OMV hat die kurz- und langfristigen Auswirkungen des Klimawandels und der Energiewende bei der Aufstellung des Konzernabschlusses berücksichtigt. Sie unterliegen Unsicherheiten und können erhebliche Auswirkungen auf die derzeit vom Konzern ausgewiesenen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten haben.
Der Konzern ist Klimarisiken und Risiken aus der Energiewende ausgesetzt, wozu Risiken für „stranded assets“, ein Nachfragerückgang für fossile Produkte und regulatorische Risiken gehören. Die Risiken aus dem Klimawandel und deren Management werden auch im Lagebericht beschrieben.
Die OMV Dekarbonisierungsziele
2022 definierte OMV erstmals konkrete kurz-, mittel- und langfristige Ziele für die Reduktion der Emissionen und verpflichtete sich, bis 2050 ein Netto-Null-Emissions-Unternehmen (Scope 1, 2 und 3) zu werden. Für die Scope-1 und Scope-2-Emissionen strebt OMV eine absolute Reduktion von mindestens 30% bis 2030 und mindestens 60% bis 2040 an. Für die definierten Kategorien der Scope-3-Emissionen peilt OMV eine Reduktion von mindestens 20% bis 2030 und von 50% bis 2040 anDie folgenden Scope-3-Kategorien sind enthalten: Kategorie 11 „Nutzung der verkauften Produkte für die Energiebereitstellung“; Kategorie 1 Kategorie 12 „Lebenszyklusende verkaufter Produkte für die nicht -energetische Nutzung“. Diese absoluten Reduktionen der THG-Emissionen und die Steigerung des Verkaufs CO2-freier Produkte sind der Schlüssel, um die CO2-Intensität der Energieversorgung durch OMV zu reduzieren. Im Jahr 2025 hat OMV sein Ziel für die CO2-Intensität bis 2030 aufgrund einer Verschiebung des Projektzeitplans angepasst und strebt nun eine Reduktion der CO2-Intensität von 10% bis 2030 und 25% bis 2040 anDie Ausgangswerte für die Emissionsreduktionsziele bilden die Emissionen des Konzerns im Jahr 2019, korrigiert um die Emiss Mehrheitsbeteiligung übernommen hat..
Gemäß der aktuellen Mittelfristplanung plant OMV, in den Jahren 2026–2028 organische Investitionsausgaben für Projekte im Zusammenhang mit nachhaltiger Geschäftstransformation, Entwicklung CO2-armer Geschäftslösungen und Energieeffizienzmaßnahmen in Höhe von rund EUR 2,6 Mrd zu tätigen.
Auswirkungen auf Schätzunsicherheiten
Die vom Management getroffenen, wesentlichen Schätzungen berücksichtigen die künftigen Auswirkungen der strategischen Entscheidungen und das Engagement von OMV, das Portfolio an den Zielen der Energiewende, an kurz- und langfristigen klimabezogenen Risiken sowie am Übergang zu weniger kohlenstoffhaltigen Energieträgern auszurichten, zusammen mit einer bestmöglichen Schätzung des globalen Angebots und der globalen Nachfrage, inklusive prognostizierter Warenpreise.
Dennoch gibt es eine erhebliche Unsicherheit hinsichtlich der Veränderungen im Energieträgermix in den nächsten 30 Jahren und dem Ausmaß, in dem mit diesen Veränderungen die Ziele des Pariser Abkommens erreicht werden. Während sich Unternehmen zu solchen Zielen verpflichten können, erfordert die Bilanzierung nach IFRS die Anwendung von Annahmen, die die aktuellen, bestmöglichen Schätzungen der Bandbreite an zukünftig möglichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen darstellen, die von solchen Zielen abweichen können. Zu diesen Annahmen gehören Erwartungen über die künftigen weltweiten Dekarbonisierungsanstrengungen und den Übergang zu Volkswirtschaften mit Netto-Null-Emissionen.
