E5-1 Konzepte im Zusammenhang mit Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft

OMV hat die folgenden Konzepte eingeführt, um unsere wesentlichen Auswirkungen und die Chance im Zusammenhang mit E5 Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft zu steuern.

Code of Conduct

[E5-1.14] [MDR-P-65a-65f] In Bezug auf den Code of Conduct (CoC) werden, sofern nicht anders angegeben, die wichtigsten Inhalte des Konzepts mit Relevanz für E5 Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft, der Überwachungsprozess, der Anwendungsbereich des Konzepts, die Einbeziehung der obersten Führungsebene, die Bezugnahme auf Standards Dritter (sofern zutreffend), die Interessen der wichtigsten Interessenträger:innen bei der Festlegung des Konzepts (sofern zutreffend) und die Art und Weise, wie das Konzept potenziell betroffenen Interessenträger:innen zugänglich gemacht wird, im Abschnitt ESRS 2 Übergeordnete Konzepte behandelt.

Umweltmanagementstandard

[E5-1.14] [MDR-P-65a-65f] In Bezug auf den Umweltmanagementstandard (UMS) werden, sofern nicht anders angegeben, die wichtigsten Inhalte des Konzepts mit Relevanz für E5 Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft, der Überwachungsprozess, der Anwendungsbereich des Konzepts, die Einbeziehung der obersten Führungsebene, die Bezugnahme auf Standards Dritter (sofern zutreffend), die Interessen der wichtigsten Interessenträger:innen bei der Festlegung des Konzepts (sofern zutreffend) und die Art und Weise, wie das Konzept potenziell betroffenen Interessenträger:innen zugänglich gemacht wird, im Abschnitt ESRS 2 Übergeordnete Konzepte behandelt.

Im Rahmen des Umweltmanagementstandards von OMV wurden konkrete Prozesse und Mechanismen definiert, um die identifizierte potenzielle negative Auswirkung zu verhindern, zu mindern und zu beheben. [E5-1.AR 9a, AR 9b] So regelt beispielsweise ein Abfallmanagementplan, wie er im Umweltmanagementstandard definiert ist, das Management und Monitoring von Abfallunternehmen und entsprechenden Einrichtungen. Die dabei zur Anwendung gelangende Abfallkontrollhierarchie priorisiert die Abfallvermeidung, gefolgt von der Aufbereitung zur Wiederverwendung, dem Recycling, sonstigen Verwertungsmethoden, wie etwa der energetischen Verwertung, und der kontrollierten Entsorgung. Der Standard legt auch fest, dass die Abfallhierarchie bei der Abfallkontrolle angewendet werden muss, wobei die Abfallvermeidung als wichtigste Maßnahme Vorrang vor Verwertungs- oder Behandlungsoptionen hat. Unter anderem dürfen Abfälle nur an Abfallunternehmen übergeben werden, die für die Art der Abfälle, die sie erhalten, zertifiziert sind. Menge, Art, Gefährlichkeit und Entsorgungsart der Abfälle werden vom Abfallunternehmen ermittelt, erfasst und an OMV gemeldet. Dieser Plan sollte auf gegebenenfalls vorhandene länderspezifische Abfallmanagementstrategien abgestimmt sein. In Abwesenheit lokaler oder nationaler Vorgaben muss der Plan die Einhaltung der geltenden Rechtsvorschriften und Anforderungen sicherstellen. Er muss demnach allen einschlägigen Gesetzen und Vorschriften entsprechen. Außerdem muss er Maßnahmen zur Abfallvermeidung und -minimierung inkludieren sowie entsprechende Strategien zur Umsetzung enthalten. Der Schwerpunkt sollte dabei auf der Identifizierung, Erfassung und Rückverfolgung von Abfallströmen liegen. Zudem muss eine detaillierte Nachverfolgung bis zur endgültigen Verwertung oder Entsorgung gegeben sein. Der Plan muss auch die Sammlung, Trennung, Kennzeichnung, Lagerung und Behandlung von Abfällen abdecken, um eine ordnungsgemäße Handhabung und Abwicklung zu gewährleisten. Und schließlich muss er das Management und Monitoring von Abfallunternehmen und entsprechenden Einrichtungen umfassen, wobei sicherzustellen ist, dass diese anerkannt und zugelassen sind und regelmäßige Audits auf der Grundlage von Risikoprofilen durchgeführt werden.

