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Risikomanagement

Als internationaler Öl-, Gas- und Chemiekonzern, dessen Aktivitäten von der Förderung und Produktion von Kohlenwasserstoffen bis zum Handel und zur Vermarktung von Mineralölprodukten, chemischen Produkten und Erdgas reichen, ist die OMV einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt – unter anderem Marktpreisrisiken und anderen finanziellen Risiken sowie operativen und strategischen Risiken. Im Risikomanagementprozess des Konzerns liegt der Schwerpunkt auf der Identifizierung, Bewertung und Beurteilung dieser Risiken und ihrer Auswirkungen auf die finanzielle Stabilität und Rentabilität. Ziel ist es, die Risiken im Rahmen des Risikoappetits und der festgelegten Risikotoleranzen des Konzerns aktiv zu steuern, um langfristige strategische Ziele der OMV zu verwirklichen.

Risikomanagement-Governance

Die OMV erkennt die dynamische und sich ständig verändernde Natur ihrer Geschäftslandschaft an. Eine wirksame Risikosteuerung ist von entscheidender Bedeutung für die erfolgreiche Bewältigung von Unsicherheiten, die in der Natur der Geschäftstätigkeit der OMV liegen.

Als integraler Bestandteil des Aufsichtsrats überwacht der Prüfungsausschuss gewissenhaft die Umsetzung und Wirksamkeit unserer Risikomanagementprozesse. Durch die Nutzung der Expertise des Prüfungsausschusses und laufende Fortbildungsmaßnahmen verstärkt der Aufsichtsrat sein Engagement für eine solide Risikosteuerung.

Der Vorstand ergreift eine proaktive Haltung, um die Risikomanagementprozesse der OMV zu überwachen und zu verbessern sowie eine starke Risikokultur im gesamten OMV Konzern sicherzustellen. Ein funktionsübergreifender Ausschuss bestehend aus Mitgliedern des Senior Managements und unter der Leitung des:der CFO – das Risk Committee – stellt sicher, dass wesentliche Risiken innerhalb des Konzerns im Rahmen des Risikomanagementprozesses effektiv erfasst und gesteuert werden. Der OMV Konzern verfügt über eine wirksame, eigenständige zentrale Risikomanagementfunktion innerhalb des CFO-Bereichs, die direkt an den Vorstand berichtet und von den Geschäftsfeldern unabhängig ist.

Der Konzern vertritt die Ansicht, dass durch sein integriertes Geschäftsmodell und die damit verbundenen teilweise gegenläufigen Risiken das Gesamtrisiko wesentlich niedriger ist als die Summe der einzelnen Risiken. Die ausgleichende Wirkung von Branchenrisiken erfolgt jedoch häufig zeitlich verzögert oder abgeschwächt. Die Risikomanagementaktivitäten fokussieren sich daher auf die Nettoposition der Risiken des aktuellen und zukünftigen Geschäftsportfolios des Konzerns. Die wechselseitigen Abhängigkeiten und Korrelationen zwischen den einzelnen Risiken spiegeln sich auch im konzernweiten Risikoprofil wider. Die Risikomanagement- und Versicherungsaktivitäten werden zentral durch die Bereiche Treasury und Risk & Insurance Management koordiniert. Damit wird sichergestellt, dass im gesamten Konzern klare und konsistente Prozesse, Methoden und Techniken in Bezug auf das Risikomanagement angewendet werden. Für jedes Risiko wird ein:eine Risk Owner definiert, der:die am besten geeignet ist, die Überwachung und Steuerung des jeweiligen Risikos zu verantworten.

Das generelle Ziel der Risikopolitik ist es, die Liquidität des Konzerns abzusichern und ein dem Risikoappetit des OMV Konzerns entsprechend starkes Investment-Grade-Rating zu erhalten.