OMV verwendet zwei unterschiedliche Szenarien: den Base Case und den „Netto-Null-Emissionen bis 2050“ Case. Die Szenarien unterscheiden sich durch die zugrunde gelegten Erwartungen über die Geschwindigkeit der künftigen weltweiten Dekarbonisierung und führen zu unterschiedlichen Annahmen über Nachfrage, Preise und Margen von fossilen Produkten.
Der Base Case orientiert sich am IEA Stated Policies Scenario (STEPS)Auf Basis des von der IEA veröffentlichten Berichts „World Energy Outlook 2024“.. Er berücksichtigt spezifische energie- und klimapolitische sowie verwandte politische Maßnahmen, die verabschiedet oder vorgeschlagen wurden, sowie politische Absichten, die noch nicht gesetzlich festgelegt, aber durch Märkte, Infrastruktur und finanzielle Bedingungen gestützt werden. Das STEPS-Szenario entspricht nicht den Zielen des Pariser Abkommens, die Erwärmung deutlich unter 2°C über dem vorindustriellen Niveau zu halten. Das zugrunde liegende Angebot und die Nachfrage sind an STEPS angelehnt, und die entsprechenden Preisannahmen wurden von der internen Abteilung Strategic Intelligence entwickelt. Der Base Case wird für die Mittelfristplanung sowie für Schätzungen verwendet, die in die Bewertung verschiedener Bilanzpositionen dieses Konzernabschlusses eingehen, wie Werthaltigkeitstests für nicht-finanzielle Vermögenswerte und die Bewertung von Rückstellungen.
Im Vorjahr wurden die von OMV angewandten Basispreisannahmen an das IEA Announced Pledges-Szenario (APS) angelehnt, das im World Energy Outlook, der im Oktober 2025 veröffentlicht wurde, nicht mehr enthalten war. Im Vergleich zum APS-Szenario, das auf der Annahme beruhte, dass alle weltweit von Regierungen angekündigten Dekarbonisierungszusagen pünktlich und vollständig erfüllt werden, geht STEPS von einer höheren Öl- und Gasnachfrage sowie niedrigeren Wachstumsraten bei erneuerbaren Energien aus. Diese Änderung des zugrunde liegenden Pfads der Energiewende führte im Vergleich zum Vorjahr zu höheren Öl- und Gaspreisen in der Mittelfristplanung und den Wertminderungstests für das Jahr 2025.
Der „Netto-Null-Emissionen bis 2050“ Case, der auf einem schnelleren Dekarbonisierungspfad basiert als der Base Case, wird für die Berechnung von Sensitivitäten verwendet, um die Unsicherheit aus der Geschwindigkeit der Energiewende zu berücksichtigen und das finanzielle Risiko für die bestehenden OMV Vermögenswerte aus der Energiewende besser abschätzen zu können. Die Annahmen in diesem Szenario stehen im Einklang mit dem Net Zero Emissions by 2050 (NZE) Szenario, das von der IEA modelliert wurdeAuf Basis des von der IEA veröffentlichten Berichts „World Energy Outlook 2024“.. Dieses Szenario zeigt einen Pfad für den globalen Energiesektor, bei dem bis 2050 Netto-Null-THG-Emissionen erreicht werden und der mit einer Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5°C bis 2100 vereinbar ist.
Für Investitionsentscheidungen werden Wirtschaftlichkeitsrechnungen auf Basis der Preis- und Nachfrageannahmen des Base Cases und mit dem Ziel erstellt, bis 2050 einen Netto-Null-Status zu erreichen. Diese Annahmen sind die gleichen Preis- und Nachfrageannahmen wie in der Mittelfristplanung und den Wertminderungstests. Weiters ist für alle Investitionsentscheidungen ein Stresstest auf Basis der Warenpreisannahmen des „Netto-Null Emissionen bis 2050“ Cases verpflichtend, um das Risiko für „stranded assets“ in diesem Dekarbonisierungsszenario beurteilen zu können.