Standard für unternehmensweites Risikomanagement

[MDR-P-65a-65f] In Bezug auf den Standard für unternehmensweites Risikomanagement werden, sofern nicht anders angegeben, die wichtigsten Inhalte des Konzepts mit Relevanz für E5 Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft, der Überwachungsprozess, der Anwendungsbereich des Konzepts, die Einbeziehung der obersten Führungsebene, die Bezugnahme auf Standards Dritter (sofern zutreffend), die Interessen der wichtigsten Interessenträger:innen bei der Festlegung des Konzepts (sofern zutreffend) und die Art und Weise, wie das Konzept potenziell betroffenen Interessenträger:innen zugänglich gemacht wird, im Abschnitt ESRS 2 Übergeordnete Konzepte behandelt.

THG-Management-Framework

[E5-1.14] [MDR-P-65a-65f] In Bezug auf das THG-Management-Framework werden, sofern nicht anders angegeben, die wichtigsten Inhalte des Konzepts mit Relevanz für E5 Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft, insbesondere im Zusammenhang mit Maßnahmen zur Reduktion von Scope-3-Emissionen, der Überwachungsprozess, der Anwendungsbereich des Konzepts, die Einbeziehung der obersten Führungsebene, die Bezugnahme auf Standards Dritter (sofern zutreffend), die Interessen der wichtigsten Interessenträger:innen bei der Festlegung des Konzepts (sofern zutreffend) und die Art und Weise, wie das Konzept potenziell betroffenen Interessenträger:innen zugänglich gemacht wird, im Abschnitt E1-2 Konzepte im Zusammenhang mit dem Klimaschutz behandelt.

Anforderungen an das Nachhaltigkeits­management von erneuerbaren Ressourcen

[E5-1.14] [MDR-P-65a, 65b] Die Anforderungen an das Nachhaltigkeitsmanagement von erneuerbaren Ressourcen von OMV beziehen sich auf ein internes Verfahren, das allgemeine Regeln und Verantwortlichkeiten hinsichtlich der Anforderungen an ein nachhaltiges Management von erneuerbaren Ressourcen definiert, wie zum Beispiel den Prozess der Überprüfung von Zertifizierungen von Lieferant:innen. Dieses Konzept zielt darauf ab, die potenziellen negativen wesentlichen Auswirkungen in den Griff zu bekommen, die mit den Umweltauswirkungen aufgrund des Wettbewerbs um nachhaltige Einsatzstoffe (z. B. Landnutzungsänderungen und Natur- und Waldzerstörung) sowie sozialen Auswirkungen wie Menschenrechtsverletzungen verbunden sind. Dies wird erreicht, indem die Korrektheit und Rückverfolgbarkeit der Nachhaltigkeitszertifizierungen der Lieferant:innen von erneuerbaren biobasierten Einsatzstoffen sichergestellt wird. Die Anforderungen gelten für alle biobasierten erneuerbaren Komponenten, Zwischenprodukte und erneuerbaren Kraftstoffe nicht biogenen Ursprungs (Renewable Fuels of Non-Biological Origin; RFNBOs), die als Biokraftstoffe oder Zwischenprodukte verwendet werden, sowie für alle Biokraftstoffe für den Verkehrssektor. OMV stellt die Überwachung und Umsetzung dieses Konzepts durch regelmäßige externe Audits im Rahmen der Zertifizierungen nach ISCC PLUS und ISCC EU sicher. Im Jahr 2025 schloss OMV auch eine freiwillige unabhängige Überprüfung der Nachhaltigkeitsmanagementprozesse ab. Darunter fielen die nationale Berichterstattung, die regelmäßigen Abgleiche und das Management von Zertifikaten für erneuerbare Einsatzstoffe. [MDR-P-65c] Die Umsetzung der Anforderungen an das Nachhaltigkeitsmanagement von erneuerbaren Ressourcen von OMV liegt in der Verantwortung des:der SVP Value Chain Optimization. [MDR-P-65d] Mit diesem Konzept stellt OMV sicher, dass die vorgelagerten Lieferant:innen von biobasierten Zuflüssen über gültige Nachhaltigkeitszertifikate für ihre gelieferten Mengen verfügen (z. B. ISCC EU, ISCC PLUS), damit OMV den nachgelagerten Kund:innen angemessene Informationen bereitstellen kann. [MDR-P-65e] An der Entwicklung des Rahmenwerks waren Fachexpert:innen und relevante Abteilungen entweder direkt beteiligt oder wurden im Rahmen eines internen Konsultationsprozesses um Feedback zum ersten Entwurf gebeten. [MDR-P-65f] Das Rahmenwerk wird intern für alle Arbeitnehmer:innen über entsprechende Plattformen verfügbar gemacht.