Finanzielle und nicht finanzielle Risiken werden regelmäßig im Rahmen des unternehmensweiten Risikomanagement-(UWRM-)Prozesses des OMV Konzerns identifiziert, beurteilt und berichtet.

Hauptzweck des UWRM-Prozesses ist es, einen wesentlichen Wertbeitrag für das Unternehmen zu leisten, indem risikobasierte Managemententscheidungen ermöglicht werden. Dies erfolgt mithilfe des Modells der drei Verteidigungslinien: 1. Unternehmensführung, 2. Risikomanagement und Aufsichtsfunktionen, 3. Interne Revision. Durch die richtige Einschätzung der finanziellen, operativen und strategischen Risiken wird die Nutzung von Geschäftsmöglichkeiten systematisch unterstützt, wodurch der Wert der OMV nachhaltig gesteigert wird. Das UWRM-System hat seit 2003 in allen Bereichen des Konzerns, einschließlich der Tochtergesellschaften in mehr als 20 Ländern, das Risikobewusstsein und die Kenntnisse über das Risikomanagement deutlich verbessert. Die OMV arbeitet laufend an der Weiterentwicklung des UWRM-Prozesses gemäß den internen und externen Anforderungen, wie zum Beispiel der Berücksichtigung von ESG-(„Environment, Social, Governance“-)Standards und -Rahmenwerken.

Der UWRM-Prozess der OMV wurde nach Maßgabe der Norm ISO 31000 eingerichtet und wird durch ein konzernweites IT-System unterstützt, in dem sämtliche festgelegten Prozessschritte dokumentiert werden: Risikoidentifikation, Risikoanalyse, Risikobewertung, Risikosteuerung, Berichterstattung und Monitoring führen zur kontinuierlichen Überwachung von Änderungen des Risikoprofils. Die Auswirkungen der durch einen Bottom-up-Prozess ermittelten Konzernrisiken werden mithilfe einer Monte-Carlo-Simulation bewertet und den Planungsdaten gegenübergestellt. Diese Herangehensweise wird vom Senior Management in einem Top-down-Prozess unter Einbeziehung der mit der Konzernstrategie verbundenen Risiken ergänzt. Auch nicht voll konsolidierte Gesellschaften sind in diesem Prozess inkludiert. Im Rahmen des UWRM-Prozesses bedienen wir uns konzernweit derselben Risikoterminologie und sprechen eine gemeinsame Risikosprache, um eine effektive Kommunikation von Risiken zu gewährleisten, wobei ESG-Risiken in der OMV Risikotaxonomie eine Schlüsselrolle spielen. Zweimal im Jahr werden die Ergebnisse dieses Prozesses zusammengeführt und dem Vorstand sowie dem Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats präsentiert. In Übereinstimmung mit dem Österreichischen Corporate Governance Kodex wird die Funktionsfähigkeit des UWRM jährlich durch einen:eine Wirtschaftsprüfer:in evaluiert. Folgende finanzielle und nicht finanzielle Schlüsselrisiken wurden in Bezug auf die Erreichung des Mittelfristplans der OMV ermittelt:

  • Finanzielle Risiken wie Marktpreisrisiken und Währungsrisiken
  • Operative Risiken inklusive aller mit Anlagen verbundenen Risiken, Produktionsrisiken, Projektrisiken, Personalrisiken, IT-Risiken, - und regulatorischer bzw. Compliance-Risiken
  • Strategische Risiken, die zum Beispiel durch Klimawandel und technologischen Fortschritt entstehen, aber auch Reputationsrisiken und politische Risiken wie Sanktionen beinhalten