Werthaltigkeit von Vermögenswerten
Die folgende Tabelle fasst die Buchwerte der immateriellen Vermögenswerte (inkl. Firmenwerte), Sachanlagen und at-equity-bewerteten Beteiligungen des Konzerns aufgeteilt nach Art der Vermögenswerte zusammen:
In EUR Mio |
|
|
|
|
||
|
Segment |
Immaterielle Vermögenswerte |
Sachanlagen |
At-equity bewertete Beteiligungen |
||
|---|---|---|---|---|---|---|
|
|
2025 |
||||
Öl- und Gasexploration und -evaluierung |
Energy |
245 |
– |
– |
||
Öl- und Gasproduktion |
Energy |
288 |
8.881 |
263 |
||
Gasspeicher und -kraftwerk |
Energy |
15 |
497 |
0 |
||
Raffinerien |
Fuels |
178 |
3.758 |
1.348 |
||
Tankstellen |
Fuels |
44 |
1.354 |
1 |
||
Chemische Produktion und Recycling |
Chemicals |
206 |
841 |
3.552 |
||
Sonstige |
|
74 |
388 |
91 |
||
Gesamt |
|
1.049 |
15.719 |
5.255 |
||
|
|
|
|
|
||
|
|
2024 |
||||
Öl- und Gasexploration und -evaluierung |
Energy |
285 |
– |
– |
||
Öl- und Gasproduktion |
Energy |
360 |
8.679 |
288 |
||
Gasspeicher und -kraftwerk |
Energy |
16 |
515 |
0 |
||
Raffinerien |
Fuels |
185 |
3.508 |
1.524 |
||
Tankstellen |
Fuels |
45 |
1.285 |
– |
||
Chemische Produktion und Recycling |
Chemicals |
1.047 |
6.087 |
4.777 |
||
Sonstige |
|
85 |
352 |
72 |
||
Gesamt |
|
2.023 |
20.426 |
6.661 |
||
|
||||||
Annahmen über Warenpreise haben eine wesentliche Auswirkung auf die erzielbaren Beträge von Explorations- und Sachanlagevermögen sowie Firmenwerte. Für die Wertminderungstests werden die Preisannahmen verwendet, die für die Mittelfristplanung auf Basis des oben beschriebenen Szenarios über die Energiewende festgelegt wurden. Kosten für CO2-Emissionen werden insoweit berücksichtigt, als es in den jeweiligen Ländern eine CO2-Bepreisung gibt. Angaben zu den Wertminderungstests sind in der Anhangangabe 9 – Abschreibungen, Wertminderungen und Wertaufholungen enthalten.
Die Preis- und EUR-USD-Wechselkursannahmen im Base Case, die für die Wertminderungstests verwendet werden, werden nachfolgend dargestellt (in realen Werten mit Basisjahr 2025 im Jahr 2025 bzw. 2024 im Jahr 2024):
|
2026 |
2027 |
2028 |
2029 |
2030 |
2040 |
2050 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
Brent-Rohölpreis (USD/bbl) |
64 |
67 |
71 |
69 |
68 |
71 |
71 |
EUR-USD-Wechselkurs |
1,15 |
1,15 |
1,15 |
1,15 |
1,15 |
1,15 |
1,15 |
Brent-Rohölpreis (EUR/bbl) |
55 |
59 |
61 |
60 |
59 |
62 |
62 |
Gaspreis THE (EUR/MWh) |
34 |
29 |
25 |
24 |
24 |
30 |
32 |
CO2-Preis EUA (EUR/t) |
74 |
88 |
102 |
102 |
100 |
135 |
143 |
|
2025 |
2026 |
2027 |
2028 |
2029 |
2030 |
2040 |
2050 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Brent-Rohölpreis (USD/bbl) |
73 |
72 |
71 |
69 |
68 |
67 |
63 |
56 |
EUR-USD-Wechselkurs |
1,10 |
1,15 |
1,15 |
1,15 |
1,15 |
1,15 |
1,15 |
1,15 |
Brent-Rohölpreis (EUR/bbl) |
67 |
63 |
61 |
60 |
59 |
58 |
55 |
48 |
Gaspreis THE (EUR/MWh) |
32 |
30 |
26 |
23 |
23 |
22 |
24 |
24 |
CO2-Preis EUA (EUR/t) |
69 |
86 |
104 |
111 |
118 |
125 |
147 |
147 |
Sensitivitäten basierend auf dem Klimaszenario „Netto-Null-Emissionen bis 2050“ wurden berechnet, um die Widerstandsfähigkeit von Vermögenswerten gegenüber Risiken der Energiewende zu testen.