Auswirkungen der Konzepte auf Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft

[E5-1.15a] OMV ist der Überzeugung, dass der Umstieg auf eine Kreislaufwirtschaft den ökologischen Fußabdruck und die THG-Emissionen des Unternehmens reduzieren wird. Eine Kreislaufwirtschaft entkoppelt das Wirtschaftswachstum von der Ressourcenerschöpfung. Sie sorgt dafür, dass Materialien, Rohstoffe und Produkte so lange wie möglich im Umlauf bleiben und zu ihrem höchstmöglichen Wert genutzt werden, wodurch ihr Austritt in die Umwelt, insbesondere in die Ozeane, sowie ihre Entsorgung auf Deponien minimiert wird. Der Übergang von einem linearen Modell des „Nehmens, Herstellens und Wegwerfens“ („Take-Make-Waste“) zu einem kreislauforientierten Modell, bei dem die Prinzipien „Reduzieren, Wiederverwenden und Recyceln“ („Reduce-Reuse-Recycle“) im Mittelpunkt stehen, wird auch zu einer Eindämmung der globalen Erwärmung beitragen. Durch die effiziente Nutzung wertvoller Ressourcen können wir Nebenprodukte oder Abfälle verwerten, wiederverwenden und zu neuen Materialien und Produkten machen. Dieser Ansatz hat das Potenzial, die THG-Emissionen entlang der Produktwertschöpfungsketten deutlich zu verringern. Neben der verstärkten Nutzung von Sekundärrohstoffen, wie zum Beispiel dem Recycling von Kunststoffabfällen zur Herstellung neuer Materialien und Produkte, betrachtet OMV auch Chemikalien, Polymere und Kraftstoffe aus erneuerbaren Rohstoffen als wichtige Bestandteile der Kreislaufwirtschaft. Die Verwendung erneuerbarer Rohstoffe senkt den Bedarf an fossilen Primärrohstoffen und verbessert die CO2-Bilanz erheblich.

Für Monomere und Polymere aus erneuerbaren Quellen konzentriert sich OMV auf die Verwendung von Abfallbiomasse wie etwa von Rückständen aus der Forstwirtschaft, die nicht in Konkurrenz zur Nahrungs- und Futtermittelkette stehen und deshalb keine zusätzlichen natürlichen Ressourcen wie Land und Wasser in Anspruch nehmen. Wenn sie dann recycelt werden, können diese erneuerbaren biobasierten Kunststoffe der zweiten Generation in einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft eine wichtige Rolle spielen und die Treibhausgasemissionen sowohl in der Input- als auch in der End-of-Life-Phase reduzieren. Darüber hinaus plant OMV, eine führende Position bei der Herstellung von erneuerbaren Kraftstoffen einzunehmen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf erneuerbarem Diesel und nachhaltigem Flugkraftstoff (Sustainable Aviation Fuel; SAF). OMV setzt sich außerdem dafür ein, vermehrt abfallbasierte und fortschrittliche Einsatzstoffe in der Produktion zu verwenden, um die Abhängigkeit von Biokraftstoffen der ersten Generation zugunsten neuartiger Materialien zu verringern.