Management der finanziellen Risiken

Marktpreis- und andere finanzielle Risiken, einschließlich der Marktpreisrisiken durch EU-Emissionsberechtigungen, entstehen durch die Volatilität von Rohstoffpreisen, Wechselkursen und Zinssätzen. Kreditrisiken, die durch die Unfähigkeit von Geschäftspartner:innen entstehen können, einer Zahlungs- oder Lieferverpflichtung nachzukommen, zählen ebenfalls zu den wesentlichen Risiken. Als Öl-, Gas- und Chemieunternehmen ist die OMV den Preisschwankungen der entsprechenden Rohstoffe in signifikantem Maße ausgesetzt. Auf der Währungsseite hat der Konzern wesentliche Risikopositionen in USD, RON, NOK, NZD und SEK. Aus dem Verkauf von Rohöl resultiert eine ökonomische Netto-USD-Long-Position in der OMV. Die vergleichsweise weniger signifikanten Risikopositionen in RON, NOK, NZD und SEK entstehen aus Kosten in lokalen Währungen in den jeweiligen Ländern.

Management von Rohstoffpreisrisiken, Währungsrisiken und Risiken im Zusammenhang mit EU-Emissionsberechtigungen

Die Analyse und das Management finanzieller Risiken, die aus Fremdwährungen, Zinssätzen, Rohstoffpreisen, EU-Emissionsberechtigungen, Kontrahent:innen, Liquidität und versicherbaren Risiken resultieren, werden zentral konsolidiert. Marktpreisrisiken werden konzernweit betrachtet und ihre möglichen Cashflow-Auswirkungen werden mittels eines Risikomodells analysiert, das Portfolioeffekte berücksichtigt. Die Auswirkungen der finanziellen Risiken (in erster Linie bezüglich Rohstoffpreisen und Währungen) auf Cashflow und Liquidität des Konzerns werden regelmäßig im Risk Committee präsentiert. Dieser Ausschuss unter der Leitung des:der CFO setzt sich aus den Mitgliedern des Senior Managements der Geschäftsbereiche und Konzernfunktionen zusammen.

In Bezug auf Rohstoffpreisrisiken und Währungsrisiken entscheidet der OMV Vorstand bei Bedarf über Hedging-Strategien zur Reduzierung dieser Risiken. Die OMV setzt Finanzinstrumente zu Sicherungszwecken ein, um die Konzernliquidität beispielsweise gegen den potenziell negativen Einfluss fallender Öl- und Gaspreise im Geschäftsbereich Energy abzusichern. In den Geschäftsbereichen Fuels & Feedstock und Chemicals & Materials ist die OMV insbesondere volatilen Raffinerie- und Chemiemargen, Erdgaspreisen und CO2-Emissionszertifikaten sowie Preisrisiken bei Lagerbeständen ausgesetzt. Entsprechende Optimierungs- und Hedging-Aktivitäten werden durchgeführt, um diese Risiken zu reduzieren. Hierunter fallen insbesondere Margen-Hedges sowie Lagerbestands-Hedges. Ein Governance-System zur Kontrolle von Optimierungs-, Handels- und Hedging-Risiken legt klare Mandate einschließlich der Risikoschwellen für diese Aktivitäten fest.

Zinsrisikomanagement

Zur Ausbalancierung des Zinsportfolios des Konzerns können im Rahmen definierter Regelungen Kredite von fixer auf variable Zinsbindung und vice versa umgestellt werden. Weiters analysiert die OMV regelmäßig den Einfluss von Zinsänderungen auf das Zinsergebnis aus variabel verzinsten Geldanlagen und -aufnahmen.

Kreditrisikomanagement

Das Kreditrisiko wesentlicher Kontrahent:innen wird auf Konzern- und Geschäftsbereichsebene bewertet und mittels definierter Limits für Banken, Geschäftspartner:innen und Sicherheitengeber:innen überwacht und gesteuert. Die Abläufe sind durch Richtlinien auf Ebene des OMV Konzerns geregelt. Angesichts eines schwierigen geopolitischen und wirtschaftlichen Umfelds mit hoher Inflation, volatilen Rohstoffpreisen, steigenden Zinsen und verzerrten Lieferketten wird besonders auf Frühwarnsignale geachtet, wie beispielsweise Änderungen im Zahlungsverhalten. In Anbetracht der Ereignisse im Bankensektor im ersten Quartal 2023 hat die OMV zusätzlich zu ihren standardmäßigen Kreditrisikomanagementprozessen eine noch strengere Überwachung ihrer Bankkontrahent:innen und der damit verbundenen Risiken eingeführt.