Die für die Sensitivitätsanalyse verwendeten Annahmen sind in folgender Tabelle enthalten (reale Preise mit Basisjahr 2025):
|
2026 |
2027 |
2028 |
2029 |
2030 |
2040 |
2050 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
Brent-Rohölpreis (USD/bbl) |
64 |
59 |
54 |
49 |
44 |
32 |
27 |
EUR-USD-Wechselkurs |
1,15 |
1,15 |
1,15 |
1,15 |
1,15 |
1,15 |
1,15 |
Brent-Rohölpreis (EUR/bbl) |
55 |
51 |
47 |
42 |
38 |
28 |
23 |
Gaspreis THE (EUR/MWh) |
34 |
27 |
23 |
19 |
14 |
13 |
13 |
CO2-Preis (EUR/t): |
|
|
|
|
|
|
|
EUA/Entwickelte Länder |
78 |
91 |
104 |
116 |
127 |
186 |
227 |
Schwellen- und Entwicklungsländer mit Netto-Null-Zusagen |
31 |
42 |
54 |
67 |
82 |
145 |
182 |
Ausgewählte Schwellen- und Entwicklungsländer |
7 |
10 |
14 |
18 |
23 |
77 |
163 |
Sonstige Schwellen- und Entwicklungsländer |
4 |
6 |
8 |
11 |
14 |
32 |
50 |
Die „Netto-Null-Emissionen bis 2050“-Sensitivitäten wurden anhand einer vereinfachten Methode berechnet und basieren auf einem Discounted-Cash-Flow-Modell analog zu einer Werthaltigkeitsrechnung. In den Berechnungen für Öl- und Gasvermögenswerte basieren die Cashflows auf einer angepassten Mittelfristplanung für drei Jahre und einer Feldlebensplanung für die Jahre bis zur Stilllegung. Der „Netto-Null-Emissionen bis 2050“ Case beinhaltet keine anderen Änderungen von Inputfaktoren als Preise und Mengen. Die Berechnung berücksichtigt eine frühere Stilllegung von Öl- und Gasfeldern, falls die durch die niedrigeren Preise reduzierten Einnahmen die Kosten nicht decken. Insbesondere wurden aber keine Restrukturierungs- oder Kostensenkungsmaßnahmen, Veräußerungen oder andere Änderungen in der Planung, die nicht im Base Case enthalten sind, angenommen. Die angeführten Beträge sind deshalb nicht als beste Schätzung eines erwarteten Wertminderungsverlusts aus einem solchen Szenario zu sehen.
Die berücksichtigten CO2-Kosten für Öl- und Gasanlagen basieren auf den CO2-Preisen im IEA NZE by 2050 Szenario. CO2-Kosten sind für 100% der anteilsmäßig dem Konzern zurechenbaren direkten Emissionen enthalten.
Die auf Basis des „Netto-Null-Emissionen bis 2050“ Cases ermittelten Sensitivitäten zeigen für die Öl- und Gasvermögenswerte ein Risiko für Wertminderungen. Die Buchwerte der Öl- und Gasvermögenswerte mit sicheren Reserven (inkl. E&P at-equity bewertete Beteiligungen) würden um EUR 3,3 Mrd und Firmenwerte um EUR 0,1 Mrd reduziert. Zusätzlich würden alle Öl- und Gasvermögenswerte ohne sichere Reserven mit einem Verlust vor Steuern von EUR 0,2 Mrd aufgegeben werden. Der gesamte Nach-Steuer-Effekt in der Gewinn- und Verlustrechnung würde EUR 2,6 Mrd betragen.
