Angesichts der sich weiter verändernden Energielandschaft hat OMV die strategischen Prioritäten für das Segment Energy bis 2030 neu geordnet. Das Unternehmen hält weiter an dem Ziel fest, sein Gasportfolio auszubauen. Das Tempo der Investitionen in erneuerbare Energien wurde angepasst, die allgemeine strategische Ausrichtung hingegen unverändert belassen.
Strategische Prioritäten im Segment Energy bis 2030:
- Entwicklung des Gasbereichs als strategischer Wachstumsmotor:
- Umsetzung von Neptun Deep und anderen organischen Projekten
- Verstärkte Investitionen im Bereich Exploration und Produktion
- Cashflow-steigerndes anorganisches Wachstum
- Selektive Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien
Mit den verstärkten Investitionen in Exploration und Produktion strebt OMV eine führende Position in der Förderung von Gas für seine europäischen Kernmärkte an. Diese Bestrebung beruht auf der Überzeugung, dass Gas für die Energiewende in Europa eine zentrale Rolle spielen wird, da es angesichts der Abkehr von Kohle und Öl sowohl Versorgungssicherheit als auch eine CO2-ärmere Alternative bietet.
Das Explorations- und Produktionsportfolio von OMV konzentriert sich auf drei Kernregionen: Nord, CEE (Mittel- und Osteuropa) und Süd. In der Region Nord, sprich in Norwegen, liegt der Schwerpunkt auf der Aufwertung des Portfolios durch Steigerung der Eigengasproduktion, deren Langlebigkeit und Signifikanz gesichert werden soll. Ein wichtiger Bestandteil der Strategie zur Steigerung der Gasmengen ist das Projekt Berling – die erste Feldentwicklung unter Betriebsführerschaft von OMV auf dem norwegischen Festlandsockel. Mit geschätzten förderbaren Ressourcen von 45 Mio boe stärkt Berling die Rolle von OMV als zuverlässiger Energiepartner für Europa und unterstützt den Übergang zu einer sicheren und nachhaltigen Energiezukunft. In der Region CEE ist OMV in Österreich, Rumänien und Bulgarien tätig. Das Projekt Neptun Deep unter der Betriebsführerschaft von OMV Petrom ist das größte Offshore-Gasprojekt in der EU und wird dem Unternehmen eine bedeutende Rolle im Schwarzen Meer verschaffen. Neptun Deep wird während einer acht- bis zehnjährigen Plateauphase eine Bruttoproduktion von 140 kboe/d (50% OMV Petrom) liefern. Mit der Gasförderung soll 2027 begonnen werden. Das Unternehmen geht davon aus, dass Neptun Deep bis 2030 ungefähr EUR 0,5 Mrd zum Operativen Ergebnis vor Sondereffekten von OMV Petrom beitragen wird. Neptun Deep wird die Gasproduktion Rumäniens verdoppeln und Exporte nach Europa ermöglichen. Ergänzend dazu wird die Präsenz in der Schwarzmeerregion durch die umfangreiche Erfahrung von OMV Petrom und die Erschließung des Explorationspotenzials im Offshore-Block Han Asparuh vor der Küste Bulgariens weiter gestärkt. In der Region Süd ist OMV in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Libyen, Tunesien und der Region Kurdistan-Irak tätig. Die Hauptziele dort sind die Steigerung der Gasproduktion und die Erschließung zusätzlicher Reserven in Nordafrika.
Mit dem unveränderten Fokus auf Kostenoptimierung und Effizienzsteigerung ist OMV weiterhin bestrebt, eine wachsende Zahl organischer Projekte umzusetzen und anorganische Wertsteigerungsmöglichkeiten zu verfolgen. Ziel dabei ist es, die Stärken von OMV zu nutzen und zusätzliche Synergien zu schaffen. Das Unternehmen peilt bis 2030 eine organische Öl- und Gasproduktion von 320 bis 330 kboe/d an und evaluiert überdies anorganische Möglichkeiten zur Ergänzung des Portfolios, um bis 2030 ein Gesamtproduktionsniveau von rund 400 kboe/d zu erreichen. Weiters sollen bis 2030 für das Öl- und Gasportfolio ein Cash-Breakeven von unter USD 30/boe und Produktionskosten von unter USD 9 USD/boe erreicht werden.
Im Geschäftsbereich Gas Marketing & Power verwaltet OMV ein integriertes Portfolio bestehend aus Erdgasbezug, -verkauf und -handel, Speicherung, LNG-Regasifizierungskapazitäten und Stromerzeugung. Mit einer Speicherkapazität von rund 30 TWh in Österreich und Deutschland sowie langfristigen LNG-Verträgen gewährleistet OMV Versorgungssicherheit und stabile Erträge. Die Gasbezugsquellen sind nunmehr umfassend diversifiziert, da OMV seit Dezember 2024 kein Gas mehr aus Russland bezieht. OMV hat sich Transportkapazitäten über Deutschland und Italien nach Österreich gesichert, um die Lieferung von Eigen- und Drittgasmengen aus Norwegen nach Österreich sowie von LNG-Mengen unter Nutzung der Kapazitäten des LNG-Regasifizierungsterminals Gate in Rotterdam zu ermöglichen. Mit der für 2027 erwarteten Aufnahme des Betriebs von Neptun Deep werden die Eigengasmengen von OMV deutlich steigen. Strategisches Ziel ist es, zusätzliches Wertpotenzial auszuschöpfen und Gas als wichtigen Baustein im Portfolio des Unternehmens zu etablieren. Dies soll durch den weiteren Ausbau der Präsenz im Gashandel und -verkauf in Europa und die Stärkung der Rentabilität über eine Multi-Commodity-Handelsplattform erreicht werden.