Operative Risiken

Die OMV ist durch ihre Geschäftstätigkeit verschiedenen Risiken in den Bereichen Gesundheit, Sicherheit und Umwelt (Health, Safety, Security, and Environment; HSSE) ausgesetzt. Dazu zählen die möglichen Auswirkungen von Naturkatastrophen sowie von Vorfällen im Bereich der Prozesssicherheit und der Sicherheit von Personen. Weitere operative Risiken gehen mit der Durchführung von Investitionsprojekten und der Nichteinhaltung von gesetzlichen oder regulatorischen Bestimmungen einher. Sämtliche operativen Risiken werden nach dem definierten Risikomanagementverfahren des Konzerns identifiziert, analysiert, überwacht und gemindert. Die bewerteten Risiken werden auf allen Unternehmensebenen unter Anwendung der definierten Risikorichtlinien und mit klar zugeordneten Verantwortlichkeiten gesteuert und gemindert. Die Schlüsselrisiken, wie beispielsweise Gesundheit, Sicherheit und Umweltschutz, Recht und Compliance, Personalmanagement sowie Nachhaltigkeit, werden zentral durch definierte Konzernrichtlinien geregelt, um sicherzustellen, dass Planungsziele erreicht werden können.

Projektrisiken

Bei der Umsetzung ihrer Strategie 2030 investiert die OMV sowohl in organische als auch anorganische Wachstumsprojekte und folgt dabei einem ausgereiften Projektrisikomanagementprozess zur regelmäßigen Identifizierung, Analyse und Überwachung der Projektrisiken. Die OMV verfügt über umfangreiche Erfahrungen im Management von Großprojekten und bei der Minimierung von Projektrisiken.

Die OMV kann operativen, politischen, technologischen und anderen Risiken ausgesetzt sein, die sich ihrem eigenen Einfluss und dem ihrer Vertragsunternehmen entziehen, was den Fortschritt der Projekte der OMV verzögern oder behindern kann.

So kann beispielsweise die Durchführung großer Onshore- und Offshore-Projekte in Rumänien, Norwegen und den durch Änderungen des jeweiligen regulatorischen oder steuerlichen Rahmens, durch die Nichtverfügbarkeit von Vertragsunternehmen oder den Mangel an qualifiziertem Personal beeinträchtigt werden. Projektkosten können durch Preisinflation, Arbeitskräftemangel oder die Unterbrechung bzw. Neuorganisation von Lieferketten negativ beeinflusst werden. Projekte können insbesondere in den Bereichen Recycling sowie nachhaltige Kraftstoffe und Rohstoffe von einer unzureichenden Verfügbarkeit der benötigten Ausgangsstoffe, der Unfähigkeit einer kommerziellen Nutzung neuer Technologien oder mangelnder regulatorischer Klarheit betroffen sein. Vor allem in neuen Geschäftsbereichen investiert die OMV unter Umständen häufiger über Partnerschaften und Joint Ventures, wodurch das Unternehmen erhöhten Governance- und Kreditrisiken ausgesetzt sein kann, die die Projektabwicklung unter Umständen negativ beeinflussen. Jedes dieser Risiken kann erhebliche nachteilige Auswirkungen auf die Geschäfts-, Ertrags- und Finanzlage der OMV haben.

ESG-Risiko

In Bezug auf Nachhaltigkeit legt die OMV besonderes Augenmerk auf fünf Schwerpunktbereiche: Klimawandel, Management natürlicher Ressourcen, Menschen, ethische Geschäftspraktiken sowie Gesundheit, Arbeitsschutz und Sicherheit.