OMV plant, seine europäischen Raffinerien so zu transformieren, dass sie im Zuge der fortschreitenden Dekarbonisierung des Kraftstoff- und Chemiesektors wettbewerbsfähig bleiben. Der Durchsatz der Rohöldestillation wird verringert. Der Produktmix wird angepasst, um die Heizöl- und Dieselproduktion zu reduzieren und gleichzeitig die Ausbeute für chemische Produkte zu erhöhen. Parallel dazu wird ein Produktionsportfolio für erneuerbare Kraftstoffe und nachhaltige chemische Rohstoffe entwickelt. Es wird erwartet, dass der energiewendebedingte Nachfragerückgang für fossile Produkte in den Märkten im Mittleren Osten und Asien, zu denen ADNOC Refining Zugang hat, langsamer voranschreiten wird.
Die für die Wertminderungstests der europäischen Raffinerien angewandten OMV-Raffineriereferenzmargen betragen durchschnittlich 6,5 USD/bbl für die nächsten 15 Jahre bis 2040 und gehen danach schrittweise zurück. Die in den Wertminderungstests angenommenen Auslastungsgrade betragen durchschnittlich 81% für die 15 Jahre bis 2040. Der für 2025 angewandte Diskontierungszinssatz nach Steuern betrug für die zahlungsmittelgenerierende Einheit (ZGE) Raffinerie Österreich 6,75% (2024: 6,75%) und für die ZGE Raffinerie Deutschland 6,50% (2024: 6,25%).
Angesichts der hohen Unsicherheit und der Komplexität des Zusammenspiels verschiedener treibender Faktoren in einem Klimaszenario „Netto-Null-Emissionen bis 2050“, werden für Raffinerien Sensitivitäten basierend auf dem operativen Ergebnis bzw. der Raffineriemargen offengelegt.
Ein Rückgang des operativen Ergebnisses der europäischen Raffinerien um 20% über den gesamten Cashflow-Prognosezeitraum und in der ewigen Rente würde zu einer Wertminderung vor Steuern der Raffinerien in Österreich und Deutschland von EUR 0,6 Mrd (inklusive einer Wertminderung von Firmenwerten von EUR 0,1 Mrd) und zu keiner Wertminderung der Raffinerie Petrobrazi in Rumänien führen.
Im Wertminderungstest für die Beteiligung an ADNOC Refining (inklusive ADNOC Global Trading) werden Brutto-Raffineriemargen für die fünf Jahre bis 2030 und darüber hinaus von durchschnittlich 8,5 USD/bbl angenommen. Eine Veränderung der Brutto-Raffineriemargen um USD –1,0/bbl bzw. +1,0/bbl über den gesamten Cashflow-Prognosezeitraum und in der ewigen Rente würde ceteris paribus zu einer Wertminderung der Beteiligung an ADNOC Refining in Höhe von EUR 0,4 Mrd bzw. einer Wertaufholung von bis zu EUR 0,5 Mrd führen.
Für das Tankstellengeschäft reichten Cashflows über einen Zeitraum von weniger als 10 Jahren aus, um die Werthaltigkeit der Buchwerte der aktuell vorhandenen Vermögenswerte nachzuweisen. Aus diesem Grund wurde keine Berechnung für das Szenario „Netto-Null-Emissionen bis 2050“ durchgeführt.
