Risikomanagement

Als internationales Öl-, Gas- und Chemieunternehmen ist OMV entlang der gesamten Wertschöpfungskette tätig – von der Exploration und Förderung von Kohlenwasserstoffen bis hin zum Handel und zur Vermarktung von Mineralölprodukten, chemischen Produkten und Erdgas. OMV ist einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt, darunter Markt- und Finanzrisiken, operationelle Risiken, strategische Risiken sowie inhärente ESG-Risiken. Die Risikomanagementprozesse des Konzerns konzentrieren sich auf die Identifizierung, Bewertung und Beurteilung dieser Risiken sowie deren Auswirkungen auf die finanzielle Stabilität und Rentabilität. Ziel dieser Aktivitäten ist es, Risiken aktiv auf Basis der Risikobereitschaft und der definierten Risikotoleranz des Konzerns zu steuern, um die langfristigen strategischen Ziele von OMV zu erreichen.

Risikomanagement-Governance

Eine wirksame Risikosteuerung ist von entscheidender Bedeutung für die erfolgreiche Bewältigung von Unsicherheiten, die in der Natur der Geschäftstätigkeit von OMV liegen. Auf Ebene des Aufsichtsrats überwacht der Prüfungsausschuss die Umsetzung und Wirksamkeit der Risikomanagementprozesse bei OMV. Durch die Nutzung der Expertise des Prüfungsausschusses und laufende Fortbildungsmaßnahmen setzt sich der Aufsichtsrat weiterhin für eine solide Risikosteuerung ein. Der Vorstand überwacht und verbessert proaktiv die Risikomanagementprozesse von OMV und sorgt für eine starke Risikokultur im gesamten Unternehmen. Ein funktionsübergreifender Risikoausschuss, bestehend aus Mitgliedern des Senior Managements unter der Leitung des:der CFO, stellt sicher, dass wesentliche Risiken innerhalb des Unternehmens im Rahmen des Risikomanagementprozesses effektiv erfasst und gesteuert werden. OMV verfügt über eine effektive zentrale Risikomanagementfunktion innerhalb des CFO-Bereichs, die direkt an den Vorstand berichtet und von den Geschäftsbereichen unabhängig ist.

Das Unternehmen vertritt die Ansicht, dass durch sein integriertes Geschäftsmodell und die damit verbundenen, teilweise gegenläufigen Risiken das Gesamtrisiko wesentlich niedriger ist als die Summe der einzelnen Risiken. Die ausgleichende Wirkung von Branchenrisiken erfolgt jedoch häufig zeitlich verzögert oder abgeschwächt. Die Risikomanagementaktivitäten konzentrieren sich daher auf die Nettoposition der Risiken des aktuellen und zukünftigen Geschäftsportfolios des Unternehmens. Die wechselseitigen Abhängigkeiten und Korrelationen zwischen den einzelnen Risiken spiegeln sich auch im konzernweiten Risikoprofil wider. Die Risikomanagement- und Versicherungsaktivitäten werden zentral durch die Bereiche Treasury und Risk & Insurance Management koordiniert. Damit wird sichergestellt, dass im gesamten Unternehmen klare und konsistente Prozesse, Werkzeuge und Methoden im Risikomanagement angewendet werden. Für jedes Risiko wird ein:eine Risk Owner definiert, der:die am besten geeignet ist, die Überwachung und Steuerung des jeweiligen Risikos zu verantworten. Das übergeordnete Ziel der OMV Risikopolitik besteht darin, die Liquidität des Unternehmens abzusichern und ein dem Risikoappetit von OMV entsprechend starkes Investment-Grade-Rating beizubehalten.