Prozesse und Mechanismen

Zertifizierung

[E5-1.15] Die Nutzung renommierter Zertifizierungssysteme liefert konkrete Nachweise für Herkunftsangaben von erneuerbaren und sekundären Rohstoffen und stärkt das Vertrauen der Verbraucher:innen in die Produkte von OMV. OMV betrachtet Materialien nur dann als nachhaltig, wenn sie durch ein anerkanntes Nachhaltigkeitszertifizierungssystem zertifiziert sind, wie dies in den internen Anforderungen an das Nachhaltigkeitsmanagement von erneuerbaren Ressourcen von OMV festgehalten ist. Die folgenden Zertifizierungssysteme werden verwendet:

  • Die Borealis Unternehmen für mechanisches Recycling mtm plastics, Ecoplast, Rialti und Integra sind nach dem europaweiten RecyClass-Programm zertifiziert. Es bietet Unternehmen, die Kunststoffabfälle aus dem Endverbraucherbereich recyceln, ein System zur zuverlässigen Rückverfolgbarkeit des Ursprungs der Kunststoffabfälle.

  • OMV nutzt die Zertifizierungen nach ISCC PLUS sowohl für erneuerbare als auch für recycelte Zuflüsse. ISCC PLUS ist eine Nachhaltigkeitszertifizierung, die von den Interessenträger:innen im Bereich recycelter und erneuerbarer Materialien anerkannt wird. Sie ermöglicht die Rückverfolgbarkeit entlang der Lieferkette durch Erstellung einer Chain of Custody (Nachweiskette) und bestätigt, dass Unternehmen Umwelt- und Sozialstandards einhalten. Konformität mit der Zertifizierung bedeutet, dass für jede Tonne nachhaltigen Rohstoffs, die einer Anlage anstelle fossiler Rohstoffe zugeführt wird, ein bestimmter Anteil des produzierten Materials nach der Massenbilanz als nachhaltig klassifiziert werden kann. Die Anwendung des Massenbilanzansatzes bedeutet, dass die primären fossilen und erneuerbaren oder recycelten Materialien in den Produktionsprozessen über die gesamte Lieferkette hinweg physisch gemischt, aber buchhalterisch getrennt geführt werden. Dies schafft eine überprüfbare Grundlage für die Rückverfolgung der Menge und der Nachhaltigkeitseigenschaften von recycelten und/oder erneuerbaren Bestandteilen in der Wertschöpfungskette. Dieses Zertifizierungssystem gewährleistet die Rückverfolgbarkeit des erneuerbaren oder recycelten, nachhaltig produzierten Einsatzstoffs von seinem Ursprungsort über die gesamte Chain of Custody hinweg.

Dank der Anwendung des Massenbilanzansatzes kann OMV die Menge seiner erneuerbaren und chemisch recycelten Rohstoffe in der Wertschöpfungskette nachvollziehen. Für den Übergang zu einer stärker kreislauforientierten Wirtschaft ist es von entscheidender Bedeutung, mehr Produkte anzubieten, die gemäß ISCC PLUS zertifiziert sind. Im OMV Geschäftsbereich Chemicals sind zwei ReOil®-Anlagen (ReOil® 100 und 2000) sowie die Integration nachhaltiger Produkte im Cracker in Schwechat nach ISCC PLUS zertifiziert. In Burghausen ist die OMV Deutschland Marketing & Trading GmbH für die Integration von biobasierten, biokreislauffähigen und kreislauffähigen Einsatzstoffen in verschiedenen Raffinerieanlagen zertifiziert. Somit können eine breite Palette an nachhaltigen Produkten im Rahmen der ISCC-PLUS-Zertifizierung hergestellt und nachhaltige Chemikalien, Kraftstoffe und kalzinierter Koks an den Markt geliefert werden. Das Bornewables™-Portfolio, Borcycle™ C und Borvida™ von Borealis sind ebenfalls nach ISCC PLUS gemäß dem Massenbilanzansatz zertifiziert. Die Borealis Compounds Inc. in den USA erhielt in diesem Jahr ebenfalls die Zertifizierung nach ISCC PLUS.

Alle von OMV im Jahr 2025 gekauften und zum Beimischen verwendeten Biokraftstoffe erfüllten die Anforderungen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (EU) 2018/2001 (RED II). Gleichzeitig bereitete OMV die Umsetzung der EU-Richtlinie 2023/2413 (RED III) in die jeweilige nationale Gesetzgebung vor, die in den einzelnen Mitgliedstaaten zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfolgt. Die Zertifizierung nach ISCC EU ermöglicht die Überprüfung der Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen an Einsparungskriterien hinsichtlich Nachhaltigkeit und Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) für nachhaltige Kraftstoffe sowie die Erzeugung von Strom, Wärme und Kälte aus Biomasse, wie in der aktualisierten Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III) für alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union festgelegt.