Was den Borealis Konzern, der abgesehen von den Borouge-Beteiligungen auf zu „Veräußerungszwecken gehalten“ umgegliedert wurde, betrifft, sieht das Management im beschleunigten Dekarbonisierungsszenario keine negativen Auswirkungen auf die Gesamtnachfrage nach Polyolefinlösungen. Die Preisgestaltung für Polyolefine wird hauptsächlich durch die Märkte für Basischemikalien wie Naphtha, Ethan und Propan bestimmt. Eine beschleunigte Veränderung der weltweiten Energielandschaft könnte zu unterschiedlichen Preisbewegungen bei diesen relevanten Basischemikalien führen und sich vorübergehend auf die Rentabilität einiger Vermögenswerte in der Polyolefin-Wertschöpfungskette auswirken. Aufgrund der erwarteten starken Nachfrage nach Polyolefinlösungen sieht das Management keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf die gesamte integrierte Wertschöpfungskette.
Nutzungsdauern
Die Geschwindigkeit der Energiewende kann eine Auswirkung auf die Restnutzungsdauer des Anlagevermögens haben. Das abnutzbare Vermögen in den Raffinerien wird im Durchschnitt über die nächsten 10 Jahre und im Retail-Bereich über die nächsten 5 bis 11 Jahre abgeschrieben. Es wird erwartet, dass die Nachfrage für Mineralöl- und chemische Produkte in diesem Zeitraum stabil bleiben wird. Darüber hinaus hat OMV bereits mit der Umsetzung eines Investitionsprogramms zur Transformation der Anlagen im Raffinerie- und Retail-Bereich begonnen. Durch die Energiewende wird deshalb keine wesentliche Auswirkung auf die erwarteten Nutzungsdauern des bestehenden Anlagevermögens in den Segmenten Fuels und Chemicals erwartet.
Die Öl- und Gasvermögenswerte im Energy-Segment werden gemäß der Unit-of-Production-Methode auf Basis der sicheren Reserven abgeschrieben. Entsprechend den aktuellen Produktionsplänen werden von den sicheren Reserven zum 31. Dezember 2025 bis 2030 47%, bis 2040 9% und bis 2050 3% verbleiben. Die bestehenden Öl- und Gasanlagen mit sicheren Reserven werden daher ohne Berücksichtigung von künftigen Investitionen bis 2030 erheblich und mit Ausnahme eines Feldes bis 2050 vollständig abgeschrieben.
Rückstellungen für Rekultivierungsverpflichtungen
Die Buchwerte und das Fälligkeitsprofil für die Rekultivierungsrückstellungen stellen sich wie folgt dar:
In EUR Mio |
|
|
|
|
||||
|
2025 |
2024 |
||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
|
Buchwert |
Undiskontierte, inflationierte Kosten |
Buchwert |
Undiskontierte, inflationierte Kosten |
||||
≤1 Jahr |
97 |
102 |
71 |
76 |
||||
1–10 Jahre |
1.698 |
2.336 |
1.617 |
2.340 |
||||
11–20 Jahre |
2.200 |
4.777 |
1.923 |
4.315 |
||||
21–30 Jahre |
155 |
405 |
296 |
791 |
||||
>30 Jahre |
160 |
680 |
187 |
753 |
||||
Gesamt |
4.310 |
8.300 |
4.093 |
8.275 |
||||
|
||||||||
Die Geschwindigkeit der Energiewende beeinflusst den Zeitpunkt der Stilllegung und folglich der Durchführung von Rekultivierungen von Öl- und Gasanlagen. Im „Netto-Null-Emissionen bis 2050“ Szenario könnte es bei einigen Öl- und Gasfeldern zu einer früheren Stilllegung kommen. Aufgrund der für die Berechnung herangezogenen niedrigen realen Abzinsungssätze und unter der Annahme einer gleichbleibenden jährlichen Kapazität für Rekultivierungen wäre die Auswirkung auf den Buchwert der Rekultivierungsrückstellungen nicht wesentlich.