Finanzielle und nicht finanzielle Risiken werden regelmäßig im Rahmen des Prozesses des unternehmensweiten Risikomanagements (Enterprise-Wide Risk Management; EWRM) von OMV identifiziert, beurteilt und berichtet. Der Hauptzweck des EWRM-Prozesses besteht darin, einen wesentlichen Wertbeitrag für das Unternehmen zu leisten, indem risikobasierte Managemententscheidungen ermöglicht werden. Dies erfolgt mithilfe des Modells der drei Verteidigungslinien:

  1. Unternehmensführung

  2. Risikomanagement und Aufsichtsfunktionen

  3. Interne Revision

Durch die richtige Einschätzung der finanziellen, operationellen und strategischen Risiken wird die Nutzung von Geschäftsmöglichkeiten systematisch unterstützt, wodurch der Wert von OMV nachhaltig gesteigert wird. Das EWRM-System hat seit 2003 in allen Konzernbereichen, einschließlich der Tochtergesellschaften in mehr als 20 Ländern, das Risikobewusstsein und die Kenntnisse über das Risikomanagement deutlich verbessert. OMV arbeitet laufend an der Weiterentwicklung des EWRM-Prozesses gemäß den internen und externen Anforderungen, wie zum Beispiel der Berücksichtigung von Standards und Rahmenwerken für die Berichterstattung zu den Themenbereichen Umwelt, Gesellschaft und Governance (Environmental, Social, and Governance; ESG). Der OMV EWRM-Prozess wurde gemäß der Norm ISO 31000 eingerichtet und wird durch ein konzernweites IT-System unterstützt, in dem sämtliche festgelegten Prozessschritte dokumentiert werden: Risikoidentifikation, Risikoanalyse, Risikobewertung, Risikobehandlung, Berichterstattung und Risikoüberprüfung führen zur kontinuierlichen Überwachung von Änderungen des Risikoprofils. Die Auswirkungen der durch einen Bottom-up-Prozess ermittelten Konzernrisiken werden mithilfe einer Monte-Carlo-Simulation bewertet und den Planungsdaten gegenübergestellt. Diese Herangehensweise wird vom Senior Management in einem Top-down-Ansatz unter Einbeziehung der mit der Konzernstrategie verbundenen Risiken ergänzt. Auch nicht voll konsolidierte Gesellschaften sind in diesen Prozess eingebunden. Im Rahmen des EWRM-Prozesses bedienen wir uns konzernweit derselben Risikoterminologie und sprechen eine gemeinsame Risikosprache, um eine effektive Kommunikation von Risiken zu gewährleisten, wobei ESG-Risiken in der Risikotaxonomie von OMV eine Schlüsselrolle spielen.

Zweimal im Jahr werden die Ergebnisse dieses Prozesses zusammengeführt und dem Vorstand sowie dem Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats präsentiert. In Übereinstimmung mit dem Österreichischen Corporate Governance Kodex wird die Funktionsfähigkeit des EWRM jährlich durch einen:eine Wirtschaftsprüfer:in evaluiert. Folgende wesentliche finanzielle und nicht finanzielle Risiken wurden in Bezug auf die Mittelfristplanung von OMV ermittelt:

  • Finanzielle Risiken wie Marktpreis-, Liquiditäts-, Kredit- und Währungsrisiken

  • Operationelle Risiken, einschließlich aller mit physischen Anlagen verbundenen Risiken und Auswirkungen, Produktionsrisiken, Projektrisiken, Steuerrisiken, Personalrisiken, IT-Risiken, Risiken in den Bereichen Gesundheit, Sicherheit und Umwelt (Health, Safety, Security, and Environment; HSSE) sowie regulatorischer bzw. Compliance-Risiken

  • Strategische Risiken, die zum Beispiel im Zusammenhang mit der Energiewende und durch technologischen Fortschritt entstehen, aber auch Reputationsrisiken und durch politische Unsicherheiten bedingte Risiken wie Sanktionen beinhalten

Weitere Einzelheiten zum Risikomanagement und zum Einsatz von Finanzinstrumenten finden Sie im Konzernabschluss (Anhangangabe 29 – Risikomanagement).

Finanzielle Risiken

Marktpreis- und andere finanzielle Risiken, einschließlich der Marktpreisrisiken durch EU-Emissionszertifikate, entstehen durch die Volatilität von Rohstoffpreisen, Wechselkursen und Zinssätzen. Kreditrisiken, die durch die Unfähigkeit von Kontrahent:innen entstehen können, ihren Zahlungs- oder Lieferverpflichtungen nachzukommen, zählen ebenfalls zu den wesentlichen Risiken. Als Öl‑, Gas- und Chemieunternehmen ist OMV in signifikantem Maße den Preisschwankungen der entsprechenden Rohstoffe ausgesetzt. Auf der Währungsseite hat das Unternehmen wesentliche Risikopositionen in USD, RON, NOK, NZD und SEK. Insbesondere aus dem Verkauf von Ölprodukten resultiert bei OMV eine ökonomische Netto-Long-Position in USD. Die vergleichsweise weniger signifikanten Risikopositionen in RON, NOK, NZD und SEK entstehen durch Kosten in lokalen Währungen in den jeweiligen Ländern.

