Im Zuge unserer Transformation zu einem integrierten Unternehmen für nachhaltige Energie, Kraftstoffe und Chemikalien treiben wir Innovationen mit gezielten Programmen zur Verbesserung bestehender Produktionsprozesse und Entwicklung neuer Technologien voran, um eine Differenzierung durch Wertschöpfung zu erreichen. OMV konzentriert sich auf die Entwicklung von Technologien, die einen direkten Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen des Unternehmens leisten. Im Fokus steht dabei die Erforschung bahnbrechender, hochwirksamer Technologien, die die Umsetzung der OMV Strategie beschleunigen. Das Unternehmen betreibt Innovation sowohl intern als auch in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partner-Panels, die sich aus Vertreter:innen aus der Wissenschaft, privaten Forschungsinstituten und Start-ups zusammensetzen. Zudem verfügt OMV über ein ausgewogenes Portfolio an Technologien und Produkten.
OMV Innovation 360 – ein integrierter Ansatz
Mit OMV Innovation 360 führte OMV im Jahr 2025 eine Plattform ein, die alle Innovationsaktivitäten des Konzerns bündelt. Ziel ist es, Innovationen zu beschleunigen und interne Kompetenzen durch die Einbeziehung externer Kooperationspartner:innen zu ergänzen, um skalierbare Technologien zu entwickeln, die entsprechend vermarktet werden können. Die Plattform stützt sich auf vier Säulen:
- den OMV Innovation Hub Vienna als strategischen Motor für Innovationsplanung,
- den OMV Innovation Hub Schwechat als Technologiebeschleuniger für Lösungen im industriellen Maßstab,
- die OMV Innovation Collaboration & Partnerships als Katalysator für die Zusammenarbeit mit Start-ups, Vertreter:innen aus der Wissenschaft und Technologiepartner:innen sowie
- das OMV Innovators Network zur Ermöglichung von Synergien und Wissensaustausch im gesamten Konzern.
Ein wichtiger Meilenstein im Jahr 2025 war der Spatenstich für den Bau des OMV Innovation Hub Schwechat in unmittelbarer Nähe zur Raffinerie Schwechat. Der Hub wird eine Fläche von rund 8.000 m2 für Pilotanlagen, Labors (darunter das erste Biotechnologielabor von OMV) und moderne Arbeitsplätze für Innovator:innen bieten. Die Nähe zu den OMV Produktionsanlagen wird eine schnellere Überführung von technologischen Innovationen in kommerzielle Anwendungen ermöglichen. Das Portfolio von OMV Innovation & Technology zielt auf Technologien zur Unterstützung der Kreislaufwirtschaft sowie für alternative Rohstoffe, nachhaltige Kraftstoffe und neue Energielösungen ab.
Geistiges Eigentum und Lizenzierung
OMV bemüht sich aktiv um den Schutz von geistigem Eigentum, einschließlich Patentrechten für technologische Innovationen. Die Vergabe von Technologielizenzen treibt die Kommerzialisierung der patentierten Technologien von OMV voran. Ziel ist es, das Wachstum lizenzierter Unternehmen zu unterstützen und Kund:innen während des gesamten Zyklus zu begleiten, vom Erwerb der Lizenz über die Bereitstellung bis hin zum Support. Ein Beispiel für eine mögliche Lizenzierung im Portfolio von OMV ist ReOil®, die proprietäre patentierte Technologie für das chemische Recycling von Altkunststoffen.
Technologische Innovation
Kreislaufwirtschaft
Die proprietäre ReOil®-Technologie von OMV für thermisches Cracken wurde entwickelt, um die Kreislaufwirtschaftsziele der Europäischen Kommission zu erreichen und zukünftige Verpackungsrecyclingquoten zu erfüllen. OMV und Borealis verfolgen das klare Ziel, im Bereich der Technologien für chemisches und mechanisches Recycling eine führende Rolle zu spielen. Durch strenge Tests und Erprobungen konnte OMV umfangreiche operative Erfahrungen mit der ReOil®-Technologie für das chemische Recycling sammeln. Seit Ende 2024 betreibt OMV in der Raffinerie Schwechat eine neue Anlage mit einer Nennleistung von 16.000 t pro Jahr. Die vollständig in die Raffinerie integrierte Anlage für das chemische Recycling von Post-Consumer-Polyolefinen belegt die Zuverlässigkeit der OMV ReOil®-Technologie und bildet die Basis für deren weitere Industrialisierung. ReOil® ist skalierbar und lässt sich nahtlos in bestehende Industrieanlagen integrieren, wodurch vorhandene Assets optimal genutzt werden können.