Für Raffinerie- und Chemiestandorte auf Eigengrund sowie dazugehörige Lager und Leitungen werden keine Rekultivierungsrückstellungen erfasst, da es sich bei diesen Anlagen um langlebige Vermögenswerte handelt, die auch in einem Energiewendeszenario weiterhin genutzt werden. Für die europäischen OMV Raffineriestandorte sind in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen mit dem Ziel, sie in Richtung erneuerbare Treib- und chemische Rohstoffe mit stärkerer Chemie-Integration zu transformieren, geplant, und die Implementierung dieser Pläne wurde bereits begonnen. Weiters wird für ADNOC Refining dank der guten Positionierung im Markt eine Fortsetzung des Betriebs in einem Szenario erwartet, das im Einklang mit den Zielen des Pariser Abkommens steht.
Aktive latente Steuern
Im „Netto-Null-Emissionen bis 2050“ Szenario werden auf Basis der vereinfachten Werthaltigkeitsüberprüfung die infolge der zusätzlichen Wertminderungen erfassten latenten Steueransprüche großteils als werthaltig angesehen. Es werden keine wesentlichen Auswirkungen auf die Nettoposition der latenten Steueransprüche der österreichischen Steuergruppe erwartet.
Auswirkung auf die Dividendenzahlungsfähigkeit
Das Management bewertete die Auswirkungen des „Netto-Null-Emissionen bis 2050“ Szenarios auf die Dividendenzahlungsfähigkeit der OMV Aktiengesellschaft. Der potenzielle Wertminderungsverlust in diesem Szenario im Jahr 2025 hätte aufgrund des starken Ergebnisses sowie der finanziellen Rücklagen im Jahresabschluss der OMV Aktiengesellschaft, der die Basis für die Dividendenzahlungen ist, keinen Einfluss auf die Fähigkeit zur Dividendenzahlung im Jahr 2026.
Emissionszertifikate und CO2-Kosten
Bilanzierungsgrundsätze
Emissionszertifikate werden mit ihren Anschaffungskosten bewertet und unter den sonstigen, kurzfristigen Vermögenswerten ausgewiesen. Von Regierungsstellen gratis zugeteilte Emissionszertifikate (im Rahmen des EU Emissionshandelssystems für Treibhausgas-Emissionszertifikate) werden mit Anschaffungskosten von Null bewertet.
Durch die verursachten Emissionen entsteht eine Verpflichtung zur Abgabe von Emissionsrechten. Für diese Verpflichtung wird eine Rückstellung gebildet, die mit den Anschaffungskosten der gehaltenen Emissionszertifikate, Terminpreisen von offenen Forward-Einkäufen und für eine verbleibende Unterdeckung mit dem Marktwert bewertet wird.
Rechtlicher Hintergrund
Die Richtlinie 2003/87/EG des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates hat ein System für den Handel mit Treibhausgas-Emissionszertifikaten geschaffen, das die Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, nationale Pläne für die Zuteilung von Emissionszertifikaten zu erstellen. Die Richtlinie richtet ein Emissionshandelssystem ein, bei dem eine Obergrenze für die Gesamtmenge bestimmter Treibhausgase festgelegt wird, die von den im System erfassten Anlagen ausgestoßen werden dürfen. Unternehmen melden ihre Emissionen jährlich und geben genügend Zertifikate ab, um ihre Emissionen abzudecken. Im Rahmen dieses Programms haben die betroffenen Gesellschaften im OMV Konzern einen Anspruch auf die jährliche unentgeltliche Zuteilung von Emissionszertifikaten und kaufen zusätzliche Zertifikate für die verbleibende Unterdeckung.
Die neuseeländische Regierung hat ein System für den Handel mit Treibhausgas-Emissionszertifikaten auf Basis des Climate Change Response Act 2002 geschaffen. Unter diesem System haben neuseeländische Gesellschaften keinen Anspruch auf eine Zuteilung von Gratiszertifikaten. OMV hat Emissionszertifikate gekauft, um den eigenen Verpflichtungen nachzukommen. Darüber hinaus entsteht für OMV mit jedem Gasverkauf an inländische Kunden in Neuseeland eine Verpflichtung, für deren Erfüllung OMV Emissionszertifikate von den Kunden erhält. Diese erhaltenen Zertifikate werden als Durchlaufposten behandelt.