Management von Rohstoffpreisrisiken, Währungsrisiken und Risiken im Zusammenhang mit EU‑Emissionszertifikaten

Die Analyse und das Management finanzieller Risiken, die sich aus Fremdwährungen, Zinssätzen, Rohstoffpreisen, EU‑Emissionszertifikaten, Liquiditäts-, Kredit- und versicherbaren Risiken ergeben, werden zentral konsolidiert. Aufgrund ihrer möglichen Cashflow-Auswirkungen werden Marktpreisrisiken konzernweit betrachtet und mittels eines Risikomodells analysiert, das Portfolioeffekte berücksichtigt. Die Auswirkungen der finanziellen Risiken (z. B. Rohstoffpreise und Währungen) auf den Cashflow und die Liquidität von OMV werden regelmäßig vom Risikoausschuss geprüft. Dieser Ausschuss unter der Leitung des:der CFO setzt sich aus Mitgliedern des Senior Managements der Geschäftsbereiche und Konzernfunktionen zusammen.

In Bezug auf Rohstoffpreis- und Währungsrisiken entscheidet der OMV Vorstand bei Bedarf über Absicherungsstrategien zur Risikominderung. OMV setzt Finanzinstrumente zu Absicherungszwecken ein, um die Konzernliquidität beispielsweise gegen den potenziell negativen Einfluss fallender Öl- und Gaspreise im Geschäftsbereich Energy abzusichern. In den Geschäftsbereichen Fuels und Chemicals ist OMV insbesondere volatilen Raffinerie- und Chemiemargen, Erdgaspreisen und CO2-Emissionszertifikaten sowie Lagerrisiken ausgesetzt. Entsprechende Optimierungs- und Absicherungsmaßnahmen werden ergriffen, um diese Risiken zu reduzieren. Hierunter fallen insbesondere Margen- und Rohstoffabsicherungen. Ein Governance-System zur Kontrolle von Optimierungs-, Handels- und Absicherungsrisiken legt klare Mandate einschließlich der Risikoschwellen für diese Aktivitäten fest.

Zinsrisikomanagement

Zur Ausbalancierung des Zinsportfolios des Unternehmens können im Rahmen definierter Regelungen Kredite von fixer auf variable Zinsbindung und umgekehrt umgestellt werden. Weiters analysiert OMV regelmäßig die Auswirkungen von Zinsänderungen auf die Zinserträge und -aufwendungen aus variabel verzinsten Geldanlagen und Krediten.

Kreditrisikomanagement

Das Kreditrisiko wesentlicher Kontrahent:innen wird auf Konzern- und Geschäftsbereichsebene bewertet und mittels definierter Limits für Banken, Geschäftspartner:innen und Sicherheitsgeber:innen überwacht und gesteuert. Die Abläufe sind durch OMV Richtlinien auf Konzernebene geregelt. Angesichts eines herausfordernden geopolitischen und wirtschaftlichen Umfelds mit volatilen Rohstoffpreisen, hohen Zinsen und verzerrten Lieferketten wird besonders auf Frühwarnsignale, wie beispielsweise Änderungen im Zahlungsverhalten, geachtet.