In den Bereichen Fuels und Chemicals war OMV bis Ende 2025 nach insgesamt 17 ISCC-Geltungsbereichen zertifiziert. OMV Tochtergesellschaften in Österreich, Italien, Großbritannien, Deutschland, der Tschechischen Republik, Rumänien, Ungarn, der Slowakei und Bulgarien verfügen über ISCC-EU-Zertifizierungen als Händler (Trader) oder Händler mit Lagerung (Trader with Storage). Damit sind wir in der Lage, mit nachhaltigen Produkten zu handeln und diese auf den Markt zu bringen. Darüber hinaus sind in der Raffinerie Schwechat in Österreich zwei Co-Processing-Anlagen und die Glycerin-zu-Propanol-Anlage nach ISCC EU zertifiziert. Dies ermöglicht es uns, nachhaltige (von der ersten Generation bis hin zu fortschrittlichen) Bioeinsatzstoffe zu verwenden, um verschiedene nachhaltige Ersatzstoffe für Benzin, Diesel und Flugkraftstoff zu produzieren. Auch die OMV Supply & Trading Limited (UK) ist nach ISCC PLUS und ISCC CORSIA zertifiziert und kann damit international mit nachhaltigen Chemikalien und nachhaltigen Flugkraftstoffen handeln. Im Geschäftsbereich Energy ist die OMV Gas Marketing & Trading GmbH ebenfalls ISCC-EU-zertifiziert, um mit nachhaltigen Stoffen (darunter Biomethan, Bio-LNG) zu handeln und diese auf den Markt zu bringen.

OMV hat intern eine digitale Plattform zur Nachverfolgung erneuerbarer Rohstoffe implementiert, in der die Bilanzen von erneuerbaren Rohstoffen und die Übermittlung von Nachhaltigkeitsnachweisen (Proofs of Sustainability; PoS) und Nachhaltigkeitserklärungen (Sustainability Declarations; SDs) zwischen Lieferant:innen und Kund:innen verwaltet werden. Diese Plattform wird schrittweise auf Produkte und Standorte ausgeweitet. Damit werden die Einhaltung der Vorschriften, die Transparenz und die Dokumentation der Lieferkette für erneuerbare Kraftstoffe und Einsatzstoffe gewährleistet.

Technologie

Erneuerbare Rohstoffe für Kraftstoffe

[E5-1.15a] Mehr über die technologischen Fortschritte von OMV im Bereich CO2-armer und CO2-freier Produkte unter Verwendung erneuerbarer Rohstoffe finden Sie im Abschnitt Steigerung des Anteils CO2-freier Produkte.

Komplementarität von Recyclingtechnologien

[E5-1.15a] OMV hat sich verpflichtet, das Spektrum der Anwendungen zu erweitern, für die recycelte Kunststoffabfälle als Rohstoffe eingesetzt werden können. Derzeit ist das mechanische Recycling die vorherrschende Methode für das Recycling von Kunststoffabfällen aus dem Endverbraucherbereich, bei der sie geschreddert und wieder aufgeschmolzen werden. Da das chemische Recycling auf schwer zu recycelnde Kunststoffe abzielt, ergänzen sich die beiden Technologien.

Mechanisches Recycling

[E5-1.15a] Die Bestrebungen von OMV im Bereich des mechanischen Recyclings werden von seiner Tochtergesellschaft Borealis verfolgt. In diesem Sinne setzt Borealis seine Zusammenarbeit mit Partner:innen fort, um innovative Technologien für das fortschrittliche mechanische Recycling zu entwickeln – mit dem Ziel, Produkte in einer mit Neuware vergleichbaren Qualität und mit der bestmöglichen CO2-Bilanz zu liefern. Gleichzeitig sollen die Qualität der Rezyklate für den Einsatz in anspruchsvolleren Anwendungen wie kontaktempfindlichen Verpackungen verbessert und der Rezyklatanteil in Produkten erhöht werden. Im Laufe des Jahres 2025 gab Borealis bekannt, dass die Entscheidung über den Bau eines neuen Werks für mechanisches Recycling in Österreich aufgrund ungünstiger wirtschaftlicher Bedingungen aufgeschoben wird. Die Maßnahmen des Konzerns in Nord-, Mittel- und Südamerika befinden sich noch in der Sondierungsphase. Borealis konzentrierte sich im Jahr 2025 auf die vollständige Integration des auf mechanisches Recycling spezialisierten Unternehmens Integra Plastics in Bulgarien. Borealis setzte darüber hinaus seine Investitionen in Compoundingprozesse fort, um das Portfolio an Anwendungen zu erweitern, in denen recycelte Kunststoffe als rentable Ausgangsstoffe verwendet werden können. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Verbesserung der Verfügbarkeit, Sortierung und Vorbehandlung der Abfälle.