In Deutschland ist das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) die Basis für den nationalen Emissionsrechtehandel in den Sektoren Wärme und Verkehr. Es verpflichtet Unternehmen, die die Brenn- und Kraftstoffe in Verkehr bringen, von der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) kostenpflichtige Zertifikate zu erwerben. Die Zertifikate sind derzeit nicht handelbar, und es gibt keine unentgeltlichen Zuteilungen.
Österreich gibt derzeit keine physischen Zertifikate nach dem Nationalen Emissionszertifikatehandelsgesetz (NEHG) aus und handelt diese auch nicht. Stattdessen basiert das System auf einer Melde- und Zahlungspflicht, bei der die Verpflichteten ihre Emissionen melden und einen festen nationalen CO2-Preis pro ausgestoßener Tonne CO2 entrichten müssen.
CO2-Kosten und Verpflichtungen
Die gesamten CO2-Kosten sowie Kohlenstoffsteuern, die sich auf fortgeführte Geschäftsbereiche beziehen, betrugen 2025 EUR 1.105 Mio (2024: EUR 470 Mio). Ab dem Jahr 2025 werden Emissionskosten aus dem Nationalen Emissionszertifikatehandelsgesetz (NEHG) in der OMV Downstream GmbH brutto ausgewiesen. Dies erfolgte auf Grund aktualisierter gesetzlicher Rahmenbedingungen, die die CO2-Steuerlast mit dem tatsächlichen fossilen Anteil der Produkte verknüpfen. Zuvor wurden diese Kosten als Durchlaufposten behandelt.
Die Rückstellungen für CO2-Emissionen werden unter den kurzfristigen sonstigen Rückstellungen ausgewiesen und betrugen 2025 EUR 801 Mio. Davon betreffen EUR 544 Mio zurückzugebende Emissionszertifikate (2024: EUR 509 Mio), EUR 257 Mio gehen auf NEHG-Emissionen in Österreich zurück und sind an Behörden zu entrichten.
Emissionszertifikate
Für 2026 erwartet OMV, für (noch nicht extern verifizierte) Emissionen voraussichtlich 6.562 Tausend Emissionszertifikate des europäischen Emissionshandelssystems, 4.214 Tausend BEHG-Zertifikate sowie 1.460 Tausend Zertifikate des neuseeländischen Emissionshandelssystems zurückzugeben. Darin enthalten sind 1.066 Tausend Zertifikate, die Kunden in Neuseeland betreffen. Diese Zahlen exkludieren Emissionszertifikate der Borealis Veräußerungsgruppe, die als „zu Veräußerungszwecken gehalten“ klassifiziert ist.
Anzahl der Zertifikate, in Tausend |
|
|
|
|
|
|
||||
|
2025 |
2024 |
||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
|
EU Emissionshandelssystem |
NZ Emissionshandelssystem |
DE Emissionshandelssystem |
EU Emissionshandelssystem |
NZ Emissionshandelssystem |
DE Emissionshandelssystem |
||||
Emissionszertifikate gehalten |
10.899 |
1.358 |
3.640 |
11.506 |
2.079 |
3.472 |
||||
Eröffnungsbilanz in Bezug auf die Borealis Veräußerungsgruppe |
–2.223 |
– |
– |
– |
– |
– |
||||
Unentgeltliche Zuteilung für das Jahr |
3.083 |
– |
– |
3.588 |
– |
– |
||||
Rückgabe der Zertifikate2 |
–6.719 |
–1.703 |
–3.861 |
–7.618 |
–2.730 |
–3.668 |
||||
Netto-Zukäufe und -Verkäufe während des Jahres |
3.216 |
–13 |
4.241 |
3.424 |
26 |
3.836 |
||||
Von Kunden erhaltene Emissionszertifikate |
– |
1.356 |
– |
– |
1.983 |
– |
||||
Emissionszertifikate gehalten |
8.257 |
997 |
4.020 |
10.899 |
1.358 |
3.640 |
||||
|
||||||||||