Operationelle Risiken

OMV ist durch seine Geschäftstätigkeit verschiedenen Risiken in den Bereichen Gesundheit, Sicherheit und Umwelt (Health, Safety, Security, and Environment; HSSE) ausgesetzt. Dazu zählen die möglichen Auswirkungen von Naturkatastrophen sowie von Vorfällen im Bereich der Prozesssicherheit und der persönlichen Sicherheit. Weitere operationelle Risiken gehen mit der Durchführung von Investitionsprojekten und der Nichteinhaltung von gesetzlichen oder regulatorischen Bestimmungen einher. Sämtliche operationellen Risiken werden nach den definierten Risikomanagementverfahren des Konzerns identifiziert, analysiert, überwacht und gemindert. Die bewerteten Risiken werden auf allen Unternehmensebenen unter Anwendung der definierten Risikorichtlinien und mit klar zugeordneten Verantwortlichkeiten gesteuert und gemindert. Die wesentlichen Risiken des Konzerns, beispielsweise im Zusammenhang mit Gesundheit, Sicherheit und Umweltschutz, Recht und Compliance, Personalmanagement sowie Nachhaltigkeit, werden zentral durch definierte Konzernrichtlinien geregelt, um sicherzustellen, dass Planungsziele erreicht werden können.

Projektrisiken

Bei der Umsetzung der Strategie 2030 investiert OMV sowohl in organische als auch anorganische Wachstumsprojekte und folgt dabei einem ausgereiften Projektrisikomanagementprozess zur regelmäßigen Identifizierung, Analyse und Überwachung der Projektrisiken. OMV verfügt über umfangreiche Erfahrungen im Management von Großprojekten und bei der Minimierung von Projektrisiken.

Das Unternehmen kann operationellen, politischen, technologischen und anderen Risiken ausgesetzt sein, die sich seinem eigenen Einfluss und dem seiner Vertragspartner:innen entziehen, was den Fortschritt der Projekte von OMV verzögern oder behindern kann. So kann beispielsweise die Durchführung großer Onshore- und Offshore-Projekte in Rumänien, Norwegen und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) durch Änderungen des jeweiligen regulatorischen oder steuerlichen Rahmens, durch die Nichtverfügbarkeit von Auftragnehmer:innen oder den Mangel an qualifiziertem Personal beeinträchtigt werden. Die Projektkosten können durch Preisinflation, Arbeitskräftemangel oder die Unterbrechung bzw. Neuorganisation von Lieferketten negativ beeinflusst werden. Insbesondere Projekte in den Bereichen Recycling und nachhaltige Kraftstoffe können von einer unzureichenden Verfügbarkeit der benötigten Ausgangsstoffe, der Unfähigkeit einer kommerziellen Nutzung neuer Technologien oder mangelnder regulatorischer Klarheit betroffen sein. Vor allem in neuen Geschäftsbereichen investiert OMV unter Umständen häufiger über Partnerschaften und Joint Ventures, wodurch das Unternehmen erhöhten Governance- und Kreditrisiken ausgesetzt sein kann, die die Projektabwicklung möglicherweise negativ beeinflussen. Jedes dieser Risiken kann wesentliche nachteilige Auswirkungen auf die Geschäfts-, Ertrags- und Finanzlage von OMV haben.

IT-Risiken

Da OMV bei seinen Aktivitäten auf IT-Systeme angewiesen ist, kann es zu Beeinträchtigungen durch groß angelegte Cyberangriffe kommen. Zum Schutz von Daten und IT-Assets, die Daten speichern und verarbeiten, ist ein Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) mit entsprechenden Sicherheitskontrollen in alle IT-Dienste des Unternehmens implementiert. IT-Risiken werden bewertet, regelmäßig überwacht und mit gezielten Maßnahmen adressiert oder durch umfassende IT- und Sicherheitsprogramme im gesamten Unternehmen gesteuert. Betriebstechnische Risiken spiegeln sich in der Bewertung von Prozesssicherheitsrisiken wider. OMV ist sich auch der aufkommenden Risiken durch künstliche Intelligenz (KI) bewusst und integriert daher aktiv Maßnahmen in die bestehenden Security-Governance-Konzepte und -Kontrollen, um potenziellen Sicherheitslücken und Schwachstellen im Zusammenhang mit KI entgegenzuwirken.

Strategische Risiken

Zur Identifizierung strategischer Risiken, die potenziell langfristige Auswirkungen auf die Unternehmensziele haben könnten, beobachtet OMV laufend sein internes und externes Umfeld.