Nachhaltige Kraftstoffe
OMV treibt die Entwicklung nachhaltiger Kraftstofftechnologien voran und konzentriert sich dabei auf die Herstellung von nachhaltigem Flugkraftstoff (Sustainable Aviation Fuel; SAF) über HVO-Routen sowie auf die Erforschung von Lösungen für eSAF. Die Innovationsaktivitäten zielen darauf ab, die Prozesseffizienz zu verbessern und den Weg für künftige Skalierungen zu ebnen, um kürzere Markteinführungszeiten zu ermöglichen. Zur Unterstützung dessen wurde das Fuels Innovation Lab in Schwechat renoviert und mit modernsten Analysegeräten ausgestattet. Zudem werden im Kleinanlagenbereich von OMV, der Prozessoptimierungen und Technologievalidierungen dient, Tischreaktoren aufgestellt. Die Entwicklungsarbeit erfolgt in Kooperation mit nationalen und internationalen Partner:innen (u. a. Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Technologieunternehmen), um Fachwissen zu nutzen und gemeinsame Innovationen voranzutreiben.
Biotechnologie
Innovationsaktivitäten, bei denen biotechnologische Konzepte zur Anwendung gelangen, konzentrieren sich auf die Widerstandsfähigkeit und Diversifizierung der Rohstoffversorgung. Ziel ist es, einen vorteilhaften Zugang zu biobasierten bzw. aus Abfällen gewonnenen Kohlenstoff- und Energiequellen zu sichern. Die Entwicklungsarbeit umfasst enzymatische und mikrobielle Prozesse zur Herstellung erneuerbarer Drop-in-Kraftstoffe und ‑Chemikalien. Diese Bemühungen tragen dazu bei, die Produktbasis von OMV zu verbreitern und die Position des Unternehmens in den neu entstehenden CO2-armen Wertschöpfungsketten zu stärken.
Neue Energietechnologien
Gleich mehrere technologische Meilensteine trugen dazu bei, dass OMV im Jahr 2025 Fortschritte bei der Umsetzung seiner Dekarbonisierungsstrategie erzielte. So nahm zum Beispiel das Carbon Capture Innovation Center (CCIC) den Betrieb einer mobilen lösungsmittelbasierten Pilotanlage auf, die jährlich bis zu 1.000 t CO2 abscheiden kann. Dies dient der Validierung innovativer Technologien zur CO2-Abscheidung wie etwa CoolSwingCC® im Hinblick auf eine künftige Skalierung. Im Juni nahm Hycamite, ein Kooperationspartner von OMV, in Finnland eine der größten Demonstrationsanlagen Europas für die Methanspaltung in Betrieb. Die Anlage soll bis zu 2.000 t CO2-armen Wasserstoff und 6.000 t fortschrittliche Kohlenstoffallotrope pro Jahr erzeugen. Für den weiteren Ausbau des Portfolios zur Inwertsetzung von Kohlenstoff startete OMV im Juli ein zweites Pilotprojekt in Österreich, bei dem die LOOP-Technologie von Levidian zur Erzeugung von Wasserstoff und Graphen zum Einsatz kommt. Graphen ist ein hochwertiger Werkstoff, der sich mit dieser Technologie erstmals in großem Maßstab herstellen lässt.
Angewandte Technologien
Energy
Im Segment Energy setzt OMV sein Engagement für Innovation und Technologie fort, um die strategischen Ziele in diesem Geschäftsbereich bis 2030 zu erreichen. Die weltweiten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (F&E) konzentrieren sich auf vier Schlüsselbereiche:
- Kosteneffiziente und nachhaltige Produktion
- Geothermie und erneuerbare Energien
- CO2-Abscheidung und -Speicherung (Carbon Capture and Storage; CCS)
- „Out-of-the-Box“-Innovationen und neue Geschäftsmodelle
In diesen Schwerpunktbereichen sollen schnelle, wirkmächtige Lösungen bereitgestellt werden, die zur Schlagkraft von OMV in allen Wertströmen beitragen, Operational Excellence ermöglichen und den Übergang zu einer CO2-armen Zukunft unterstützen. Die Aktivitäten decken das gesamte Spektrum der Energiewende ab – von der Optimierung reifer Felder bis hin zur Entwicklung von Energiespeichern der nächsten Generation. Fortschrittliche Geothermieanwendungen, CCS, Wasserstofferzeugung und die Integration erneuerbarer Energien sind dabei nur einige der Initiativen. Digitale Innovationen wie KI-gestützte Workflows im untertägigen Bereich (einschließlich der Platzierung von Bohrlöchern in Zusammenarbeit mit der Stanford University), Emissionskontrollsysteme und Wasseraufbereitungstechnologien sorgen für sichere, effiziente und nachhaltige betriebliche Abläufe weltweit.