Die Vorstandsmitglieder der OMV diskutieren regelmäßig (zumindest vierteljährlich) über aktuelle und bevorstehende Richtlinien und Vorschriften zu folgenden Themen: Umwelt, Klima und Energie, diesbezügliche Entwicklungen in den Märkten für Kraftstoffe, Chemikalien und Erdgas, finanzielle Auswirkungen von Handelssystemen für Emissionszertifikate, Status von Innovationsprojekten und Fortschritt in Bezug auf die Nachhaltigkeitsziele. Die OMV legt einen starken Fokus auf die potenzielle Vulnerabilität des Unternehmens durch den Klimawandel (z. B. Wasserknappheit, Dürreperioden, Überschwemmungen und Erdrutsche), die Auswirkungen des Unternehmens auf die Umwelt und die Maßnahmen zur Gewährleistung eines erfolgreichen Wandels hin zu einer CO2-armen Umwelt (z. B. Reduzierung der CO2-Emissionen und Einhaltung neuer regulatorischer Anforderungen). Die mit dem Klimawandel in Zusammenhang stehenden kurz- und mittelfristigen physischen Schwachstellen werden im Rahmen des UWRM-Prozesses ermittelt und berichtet. Ergänzend dazu erstellte die OMV eine fundierte Klimabilanz und Schwachstellenanalyse für den Großteil ihrer Assets, um ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber physischen Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel zu ermitteln. Dabei wurden jene Szenarien des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change; IPCC) verwendet, die dem von der EU-Taxonomie vorgeschlagenen Zeithorizont entsprechen.

Die Geschäftstätigkeit der OMV hat Auswirkungen auf unsere Mitarbeiter:innen und die Anrainergemeinden der Standorte, an denen wir vertreten sind. Als Unterzeichnerin des United Nations Global Compact befolgt die OMV den Prozess der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht, der die Bewertung der Menschenrechtsrisiken im Zusammenhang mit unseren aktuellen und zukünftigen Geschäftsaktivitäten sowie das Ergreifen von Risikomanagementmaßnahmen umfasst. Bei diesem fortlaufenden Prozess wird auf externe Ressourcen und Fachkenntnisse zurückgegriffen, und externe Stakeholder:innen, insbesondere die betroffenen Gruppen, werden einbezogen.

IT-Risiken

Da die OMV bei ihren Aktivitäten auf IT-Systeme angewiesen ist, kann es zu Beeinträchtigungen aufgrund von größeren Cyberattacken kommen. Zum Schutz von Daten und IT-Assets, die Daten speichern und verarbeiten, werden daher konzernweit entsprechende Sicherheitskontrollen implementiert. IT-Risiken werden laufend bewertet und überwacht sowie mithilfe von geeigneten IT- und Sicherheitsprogrammen im gesamten Konzern aktiv gesteuert. OT-(„Operational Technology“-)Risiken finden im Rahmen der Bewertung von Prozesssicherheitsrisiken Berücksichtigung. Die OMV ist sich auch der aufkommenden Risiken durch künstliche Intelligenz (KI) bewusst und integriert daher aktiv Maßnahmen in die bestehenden IT-Sicherheitskontrollen, um potenziellen Störungen und Schwachstellen im Zusammenhang mit KI entgegenzuwirken.

Strategische Risiken

Zur Identifizierung strategischer Risiken, die potenziell langfristige Auswirkungen auf die Unternehmensziele haben könnten, beobachtet die OMV laufend ihr internes und externes Umfeld.

Geopolitische und regulatorische Risiken

Die OMV beobachtet die geopolitischen Entwicklungen aufmerksam, insbesondere den anhaltenden Krieg Russlands gegen die Ukraine sowie mögliche zusätzliche Sanktionen und Gegensanktionen, die sich daraus ergeben könnten, aber auch die jüngsten Angriffe auf Israel, die Bedenken hinsichtlich der Stabilität der Region und der potenziellen Auswirkungen auf die geschäftlichen Aktivitäten der OMV aufgeworfen haben. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Geschäftstätigkeit der OMV in der MENA-Region bislang von diesen Entwicklungen unberührt geblieben ist.