Geopolitische und regulatorische Risiken

OMV beobachtet die geopolitischen Entwicklungen aufmerksam, insbesondere den anhaltenden Krieg Russlands gegen die Ukraine sowie mögliche zusätzliche Sanktionen und Gegensanktionen, die sich daraus ergeben könnten. Ebenso aufmerksam verfolgt OMV die US-Zölle und die Entwicklungen im Mittleren Osten, insbesondere in Israel, Iran und Syrien, die Bedenken hinsichtlich der regionalen Stabilität und ihrer potenziellen Auswirkungen auf die Geschäftsaktivitäten von OMV hervorgerufen haben. Weitere Einzelheiten zur Entwicklung im Mittleren Osten finden Sie im Konzernabschluss (Anhangangabe 36 – Ereignisse nach dem Bilanzstichtag).

Das Unternehmen prüft regelmäßig die Auswirkungen derartiger geopolitischer Entwicklungen auf seine Geschäftstätigkeit. Zum Beispiel könnten anhaltende und/oder zunehmende Unterbrechungen der russischen Rohstofflieferungen nach Europa zu volatilen europäischen Energiepreisen führen. Sanktionen gegen Russland und von Russland verhängte Gegensanktionen könnten zu weiteren Störungen in den globalen Lieferketten und Engpässen führen – beispielsweise bei Energieprodukten, Rohstoffen, Agrarprodukten und Metallen –, was wiederum einen weiteren Anstieg der Betriebskosten zur Folge hätte.

Eine hohe Volatilität der Erdgaspreise kann potenziell zu Liquiditätsspitzen führen, um Margin Calls für kurzfristige Börsenhandelsaktivitäten zu erfüllen. OMV verfügt über ungenutzte zugesagte und nicht zugesagte Kreditfazilitäten, um solche kurzfristigen Anforderungen im Bedarfsfall zu erfüllen. Das Unternehmen reagiert auf die Situation mit gezielten Maßnahmen, um die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens und eine sichere Energieversorgung zu gewährleisten.

Abgesehen von den oben erwähnten geopolitischen Spannungen ist die Geschäftstätigkeit von OMV weiteren geopolitischen Risiken ausgesetzt, wie beispielsweise Enteignung und Verstaatlichung von Eigentum, Beschränkungen für ausländisches Eigentum, inneren Unruhen, Kriegshandlungen oder Terrorismus sowie politischer Instabilität, etwa in Libyen und Tunesien sowie anderen Ländern, in denen OMV tätig ist und Investitionen getätigt hat. OMV verfügt jedoch über umfangreiche Erfahrungen und Kenntnisse hinsichtlich des politischen Umfelds in Schwellenländern. Mögliche regulatorische Änderungen können auch zu Unterbrechungen, Produktionseinschränkungen oder einer höheren Steuerbelastung führen. OMV beobachtet laufend politische und regulatorische Entwicklungen in allen Märkten, die sich auf die Geschäftstätigkeit des Unternehmens auswirken. Spezifische Länderrisiken werden vor dem Eintritt in neue Länder überprüft.

Makroökonomische Risiken

Geoökonomische Fragmentierung, Handelsbeschränkungen sowie Unterbrechungen der globalen Lieferketten könnten zu weiteren Kostensteigerungen für OMV führen. In Verbindung mit hohen Zinssätzen kann diese Situation das Wirtschaftswachstum negativ beeinflussen, was wiederum die Nachfrage nach den Produkten von OMV beeinträchtigen könnte.

Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel

Neben dem Marktpreisrisiko im Zusammenhang mit EU-Emissionszertifikaten bewertet OMV laufend die Exposition des Unternehmens gegenüber Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Dazu zählen die potenziellen Auswirkungen von akuten oder chronischen Ereignissen, wie etwa häufigeren extremen Wetterereignissen, aber auch systemische Änderungen unseres Geschäftsmodells aufgrund veränderter rechtlicher Rahmenbedingungen oder die Substitution von OMV Produkten durch verändertes Konsumverhalten. OMV betrachtet den Klimawandel als zentrale globale Herausforderung und berücksichtigt daher bei der Entwicklung seiner Geschäftsstrategie klimarelevante Risiken und Chancen. Die Maßnahmen zur Steuerung oder Minderung dieser Risiken sind in den entsprechenden Abschnitten dieses Berichts, insbesondere in der Nachhaltigkeitserklärung und im Abschnitt Strategie, näher erläutert.