Chemisches Recycling

Durch chemisches Recycling, zum Beispiel Pyrolyse, können Restabfallströme aus dem mechanischen Recycling sowie gemischte Kunststoffabfallströme verwertet werden, die sonst verbrannt oder deponiert würden. Bei diesem Prozess wird die chemische Zusammensetzung des Kunststoffs verändert. Das resultierende Pyrolyseöl wird anschließend weiterverarbeitet und veredelt, um eine Basischemikalie zu erzeugen, die fossile Kohlenwasserstoffe als chemischen Einsatzstoff für die Herstellung neuer Kunststoffe ersetzt. Da diese Kunststoffe praktisch mit Neukunststoffen vergleichbar sind, können sie im Vergleich zu mechanisch recyceltem Kunststoff auch für ein breiteres Anwendungsspektrum eingesetzt werden. Im Jahr 2025 nahm OMV am Standort Schwechat seine ReOil® 2000-Anlage in Betrieb, die auf die Verarbeitung von bis zu 16.000 t schwer recycelbaren Kunststoffabfällen pro Jahr ausgelegt ist. Darüber hinaus liegt auch das Joint Venture zwischen OMV und Interzero zum Bau und Betrieb der größten Sortieranlage für chemisches Recycling in Europa weiterhin im Zeitplan. Die Anlage soll im Jahr 2026 eröffnet werden. Der Geschäftsbereich Chemicals von OMV hat seine strategische Investition in die ReOil®-Technologie weiter ausgelotet. Aufgrund der Marktunsicherheit wurde die Expansion im kommerziellen Maßstab jedoch verschoben.

ReOil®

[E5-1.15a] Im Vergleich zu Glas oder Metall ist Kunststoff ein exzellenter Wärmeisolator mit niedrigen Wärmeübertragungseigenschaften. Diese Eigenschaften, die Kunststoff im Alltag so begehrt machen, sind jedoch auch der Grund, weshalb Kunststoff nur schwer aufzuspalten ist. Die firmeneigene ReOil®-Technologie von OMV basiert auf der Pyrolyse, einer bewährten Raffinerietechnik, bei der Thermokunststoffe zuerst aufgeschmolzen und anschließend bei einer Temperatur von 400–450°C gecrackt werden. Dies bedeutet, dass langkettige Kohlenwasserstoffe in leichte kürzerkettige Kohlenwasserstoffe gespalten werden. Im Vergleich zu Metall und Glas kann Kunststoff im Allgemeinen leichter geschmolzen werden. Eine der inhärenten Herausforderungen der Pyrolyse besteht darin, dass Kunststoffe nach dem Schmelzprozess in hohem Maße viskos werden, was die für die erfolgreiche Pyrolyse benötigte Wärmeübertragung beeinträchtigt. Die ReOil®-Technologie ist im Vergleich zu den Verfahren von Mitbewerber:innen einzigartig. Dies liegt daran, dass bei ihr eine innovative Wärmeübertragungstechnik zum Einsatz kommt, die es ermöglicht, die Viskosität des geschmolzenen Kunststoffs zu verringern. Damit lässt sich das ReOil®-Verfahren zu einem Verfahren im industriellen Maßstab skalieren. Durch die Integration in die OMV Raffinerie in Schwechat erzielt ReOil® zudem eine höhere Effizienz als andere nicht integrierte chemische Recyclingverfahren.

