von OMV und OMV Petrom und liefert relevante Informationen zur Automatisierung unternehmensweiter Lernprozesse. Durch den verringerten Zeitaufwand für die manuelle Datensuche können sich die Ingenieur:innen auf die technische Umsetzung konzentrieren. Das Unternehmen wiederum profitiert dadurch von schnelleren und fundierteren Entscheidungen.

In Rumänien erproben wir eine Lösung für maschinelles Lernen im Bereich der Ursachenanalyse, um die Überwachung kritischer Bohrlochausfälle und Prozessinterventionen zu verbessern. Durch die Analyse historischer Pumpenbetriebs- und Ereignisdaten kann das Modell potenzielle Ausfälle bis zu neunzig Tage im Voraus vorhersagen. Dies unterstützt die proaktive Wartungsplanung und minimiert Stillstandzeiten.

KI in Fuels: betriebliche Optimierungen und verbessertes Kundenerlebnis

In den letzten sechs Jahren hat das für Automation zuständige Team im Geschäftsbereich Fuels mehr als 300 Prozesse automatisiert. Durch den Einsatz von Software-Robotern zur Erledigung repetitiver Aufgaben und die Reduzierung manueller Tätigkeiten durch Nutzung von KI-Funktionen konnten im Jahresvergleich Einsparungen von über EUR 7 Mio erzielt werden. Beispielhaft erwähnt sei eine Automatisierungslösung, die aus den Portalen der verschiedenen Energieversorgungsunternehmen Smart-Meter-Zählerstände für alle Tankstellen in Österreich zusammenführt. Dies spart mehr als 1.300 Arbeitsstunden pro Jahr ein, was einem monetären Wert von EUR 140.000 entspricht. Ein weiteres Beispiel kommt aus dem Bereich Logistik: Dort spart eine Lösung zur automatisierten Verwaltung von Fahrplanänderungen im Bahnverkehr 1.000 Arbeitsstunden pro Jahr mit einem monetären Wert von EUR 110.000 ein.

KI in Chemicals: Empowerment der Belegschaft und Einbindung von KI in Kernprozesse

Im Geschäftsbereich Chemicals hat Borealis in Programme zur Vermittlung von KI-Kenntnissen, Initiativen zur Entwicklung digitaler Kompetenzen und in ein „Digital Workforce“-Modell investiert. Bei Letzterem geht es darum, den Mitarbeiter:innen die in Zukunft benötigten Fähigkeiten zu vermitteln und sie für einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Technologien zu sensibilisieren. Darüber hinaus fördern strukturierte Programme die Kreativität und beschleunigen die Markteinführung neuer Lösungen, was wiederum die Betriebseffizienz verbessert.

Unter dem Motto „AI Everywhere: From Vision to Impact“ wird KI bei Borealis nun noch tiefer in Kernprozesse eingebunden, um einen messbaren geschäftlichen Nutzen zu erzielen. In den Bereichen Operations, Lieferketten, Kundenansprache und Nachhaltigkeitsinitiativen wurden über 100 KI-Anwendungsfälle identifiziert und nach Prioritäten geordnet. Kostenoptimierungen, verbesserte Entscheidungsprozesse und gesteigerte Produktivität sind dabei nur einige der bereits erzielten Vorteile. Ein wesentlicher Grundsatz von „AI Everywhere“ ist eine gute Governance: Borealis hält sich an das EU-KI-Gesetz und vertritt die Prinzipien einer verantwortungsvollen Nutzung von KI – einschließlich Transparenz, Fairness und Datenschutz. Nicht zuletzt gewährleistet die Einbindung des Menschen („Human in the Loop“) einen ethischen und verantwortungsvollen Einsatz von KI.

Weitere Digitalisierungsinitiativen

Zusätzlich zu den KI-Projekten hat OMV mehrere Digitalisierungsinitiativen auf den Weg gebracht. Eine dieser Initiativen ist die „Renewable Tracing Platform“: Mit dieser Lösung für Massenbilanzierungen und digitale Workflows kann OMV Zertifikate für erneuerbare Kraftstoffe ausstellen. Die Plattform prüft, ob ein- und ausgehende Lieferungen mit den entsprechenden Zertifikaten verknüpft sind. Die erfassten Daten erleichtern auch die Erfüllung verschiedener Nachhaltigkeitsberichterstattungspflichten. Den Kund:innen steht damit eine revisionssichere Lösung zur Verfügung, auf die sie sich verlassen können, da der biobasierte Anteil des Kraftstoffs über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg durchgehend rückverfolgbar ist. Im Jahr 2025 konnten wir die manuellen Arbeitsschritte durch den Aufbau mehrerer digitaler Verbindungen zu internen und externen Systemen und Datenbanken reduzieren und mithilfe des Tools mehr als 7.000 Zertifikate ausstellen.