Risiken im Zusammenhang mit der Unternehmenstransformation

Die Transformation von OMV zu einem führenden Anbieter von nachhaltigen Kraftstoffen, Chemikalien und Materialien sowie nachhaltigen Energielösungen ist mit einer Vielzahl von Unsicherheiten verbunden. Zu diesen Risiken gehören die Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiter:innen, Technologie- und Skalierungsrisiken, die Verfügbarkeit nachhaltiger Rohstoffe in ausreichender Qualität und Quantität sowie Governance-Risiken im Zusammenhang mit Joint Ventures und Partnerschaften.

Personalrisiken

Durch eine gezielte Nachfolge- und Entwicklungsplanung will die Abteilung People & Culture geeignete Führungskräfte für das weitere Unternehmenswachstum entwickeln bzw. für OMV gewinnen und damit Personalrisiken mindern.

Auswirkungen, Risiken und Chancen im Bereich der Nachhaltigkeit

Durch die entsprechende Verankerung im unternehmensweiten Risikomanagementprozess legt OMV besonderes Augenmerk auf fünf Schwerpunktbereiche der Nachhaltigkeit:

  1. Klimawandel

  2. Management natürlicher Ressourcen

  3. Menschen und Menschenrechte

  4. Gesundheit und Arbeitsschutz

  5. Ethische Geschäftspraktiken

Das weiter oben kurz beschriebene, bewährte Risikosicherungsmodell wurde angepasst, um eine wirksame Steuerung der potenziellen Auswirkungen, Risiken und Chancen in den Bereichen Umwelt, Gesellschaft und Governance zu gewährleisten.

Mehr über Risiken in den Bereichen Umwelt, Gesellschaft und Governance finden Sie in den entsprechenden Abschnitten der Nachhaltigkeitserklärung.

OMV Group Security

Im Jahr 2025 spielte die geopolitische Unsicherheit eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung sowohl des globalen Sicherheitsumfelds als auch des Energiesektors. Laut dem Uppsala Conflict Data Program gibt es derzeit weltweit mehr als 60 staatliche Konflikte – die höchste Zahl seit dem Zweiten Weltkrieg. Davon haben elf das Ausmaß eines Krieges erreicht. Die globale Sicherheit wird insbesondere durch die anhaltenden Konflikte in der Ukraine und im Mittleren Osten beeinträchtigt.

OMV Group Security investierte daher weiterhin beträchtliche Ressourcen in die Gewährleistung der Resilienz und Sicherheit in Regionen, die zuvor als risikoarm galten. Der Schwerpunkt lag jedoch wie schon bisher auf den Standorten im Mittleren Osten und Nordafrika.

Neben den Herausforderungen für die sichere Geschäftstätigkeit in Tunesien und Libyen hat auch die anhaltende Bedrohung durch Terroranschläge und hybride Kriegsführung in Europa nicht abgenommen. Politischer Extremismus, organisierte Kriminalität und die zunehmende Konvergenz von Cyberrisiken und physischen Bedrohungen machen es erforderlich, dass sich die Abteilung OMV Group Security weiterhin auf eine robuste und dennoch flexible Sicherheitsstrategie konzentriert. Diese Strategie ermöglicht es OMV, seine Geschäftstätigkeit in dynamischen Umfeldern mit asymmetrischen Bedrohungen fortzusetzen.

Der konzerninterne Sicherheitsmanagementstandard legt eine umfassende Reihe von Sicherheitsvorschriften, Plänen, Verfahren, Maßnahmen und Systemen fest. Das Dokument berücksichtigt die IOGP-Leitlinien sowie andere branchenspezifische bewährte Verfahren (ASIS und UK Security Institute), damit das Unternehmen Bedrohungen bestmöglich erkennen, abwenden, verhindern, aufzeichnen, untersuchen und sich davor schützen kann.