Auswahl der Einsatzstoffe

Kunststoffabfall als Ressource

[E5-1.15b] Die ReOil®-Anlage kann verschiedene Arten von Kunststoffabfällen verarbeiten. Die Palette reicht dabei von Haushaltsabfällen bis hin zu Abfällen aus gewerblichen und industriellen Quellen. Die wichtigsten Einsatzstoffe sind Polyethylen (z. B. Folien), Polypropylen (z. B. Lebensmittelverpackungen und Autoteile) und bis zu einem bestimmten Grad auch Polystyrol (z. B. Verpackungen und Isolationsmaterialien). Derzeit werden die eingesetzten Abfälle noch fast ausschließlich aus österreichischen Wertstoffsortieranlagen bezogen. Angesichts der Absicht, eine vollkommen neuartige ReOil®-Anlage im industriellen Maßstab zu entwickeln, und des daraus resultierenden Bedarfs an mehr Einsatzstoffen wird der geografische Aktionsradius für die Beschaffung erweitert. In diesem Zuge werden die Nachbarländer Österreichs erkundet. Die Skalierbarkeit der ReOil®-Technologie und ihre Integration in die Raffinerie ermöglichen es, exponentielle Skaleneffekte zu erzielen und die Ressourcen- und Energiebilanz zu optimieren. Als Einsatzstoffe für seine ReOil®-Technologie für chemisches Recycling verwendet OMV ausschließlich Kunststoffabfälle, die nicht mechanisch recycelt werden können, und stellt damit sicher, dass verfügbare Kunststoffabfälle mit der jeweils nachhaltigsten verfügbaren Recyclingtechnologie verarbeitet werden.

OMV und Borealis haben mit TOMRA Feedstock, einer Tochtergesellschaft des führenden Sortiertechnikherstellers TOMRA, langfristige Lieferverträge für Einsatzstoffe für ihre Recyclinganlagen abgeschlossen. Diese Verträge sichern eine kontinuierliche Versorgung der Recyclingaktivitäten von OMV mit nachhaltigen und qualitativ hochwertigen Einsatzstoffen. OMV wird die von TOMRA Feedstock gelieferten Einsatzstoffe in seinen ReOil®-Anlagen in Österreich verarbeiten, während Borealis die von TOMRA produzierten Einsatzstoffe in seinen Anlagen für mechanisches Recycling in Europa verarbeiten wird. Die Einsatzstoffe werden aus gemischten Post-Consumer-Kunststoffabfällen hergestellt, die andernfalls auf Deponien oder in Verbrennungsanlagen entsorgt würden. Dies wird in einer einzigartigen Sortieranlage geschehen, die derzeit von TOMRA in Deutschland entwickelt wird. Dadurch wird OMV in der Lage sein, fossile Primärrohstoffe durch eine kontinuierliche Versorgung mit hochwertigen Einsatzstoffen aus Kunststoffabfällen zu ersetzen.

Biobasierte Ressourcen

In Zusammenarbeit mit Partner:innen verfolgt OMV die Entwicklung von Projekten in industriellem Maßstab zur Herstellung von biobasierten Kraftstoffen, Chemikalien und Kunststoffen aus erneuerbaren Einsatzstoffen und Abfallströmen. Abfallbiomasse, wie Rückstände aus der Land- und Forstwirtschaft sowie aus der holzverarbeitenden Industrie oder gemischte Siedlungsabfälle, steht nicht in Konkurrenz zur Nahrungs- und Futtermittelkette. Die Umwandlung dieser Abfallbiomasse in hochwertige Produkte ist zwar technisch anspruchsvoll, trägt jedoch im Vergleich zu fossilen Brennstoffen zu einer Reduktion der CO2-Emissionen bei und schafft einen Mehrwert aus lokal verfügbaren Abfall- und Nebenproduktströmen anderer Wirtschaftstätigkeiten. OMV konzentriert sich auf die Verwendung sekundärer Einsatzstoffe wie Altspeiseöl für die Chemikalienproduktion. OMV verwendet auch primäre Einsatzstoffe wie Pflanzenöl, hauptsächlich für die Kraftstoffproduktion und auf Wunsch für die Belieferung nachgelagerter Kund:innen.