Weiters wurden elektronische Regaletiketten im Retail-Bereich an 100 Tankstellen eingeführt. Retail-Shops können damit wettbewerbsfähige Preise und verkaufsfördernde Maßnahmen digital implementieren, was eine optimale Nutzung von Nachfragespitzenzeiten sowie eine 5%ige Umsatzsteigerung ermöglicht. Die Lösung entlastet außerdem das Personal, sorgt für ein positives Kundenerlebnis und reduziert Produkt- und Papierabfälle um bis zu 25%. Das Projekt wird auf die restlichen OMV Tankstellen in Rumänien ausgeweitet und soll auch in Ungarn und der Slowakei umgesetzt werden.

OMV bietet zudem digitale Touchpoints zu Kund:innen und Nutzer:innen. Dazu gehören Websites, Apps, Zahlungsterminals in Außenbereichen und Kundenportale. Die von OMV entwickelte Bibliothek mit Designelementen und Benutzerabläufen gewährleistet einen konsistenten Markenauftritt und beschleunigt die Einführung neuer benutzerfreundlicher Funktionen. So konnte zum Beispiel ein App-Prototyp innerhalb eines Tages entwickelt werden. Aufgrund der geringeren Abhängigkeit von externen Anbieter:innen konnten mit diesem Ansatz rund EUR 1,3 Mio eingespart werden.

Für Fahrer:innen von Elektrofahrzeugen hat OMV die Bezahlvorgänge vereinfacht und sich damit einen wichtigen Differenzierungsvorteil gesichert. Viele Fahrer:innen nutzen mehrere Apps für verschiedene Ladedienste. Da OMV nun direkte Transaktionen mit anderen Anbieter:innen ermöglicht, können Fahrer:innen von Elektrofahrzeugen unterschiedliche Netzwerke nutzen und ihre Ladevorgänge über nur ein Konto oder eine einzige App bezahlen. Dieser Ansatz reduziert die direkten Kosten, sorgt für mehr Transparenz in der Wertschöpfungskette und führt zu vorteilhafteren Preisen für Kund:innen und Partner:innen, verbesserten Margen sowie höheren Transaktionsvolumina.

Ein weiteres Beispiel ist das „Work Clearance Management“-Tool – ein standortübergreifendes Arbeitsbewilligungssystem, das 2025 in der Raffinerie Schwechat und den Tanklagern in der Lobau und in St. Valentin eingeführt wurde. Dieses Tool digitalisiert und rationalisiert den Prozess zur Bewilligung von Wartungs- und Reparaturarbeiten. Damit reduziert es nicht nur den Verwaltungsaufwand, sondern trägt auch zu mehr Sicherheit und Compliance bei. Das Tool basiert auf nahtlosen digitalen Verbindungen zu mehreren Prozessen und bietet Funktionen wie elektronische Signaturen, QR-Code-Scanning und automatisierte Workflows. Im Hinblick auf die Einhaltung sämtlicher Vorschriften in den Bereichen Gesundheit, Sicherheit und Umwelt (Health, Safety, Security, and Environment; HSSE) sowie der entsprechenden gesetzlichen Auflagen werden unsere eigenen Arbeitnehmer:innen und die Beschäftigten unserer Vertragsunternehmen durch ein streng geregeltes System unterstützt, das sichere und zuverlässige Arbeitsbedingungen in den Raffinerien von OMV gewährleistet.

Verantwortungsvolle KI und digitale Sicherheit

Das Engagement von OMV für eine vertrauenswürdige und ethische Nutzung von KI ist und bleibt von grundlegender Bedeutung. OMV hält sich an eine solide Governance im Einklang mit dem EU-KI-Gesetz. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Datenschutz, Vermeidung von Voreingenommenheit und Erklärbarkeit. Das nach ISO/IEC 27001:2022 zertifizierte Informationssicherheitsmanagementsystem von OMV und ein eigenes KI-Sicherheitsframework sorgen dafür, dass alle KI-Anwendungen auf sichere und verantwortungsvolle Weise eingesetzt werden. Regelmäßige externe Audits helfen uns dabei, die höchsten Standards aufrechtzuerhalten.

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