Die spezialisierten OMV Technologiezentren in Österreich (Tech Center & Lab) und Rumänien (Upstream Laboratory, ICPT) fungieren als F&E-Hubs. Die führenden Standorte für Innovation und Technologie sind Norwegen, Rumänien und Österreich. Während sich Norwegen auf Innovationen im Untertagebereich und Low-Carbon-Geschäftslösungen konzentriert, treibt Rumänien die Produktionsoptimierung und die Integration erneuerbarer Energien voran. Der Standort dient zudem als Testfeld für geothermisches Potenzial und die Speicherung thermischer Energie. In Österreich leitet OMV mit Unterstützung internationaler Forschungspartnerschaften groß angelegte Programme in den Bereichen CO2-Abscheidung, Wasserstofferzeugung (Methanspaltung), Geothermie und fortschrittliche Untergrundmodellierung. Zu den bemerkenswerten Erfolgen gehört das Alkali-Polymer-Pilotprojekt im Feld Matzen, das Untergrund-, Oberflächen- und Laboranalysen für Injektionsverfahren zur Steigerung der Ausbeute abdeckt. Des Weiteren wurde ein mobiler Flow-Assurance-Bypass (MoFlow) für ausfallsichere geothermische Anwendungen eingeführt.
Fuels
OMV erkundet aktiv alternative Rohstoffe, Technologien und Kraftstoffe, um ein gut diversifiziertes und wettbewerbsfähiges Portfolio für die Zukunft zu entwickeln. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Herstellung von Biokraftstoffen und synthetischen Kraftstoffen als zukünftige Kraftstoffe für den schwer zu elektrifizierenden Teil des Transportsektors sowie auf nachhaltige chemische Produkte und grünen Wasserstoff gelegt. Während die entwickelten biogenen Produkte zunächst in erster Linie aufgrund des regulierten Markts als Kraftstoffe vertrieben werden, können sie auch als Chemierohstoffe verwendet werden.
OMV nahm die Co-Processing-Anlage in der Raffinerie Schwechat Mitte 2024 in Betrieb. Diese Technologie ermöglicht es OMV, biogene Rohstoffe (z. B. Rapsöl) zusammen mit Stoffen fossilen Ursprungs in einer bestehenden Hydrotreating-Anlage während der Kraftstofferzeugung zu verarbeiten. Durch den Ersatz von fossilem Diesel wird sich der CO2-Fußabdruck von OMV um bis zu 360.000 t CO2 pro Jahr verringern. Im Jahr 2025 setzte OMV die Pilotproduktion von nachhaltigem Flugkraftstoff nach einem anderen Co-Processing-Verfahren in Schwechat ebenso fort wie die Umwandlung biogener Rohstoffe in hochwertige Chemikalien, wie Ethylen, Propylen, Butadien und Benzol, in der Raffinerie Burghausen.
Im Jahr 2025 begann OMV mit der Erzeugung von grünem Wasserstoff in der neuen 10-MW-Elektrolyseanlage in Schwechat (UpHy-Projekt). Die Anlage hat eine Produktionskapazität von bis zu 1.500 t grünem Wasserstoff pro Jahr und ist die größte ihrer Art in Österreich. OMV traf 2025 außerdem die finale Entscheidung, einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in eine neue Vorzeigeanlage für grünen Wasserstoff im niederösterreichischen Bruck an der Leitha zu investieren. Dort plant OMV den Bau einer 140-MW-Elektrolyseanlage, die mit einer jährlichen Produktionskapazität von bis zu 23.000 t grünem Wasserstoff eine der größten ihrer Art in Europa sein wird. OMV erwartet sich dadurch eine Reduzierung der CO2-Emissionen um etwa 150.000 t pro Jahr.