Im Bereich der Stromerzeugung profitiert der Konzern weiterhin von der Integration von Gas und Strom in Rumänien durch OMV Petrom. Ausschlaggebend für die Rentabilität sind dabei Strommargen und Spark Spreads sowie Ausgleichsleistungen und die Integration von Kapazitäten erneuerbaren Stroms. Der Konzern rechnet mit einer Jahresproduktion von über 6 TWh. Das Wachstum von OMV im Bereich der erneuerbaren Energien wird stark durch OMV Petrom vorangetrieben, die eine führende Position auf dem südosteuropäischen Strommarkt anstrebt. Dies soll durch erhebliche Investitionen und eine klare Wachstumsstrategie bei erneuerbaren Energien erreicht werden – mit dem Ziel, bis 2030 jährlich mehr als 2,4 TWh (netto für OMV Petrom) an erneuerbarem Strom zu erzeugen. Um die günstigen Wind- und Sonnenverhältnisse in Rumänien zu nutzen, hat sich OMV Petrom eine solide Projektpipeline gesichert. Mit einem der größten neuen Solar- und Windenergieportfolios in Rumänien sind bis Ende 2025 bereits mehr als 2,5 GW an Kapazität hinzugekommen, die laufenden Partnerschaften eingeschlossen. Dazu gehören die Partnerschaft mit Complexul Energetic Oltenia für eine Kapazitätssteigerung von etwa 550 MW und das Projekt Isalnița mit einer PV-Kapazität von rund 89 MW. Für dieses Projekt wurde der EPCC-Auftrag bereits vergeben und die Ausführungsphase eingeleitet. OMV Petrom expandierte auch in Bulgarien, wo das Projekt Gabare mit einer Nettostromerzeugung von rund 0,3 TWh pro Jahr im September 2025 abgeschlossen wurde. Die Gesamtinvestitionen von OMV Petrom werden sich im Zeitraum von 2026 bis 2030 auf rund EUR 0,7 Mrd belaufen, wobei ein IZF von mindestens 10% angestrebt wird. Das bestehende 860-MW-Gaskraftwerk fungiert als flexibler Backbone und trägt dazu bei, die typischen Schwankungen bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen zu verringern. Darüber hinaus werden Möglichkeiten zur Stromspeicherung geprüft, um die Flexibilität und Zuverlässigkeit der Stromversorgung weiter zu erhöhen.
Im Bereich Geothermie strebt OMV bis 2030 eine Nettoproduktionsleistung von rund 1 TWh mit einem IZF von mindestens 10% an. Dies bedeutet ein moderateres Entwicklungstempo, das der sich verändernden Marktdynamik und dem Stand der Technik zur Nutzung von Geothermie Rechnung trägt. Damit wird sichergestellt, dass die Investitionen auf technologische Reife und langfristige Wertschöpfung abgestimmt sind. OMV treibt die Entwicklung im Bereich Geothermie mittels zweier sich ergänzender Technologien voran. Die erste, das sogenannte Open-Loop-System, nutzt natürliche Grundwasserleiter, um das heiße Wasser für die Energieerzeugung aus der Tiefe zu fördern und wieder dorthin zurückzuleiten. OMV hat mit Wien Energie, die eines der europaweit größten Fernwärmenetze betreibt, im Jahr 2023 ein Joint Venture gegründet, um das Potenzial des Wiener Beckens mithilfe dieser auf offenen Kreisläufen basierenden Technologie zu erkunden und zu erschließen. Das Joint Venture namens „deeep“ hat die Bohrungen für eine 20-MW-Pilotanlage bereits abgeschlossen. Derzeit laufen Produktionstests, und die Inbetriebnahme ist für 2028 geplant. Für die zweite Phase, die auf 60 MW abzielt, wird 2026 mit den Bohrungen begonnen. Diese Anlage wird voraussichtlich 2030 in Betrieb genommen werden. Langfristig, d. h. über das Jahr 2030 hinaus, ist eine Skalierung auf 200 MW geplant. Dies würde ausreichen, um rund 200.000 Haushalte zu versorgen – etwa die Hälfte der Fernwärmekund:innen Wiens. Die zweite Technologie, das Closed-Loop-System, nutzt ausschließlich heiße Gesteinsformationen im Untergrund. Für dieses System, bei dem das Wasser in einem geschlossenen Kreislauf zirkuliert, sind keine natürlichen Reservoirs erforderlich. Das geschlossene Kreislaufsystem bietet ein erhebliches Potenzial für Skalierbarkeit, da es von den jeweiligen geologischen Verhältnissen weniger stark abhängig ist. Damit stellt es eine vielversprechende Lösung für eine umfassendere Nutzung in der Zukunft dar. Im Jahr 2023 wurde OMV Minderheitsanteilseigner an dem kanadischen Unternehmen Eavor, das sich im Bereich der Geothermie auf die innovative Closed-Loop-Technologie spezialisiert hat. Derzeit führen die beiden Unternehmen Tests durch, um die Wirtschaftlichkeit dieser Methode in Deutschland am Standort Geretsried zu prüfen, wo im Dezember 2025 erstmals Strom aus Tiefenwärme erzeugt wurde. Die organischen Investitionen für Geothermieprojekte im Zeitraum 2026 bis 2030 werden sich voraussichtlich auf rund EUR 700 Mio belaufen.