Das Unternehmen prüft regelmäßig die Auswirkungen möglicher weiterer Eskalationen auf seine Geschäftstätigkeit. Zum Beispiel könnten anhaltende und/oder zunehmende Unterbrechungen der russischen Rohstofflieferungen nach Europa zu einem weiteren Anstieg der europäischen Energiepreise führen. Sanktionen gegen Russland und von Russland verhängte Gegensanktionen könnten zu weiteren Störungen in den globalen Lieferketten und Engpässen führen – beispielsweise bei Energieprodukten, Rohstoffen, Agrarprodukten und Metallen – was wiederum einen weiteren Anstieg der Betriebskosten zur Folge hätte.

Im Hinblick auf mögliche weitere oder sogar vollständige Unterbrechungen der Erdgaslieferungen aus Russland, beispielsweise aufgrund der Beendigung des Gastransit-Vertrags zwischen der Ukraine und Russland, hat die OMV sowohl ihre Gasversorgungsquellen als auch ihre Gasversorgungswege diversifiziert, um die sichere Energieversorgung ihrer Kund:innen zu gewährleisten. Unterstützt durch ein überdurchschnittlich wärmeres Wetter in Europa, eine erhöhte Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sowie hohe Gaspreise haben Haushalte und Industrie im Jahr 2023 ihren Gasverbrauch reduziert. Dies führte zu einer geringeren Gasnachfrage und zu mehr Gas in den Lagerbeständen in Mitteleuropa als ursprünglich erwartet. Im Juli 2023 gelang es der OMV, für das laufende Gaswirtschaftsjahr sowie für die Periode vom 1. Oktober 2023 bis 30. September 2026 an den Übergabepunkten Oberkappel (Pipeline aus Deutschland) und Arnoldstein (Pipeline aus Italien) 40  zusätzliche Transportkapazitäten nach Österreich zu sichern. Für den Zeitraum vom 1. Oktober 2026 bis 30. September 2028 buchte die OMV weitere Transportkapazitäten von ungefähr 20 TWh an den besagten Übergabepunkten nach Österreich. Die OMV beobachtet die Entwicklungen weiterhin genau und bewertet regelmäßig potenzielle Auswirkungen auf den Cashflow und die Liquiditätslage des Konzerns.

Eine hohe Volatilität der Erdgaspreise kann potenziell zu Liquiditätsspitzen führen, um Margin Calls für kurzfristige Börsenhandelsaktivitäten zu erfüllen. Die OMV verfügt über ungenutzte zugesagte und nicht zugesagte Kreditfazilitäten, um solche kurzfristigen Anforderungen im Bedarfsfall zu erfüllen. Der Konzern reagiert auf die Situation mit gezielten Maßnahmen, um die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens und eine sichere Energieversorgung zu gewährleisten.

Als direkte Folge der Energiekrise in Europa wurden in einigen Ländern, in denen die OMV tätig ist, regulatorische Maßnahmen wie regulierte Preise bzw. Preisobergrenzen für Gas und Strom, Subventionsprogramme und Überbesteuerung oder der EU‑Solidaritätsbeitrag implementiert. Sollten die Energiepreise in Europa weiterhin auf hohem Niveau bleiben, besteht das Risiko, dass weitere regulatorische und steuerliche Eingriffe die Finanzlage der OMV beeinträchtigen.