OMV Petrom verzeichnete 2025 wichtige Fortschritte in der Ausführungsphase des Baus einer SAF/HVO-Anlage und zweier Anlagen für grünen Wasserstoff. Dank eines soliden Projektmanagements und der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten schreiten die Bauarbeiten für die SAF/HVO-Anlage und die beiden Anlagen für grünen Wasserstoff planmäßig voran. Die finale Investitionsentscheidung für den Bau dieser Anlagen, die für die Produktion von Biokraftstoffen genutzt werden sollen, wurde von OMV Petrom im Juni 2024 getroffen. Die Investitionen für die SAF/HVO-Anlage belaufen sich auf EUR 560 Mio. Ab 2028 wird die Anlage eine Produktionskapazität von 250 kt pro Jahr für SAF und HVO sowie für Nebenprodukte wie Bio-Naphtha und Bio-LPG haben, die in der chemischen Industrie verwendet werden. Die hohe Flexibilität der Anlage ermöglicht die Anpassung des Produktmixes an die Marktnachfrage und den verfügbaren Rohstoffmix. Die Anlage wird einen Jahresverbrauch von etwa 11 kt Wasserstoff haben, der größtenteils von den beiden neuen Anlagen zur Herstellung von grünem Wasserstoff bereitgestellt werden soll. Die Investitionskosten für die beiden Anlagen für grünen Wasserstoff werden auf rund EUR 190 Mio geschätzt, wobei bis zu EUR 50 Mio mit EU-Mitteln im Rahmen des Nationalen Aufbau- und Resilienzplans (National Recovery and Resilience Plan; NRRP) finanziert werden sollen. Die beiden Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 55 MW werden jährlich geschätzte 8 kt grünen Wasserstoff produzieren. Die Integration von grünem Wasserstoff in nachhaltige Kraftstoffe, wie zum Beispiel nachhaltigen Flugkraftstoff und erneuerbaren Diesel, wird eine Reduktion der CO2-Emissionen um mindestens 70% im Vergleich zu herkömmlichen Kraftstoffen zur Folge haben.
Chemicals
Bei Borealis ist Innovation kundenzentriert und hat eine globale Dimension. In den drei Innovationshubs des Unternehmens – den Innovationszentren in Porvoo (Finnland) und Stenungsund (Schweden) sowie der Zentrale in Linz (Österreich) – sind derzeit mehr als 500 Personen beschäftigt. Am Standort Linz haben Forschende vor kurzem mit dem hochschmelzfesten Polypropylen (HMS PP) Daploy™ eine bahnbrechende Innovation für recyclinggerechtes Design entwickelt. Borealis betreibt überdies Borstar®-Pilotanlagen für PE in Porvoo und für PP ebenfalls in Porvoo sowie in Schwechat (Österreich). Die Anlagen zur Produktion von Katalysatoren in Linz und Porvoo werden durch eine Pilotanlage in Porvoo ergänzt.
Borealis wird im Europäischen Patentindex regelmäßig unter Österreichs Top-Innovatoren geführt und baut sein umfangreiches Patentportfolio weiter aus. Im Jahr 2025 meldete Borealis 115 neue Prioritätspatente (2024: 121) beim Europäischen Patentamt an. Mit Stand Dezember 2025 verfügt Borealis über rund 7.400 Patente sowie ungefähr 3.200 Patentanmeldungen, die in rund 1.500 Patentfamilien zusammengefasst sind.
Bei Borealis bilden auf proprietären Technologien wie Borstar® und Borstar® Nextension sowie auf Technologiemarken wie Borlink™ basierende Polymerlösungen die Grundlage von Materiallösungen, die der Industrie helfen, einen Beitrag zur Bewältigung dringender gesellschaftlicher und ökologischer Herausforderungen wie Dekarbonisierung, grüne Energiewende und Abfallreduzierung zu leisten. Borealis erweitert ständig das Angebot an fortschrittlichen Spezialpolyolefinen, um vielversprechende Märkte in lukrativen Nischenanwendungen in den Bereichen erneuerbare Energien, Mobilität, Healthcare, Konsumgüterverpackungen und Kreislaufwirtschaft zu erschließen.
Einige dieser Innovationen wurden im Oktober 2025 auf der Fachmesse K vorgestellt. Zum einen die bahnbrechende Borstar® Nextension PE-Technologie, die überlegene Leistung und Verarbeitbarkeit bietet und eine Reduzierung der Materialstärke ermöglicht. Im Sinne eines recyclinggerechten Designs können herkömmliche Multimateriallösungen damit durch Monomateriallösungen ersetzt werden. Außerdem wurden drei auf Borstar® Nextension PP basierende Materialien erneut auf den Markt gebracht: BorPure™ RE539MF, BorPure™ RB787MF und Borealis HG485FB. Alle drei tragen dazu bei, dass die Healthcare-Branche das von der EU-Verordnung für Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) vorgegebene Ziel erreichen kann, bis 2030 zu 100% auf recycelbare Verpackungen umzustellen. Im Energiesektor bietet das neu eingeführte dreischichtige Cast-Polypropylen-Konzept für Polymer-Aluminium-Folien die für Lithium-Ionen-Batteriezellen notwendige Sicherheit, Langlebigkeit und effiziente Verarbeitung.