Die bei der OMV Tochter Borealis zur Herstellung nachhaltiger Polyolefine verwendeten biobasierten Einsatzstoffe stammen zur Gänze aus Abfallbiomasse wie Rückständen aus der Landwirtschaft oder gesammelten Abfallströmen. Diese Polyolefine werden unter dem Portfolionamen Bornewables™ vermarktet. Bei OMV wird die nachhaltige Beschaffung für alle erneuerbaren Einsatzstoffe durch ISCC-PLUS- oder ISCC-EU-Zertifizierungen sichergestellt. Ein wichtiger Meilenstein für Borealis ist die kurz vor der Fertigstellung stehende Propan-Dehydrierungsanlage im Weltmaßstab von Borealis im belgischen Kallo. Diese Anlage soll die Integration von nachhaltigen Einsatzstoffen in die Produktion von Basischemikalien erhöhen.

OMV bezieht Biokraftstoffe hauptsächlich von europäischen Hersteller:innen und schließt Palmöl, Palmkernöl und abgeleitete Stoffe als Einsatzstoffe aus. Gemäß den ISCC-Richtlinien darf seit Jänner 2008 für Rohstoffe, die zur Herstellung von Biodiesel verwendet werden, keine Abholzung mehr stattfinden. Neben der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften legt OMV großen Wert auf die verstärkte Verwendung von abfallbasierten und fortschrittlichen Einsatzstoffen in der Produktion. Wichtig dabei sind die Auswahl von Partner:innen und betriebliche Entscheidungen, die aktiv dazu beitragen, die Abhängigkeit von Biokraftstoffen der ersten Generation zugunsten von neuartigen und fortschrittlichen Materialien zu verringern. Im Jahr 2025 führte OMV beispielsweise Cashewnussschalenöl in der Co-Processing-Anlage als regulären Einsatzstoffstrom ein, wodurch sich die CO2-Intensität der entsprechenden Endprodukte reduziert. Darüber hinaus basierten im Jahr 2025 keine Biokraftstoffe, die von OMV auf den Markt gebracht wurden, auf Palmöl. Die Rohstoffe mit den höchsten Einsatzmengen waren Rapsöl (27,3%), Altspeiseöl (21,9%) und Mais (13,3%). Insgesamt 56,0% der erneuerbaren biobasierten Einsatzstoffe von OMV stammten aus konventionellen Quellen, die als konkurrierend mit der Lebens- und Futtermittelproduktion gelten. 22,2% der Rohstoffe stammten aus Abfällen, 12,9% aus tierischen Fetten und 9,2% aus fortschrittlichen Ressourcen wie Weizenstroh, Bagasse (ein Rückstand aus der Zuckerrohrmahlung), Braunlauge (ein Nebenprodukt aus der Papierproduktion), POME (Abwasser aus Palmölmühlen) oder Cashewnussschalenöl.

Anwendung von bewährten Verfahren

[E5-1.14] Für das Management und die Behandlung von Abfällen einschließlich Bohrabfällen finden internationale bewährte Verfahren der Branche Anwendung. Sind die bestehenden lokalen, regionalen und nationalen Abfallentsorgungseinrichtungen unzureichend, unterstützt OMV Dritte bei der Entwicklung entsprechender Kapazitäten. Dadurch kann OMV unsachgemäßes Abfallmanagement, das negative Auswirkungen auf die Umwelt und umliegende Gemeinden haben könnte, besser kontrollieren.

Recycling von Betriebsabfällen

[E5-1.15a] Abfälle werden, wo immer möglich, zurückgewonnen und recycelt. Dies gilt auch für die Schließung von Standorten oder die Stilllegung von Anlagen. Diese Richtlinien ermöglichen es OMV, die Nutzung unserer eigenen Betriebsabfälle zu erhöhen und die damit verbundenen Auswirkungen zu steuern. Wenn ein Recycling nicht möglich ist, wird der Abfall ausschließlich in dafür zugelassenen Einrichtungen oder über seriöse und entsprechend zugelassene Vertragsunternehmen verarbeitet und/oder entsorgt. Beauftragte Abfallunternehmen werden regelmäßig überprüft, wobei die Häufigkeit der Prüfungen von den Standorten auf lokaler Ebene auf Grundlage einer Risikoanalyse festgelegt wird. Dies stellt sicher, dass die Freisetzung von Abfällen reduziert und durch Prozessoptimierung Abfallrückstände minimiert werden.

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