Abgesehen von den oben erwähnten geopolitischen Spannungen ist die Geschäftstätigkeit der OMV noch weiteren geopolitischen Risiken ausgesetzt, wie beispielsweise Enteignung und Verstaatlichung, Beschränkung von Eigentum ausländischer Investor:innen, inneren Unruhen, Kriegshandlungen oder Terrorismus und politischer Instabilität, etwa in Libyen, im Jemen oder Tunesien sowie anderen Ländern, in denen die OMV tätig ist und Investitionen getätigt hat. Die OMV verfügt jedoch über umfangreiche Erfahrungen und Kenntnisse hinsichtlich des politischen Umfelds in Schwellenländern. Außerdem können mögliche regulatorische Änderungen zu Unterbrechungen, Rückgängen in der Produktion oder höheren Steuerbelastungen führen. Die OMV beobachtet kontinuierlich politische und regulatorische Entwicklungen in allen Märkten, die sich auf ihre Geschäftstätigkeit auswirken. Spezifische Länderrisiken werden vor dem Eintritt in neue Länder überprüft.

Makroökonomische Risiken

Geoökonomische Fragmentierung, Handelsbeschränkungen sowie Unterbrechungen der globalen Lieferketten könnten zu weiteren Kostensteigerungen für die OMV führen. Im Zusammenhang mit steigenden Zinssätzen kann diese Situation das Wirtschaftswachstum negativ beeinflussen, was wiederum die Nachfrage nach den Produkten der OMV beeinträchtigen könnte.

Risiken in Verbindung mit dem Klimawandel

Neben dem Marktpreisrisiko im Zusammenhang mit EU-Emissionsberechtigungen bewertet die OMV laufend die Exposition des Konzerns gegenüber Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Dazu zählen die potenziellen Auswirkungen von plötzlichen oder anhaltenden Ereignissen, wie etwa häufigere extreme Wetterereignisse, aber auch systemische Änderungen unseres Geschäftsmodells aufgrund veränderter rechtlicher Rahmenbedingungen oder die Substitution von OMV Produkten durch verändertes Konsumverhalten. Die OMV betrachtet den Klimawandel als zentrale globale Herausforderung. Bei der Entwicklung unserer Geschäftsstrategie berücksichtigen wir deshalb klimarelevante Risiken und Chancen. Maßnahmen, die wir zur Steuerung oder Minderung solcher Risiken ergreifen, werden in den entsprechenden Abschnitten dieses Berichts, insbesondere in den Abschnitten Nachhaltigkeit und Strategie, näher erläutert.

Risiken in Verbindung mit der Unternehmenstransformation

Die Transformation der OMV zu einer führenden Anbieterin von nachhaltigen Kraftstoffen, Chemikalien und Materialien sowie nachhaltigen Energielösungen ist von einer Vielzahl von Unsicherheiten geprägt. Zu diesen Risiken gehören die Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiter:innen, Technologie- und Scale-up-Risiken, die Verfügbarkeit nachhaltiger Rohstoffe in ausreichender Qualität und Quantität sowie Governance-Risiken im Zusammenhang mit Joint Ventures und Partnerschaften.

Personalrisiken

Durch eine gezielte Nachfolge- und Entwicklungsplanung will die OMV Abteilung People & Culture geeignete Führungskräfte für das weitere Unternehmenswachstum entwickeln bzw. für die OMV gewinnen und damit Personalrisiken mindern.

Weitere Details zum Risikomanagement und zur Verwendung von Finanzinstrumenten finden Sie in der Anhangangabe 30 im Konzernabschluss.

Weitere Details zu den mit dem Klimawandel verbundenen Risiken und deren Management finden Sie im OMV Nachhaltigkeitsbericht und in der Anhangangabe 2 im Konzernabschluss.

Weitere Details zu Risiken in den Bereichen Gesundheit, Sicherheit und Umwelt finden Sie im Abschnitt Gesundheit, Sicherheit und Umwelt (HSSE) des Konzernlageberichts.

HSSE
Health, Safety, Security, and Environment; Gesundheit, Sicherheit und Umweltschutz
VAE
Vereinigte Arabische Emirate
TWh
Terawattstunde