Managementprozesse und Verfahren zur Erfüllung der Sorgfaltspflicht

OMV verfügt über ein einzigartiges, agiles und bewährtes Sicherheitsmanagementsystem, das regelmäßig überprüft und je nach Bedarf angepasst oder weiterentwickelt wird. Die Philosophie, sicherheitsrelevante Informationen zu sammeln und als präventives Sicherheitsinstrument zu bewerten, ist und bleibt ein grundlegendes Prinzip der OMV Sicherheitsstrategie. Dieser Ansatz ermöglicht es, auf ein breites Spektrum geopolitischer Ereignisse, regionaler Konflikte und einzelner Vorfälle vorausschauend zu reagieren oder unmittelbar zu handeln. Zusätzlich gestärkt wird dieser Ansatz durch die wirksame Zusammenarbeit mit staatlichen und lokalen Sicherheitsbehörden zwecks zuverlässiger Bestätigung der Faktenlage vor Ort.

Die OMV Plattform zur Sicherheitsrisikobewertung bietet weiterhin eine Echtzeitübersicht über das Risikoprofil der OMV Standorte und kann bei geopolitischen oder sicherheitsrelevanten Ereignissen rasch angepasst werden. Zudem ermöglicht sie die zeitgleiche Weitergabe sicherheitskritischer Informationen.

Um die Wirksamkeit und Angemessenheit der Sicherheitsmaßnahmen in den OMV Geschäftsbereichen sicherzustellen, führt die Abteilung OMV Group Security regelmäßige Audits durch. Diese finden jährlich für Unternehmen in Hochrisikoländern statt; im Jahr 2025 waren dies Tunesien und Libyen. Zwei weitere umfassende Audits werden jährlich durchgeführt, wobei die Auswahl der Geschäftsbereiche auf Basis betrieblicher Erfordernisse erfolgt. Im Jahr 2025 fiel die Wahl auf OMV Österreich und eine vertiefte Überprüfung von OMV Tunesien, einschließlich der Erprobung eines überarbeiteten Auditprozesses.

Die Leistungsbeschreibung (Terms of Reference) wird vor Beginn des Audits mit dem jeweiligen Geschäftsbereich vereinbart. Anschließend erfolgt eine umfassende Überprüfung, die Standortbesuche, Interviews, Dokumentenanalysen und Beobachtungen umfasst. Im Anschluss wird ein Auditbericht erstellt, abgestimmt und veröffentlicht. Der Bericht enthält SMART-Maßnahmen, wobei der gesamte Prozess über das OMV HSSE-Reporting-Tool nachverfolgt wird.

Die Abteilung OMV Group Security unterstützte auch 2025 die operativen Aktivitäten von OMV weltweit, insbesondere durch die Bereitstellung zusätzlicher Kapazitäten bei sicherheitsrelevanten Herausforderungen. In Hochrisikoländern setzte OMV zudem spezialisierte Country-Security-Manager:innen und Asset-Protection-Expert:innen vor Ort ein, um die Sicherheit durch zusätzliche und – wo sinnvoll – lokale Expertise zu stärken.

Sicherheit und Menschenrechte

Wir bekennen uns zur Achtung der Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts. Dies erreichen wir, indem wir im Einklang mit allen relevanten Gesetzen sowie internationalen Standards und Initiativen handeln, einschließlich der Freiwilligen Grundsätze zur Wahrung der Sicherheit und der Menschenrechte (Voluntary Principles on Security and Human Rights; VPs) und des Internationalen Verhaltenskodex für private Sicherheitsdienstleister:innen (International Code of Conduct for Private Security Service Providers; ICoC). Dies gilt insbesondere, aber nicht ausschließlich, für unsere Interaktionen mit öffentlichen und privaten Sicherheitsdiensten. Diese Grundsätze sind Teil unseres unternehmerischen Selbstverständnisses, jedoch noch nicht vollständig an die Europäischen Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung (European Sustainability Reporting Standards; ESRS) angepasst. Mehr über unseren Ansatz zum Schutz der Menschenrechte finden Sie in der Nachhaltigkeitserklärung ( S1 Menschenrechte).

Im Jahr 2025 wurde OMV nach der Bewerbung im Jahr 2023 offiziell als engagiertes Mitglied in die Initiative VPs aufgenommen. Darüber hinaus wurde OMV als Beobachtermitglied bei ICoCA akzeptiert, was unser strategisches Ziel untermauert, bis 2030 eine branchenführende Rolle in diesem Bereich einzunehmen.

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